Sonntag, 5. Mai 2013

Rezension: Das Museum der gestohlenen Erinnerungen (Ralf Isau)





Titel: Das Museum der gestohlenen Erinnerungen
Reihe: nein
Verlag: Carlsen
Taschenbuchausgabe mit 696 Seiten
ISBN 978-3-551-35876-9
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 12-15Jahre
Preis: 12,90 Euro






Klappentext: 

Kann man seinen Vater einfach so vergessen? Eigentlich nicht, doch genau das ist den Zwillingen Oliver und Jessica passiert. Ihre Erinnerungen an ihn scheinen einfach verschwunden zu sein, so wie er selbst auch. Aus seinem Tagebuch erfahren sie von Quassinja, dem Reich der verlorenen Erinnerungen mit seinem skrupellosen Herrscher Xexano. Dieser plant zur Erde zurückzukehren und die Menschen zu unterwerfen. Hat dieser Xexano vielleicht etwas mit dem Verschwinden ihres Vaters zu tun?

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Story und Charaktere:

Oliver und Jessica geraten ganz unfreiwillig in ein Abenteuer, dessen Ausgang ganz bei ihnen liegt. An einem Tag ist die Welt noch völlig in Ordnung, am nächsten Tag haben sie ihren Vater plötzlich einfach vergessen. Und nicht nur das, er ist auch noch verschwunden. Durch Zufall erfahren sie aus seinem Tagebuch vom Land „Quassinja“, das das Reich der verlorenen Erinnerungen bildet und von einem unbarmherzigen Herrscher namens Xexano regiert wird. Sofort machen sie sich auf die Suche nach diesem Reich und finden den Eingang dazu ausgerechnet bei sich zu Hause in Berlin. Das „Ischtar-Tor“ im Pergamonmuseum birgt ein Portal in die geheimnisvolle Welt, von der ihr Vater geschrieben hat. Hier gibt es ein Einhorn, das so philosophisch ist, dass man es kaum versteht. Außerdem trifft man auf den alten ausgedienten Mantel Napoleons, der eigentlich ganz nett ist, bekommt einen kleinen gläsernen Helfer in Form eines Kolibris zur Seite gestellt und findet sogar verlorene Gegenstände, wie Olivers kleinen Pinsel, wieder, der das Vergessen-worden-sein gar nicht so witzig findet. Während man all diese Wesen kennenlernt geht es natürlich darum, die Welt vor der Rückkehr Xexanos zu retten, der sich die Menschen unterwerfen will. Gar keine leichte Aufgabe. Während Oliver in Quassinja sein Bestes tut, versucht Jessica mit einer neuen Freundin alles über diesen Herrscher in Erfahrung zu bringen und Oliver so zu helfen. Ein tolles Abenteuer, dessen Story mir mehr als gefallen hat.

Doch nicht nur die Geschichte ist wunderbar gelungen, auch die Charaktere sind von Ralf Isau wohldurchdacht. Die Figuren, die das Buch beleben, fungieren als Abenteurer, deren Stelle man selbst gerne einnehmen würde. Gleichzeitig sind sie Helden, denen man unablässig die Daumen drückt und mit denen man mitfiebert. Die beiden 14jährigen Hauptcharaktere sind Zwillinge, die äußerlich und innerlich unterschiedlicher nicht sein könnten, sodass beide einen ganz eigenen Platz in der Geschichte erhalten. Während Jessica der Computerfreak ist, deren andere Interessen sich über die Bereiche Mathematik und Naturwissenschaft erstrecken, befasst sich Oliver lieber mit der Kunst und der Musik. Über seinem Bett hängt ein Bild mit dem Titel „The Harp of the winds“ und da er selbst Gitarre, Klavier und Flöte spielt, liebt er den Vergleich zwischen dem Bild und der Äolsharfe, die nur vom Wind richtig gespielt werden kann. Jessica ist ziemlich hochgewachsen, während Oliver einen halben Kopf kleiner und rundlicher in der Bauchgegend ist. Mit diesen beiden Charakteren symphatisiert man von Anfang an.
Auch jeder Nebencharakter ist wunderbar ausgearbeitet und der ein oder andere wird dem Leser noch eine ganze Weile im Gedächtnis bleiben. Ich selbst habe den kleinen gläsernen Kolibri Nippy ins Herz geschlossen. Nippy ist fröhlich, ein bisschen frech, recht hektisch, hilfsbereit und einfach goldig. Es wundert mich nicht, dass man für die Covergestaltung unter anderem den kleinen Vogel gewählt hat.

