Mittwoch, 1. Mai 2013

Rezension: Das Unkrautland - Auf