Was mir besonders gefallen hat:

Was den besonderen Reiz an diesem Buch ausmacht ist, dass hier auch geschichtliche Dinge eine große Rolle spielen. In diesem Fall setzt sich das Buch mit verschiedenen Aspekten des geschichtlichen Hintergrunds Mesopotamiens auseinander. Auch Babylon bleibt hier nicht ungenannt - es spielt sogar eine wesentliche Rolle. Wer einmal in Berlin gewesen ist und das Ischtar-Tor, das aus Babylon aus der Zeit Nebukadnezars II stammt, durchschritten hat, weiß, wie sich die Protagonisten dieses Buches zu Beginn ihres Abenteuers fühlen.
Wer nach diesem Buch irgendwann einmal nach Berlin reist und den Vorderasiatischen Bereich des Pergamon-Museums besucht, wird an nichts anderes denken, als an Oliver und Jessica. Die Augen huschen von links nach rechts, alles wirkt plötzlich nicht mehr nur erhaben und prachtvoll, sondern auch geheimnisvoll und mystisch. Ich war erst nach dem Lesen des Buches dort und war total gefesselt.
Wunderbar ist es Ralf Isau gelungen, den geschichtlichen Dingen einen Platz einzuräumen, der zwar relativ groß ist, aber so in die Geschichte eingewoben wurde, dass er einfach dazugehört, ohne aufgesetzt zu wirken oder einem das Gefühl zu geben, ein Lehrbuch aus der Schule in der Hand zu halten.

Meisterhaft wird hier ein Netz gesponnen, in das sich Fantasie und Wirklichkeit gleichermaßen verfangen ohne dabei unrealistisch zu sein. Ich denke, dies ist eine Kunst für sich. Normalerweise bin ich auch gar kein Freund davon beim Lesen in der realen Welt zu verweilen, sondern treibe mich lieber in Welten herum die fernab der unseren sind, um das Buch am Ende schließen zu können und zu sagen:"Schön wars!" Das gelingt bei Ralf Isau leider nicht. Man möchte am liebsten noch weiter lesen oder gleich noch einmal von vorne anfangen und das, obwohl man sich beim Lesen nicht nur in einer fiktiven Welt befindet.

Gestaltung:

Das Taschenbuchcover ist recht einfach gehalten. Eine Figur steht am rechten Bildrand, die in ein Stück Wald hineinschaut, der mit warmen Farben beleuchtet ist. Unter dem Titel flattert ein kleiner goldener Vogel neben der Person her und bildet somit den Blickfang des Covers. Obwohl so einfach und schlicht, hat es doch etwas Magisches an sich, das am Ende wunderbar zum Inhalt des Buches passt. Im Inneren des Buches wurde sich sehr viel Mühe mit den verschiedenen Schriften gegeben. Für handgeschriebene Dinge wurde eine andere Schrift verwendet, als für E-Mails oder den Rest des Textes. Das macht, trotz seiner Einfachheit, doch so einiges aus, weil sich das Ganze so voneinander abhebt. Man hat wirklich das Gefühl einen Brief, Tagebucheintrag oder eine E-Mail zu lesen. Das trägt wunderbar zur Textgestaltung bei.

Wertung:

"Das Museum der gestohlenen Erinnerungen" war das erste Buch, das ich von Ralf Isau gelesen habe. Noch nie hat mich ein Buch so sehr in seinen Bann gezogen wie dieses. Egal wo ich war, ich hatte das Bedürfnis möglichst auf der Stelle nach Hause zurückzukehren und mich weiter den Zeilen dieses Buches zu widmen. Es dauerte nur ein paar Tage, dann war der Zauber vorbei. Letzte Seite. Ende. So ein Mist!

Wer sich nicht nur in der Welt von Trollen, Drachen, Zwergen, Elfen und was der Büchermarkt gerade sonst so zuhauf produziert, aufhalten möchte, ist hier genau richtig. Diesem Werk mangelt es nicht an nie dagewesener Fantasie. Kapitel für Kapitel steigt man weiter hinab in eine Welt, die der unseren so ähnlich ist, aber doch mehrere Universen weit weg zu sein scheint. Während ich das Buch gelesen habe, schaltete sich um mich herum die Welt aus und machte Platz für einen wundersamen Ort, der sich bis in mein Unterbewusstsein erstreckte.

Ganz klar meine Wertung für dieses Buch: 5 Lila-Lesesterne



Anmerkung:

Ralf Isau hat zum Buch einen Autorenkommentar verfasst, den ihr euch gerne unter folgendem Link anschauen könnt:

Autorenkommentar zu "Das Museum der gestohlenen Erinnerungen"

1 Kommentar:

  1. Cool! Ich finde auch, dass es 5 Sterne verdient!
    Es ist aber kompliziert zu lesen, manchmal sollte ich eine Seite ungefähr dreimal lesen! hahaha
    Und Oliver, er ist so süss :)

    Sorry für mein Deutsch...

    Viele Grüsse n_n

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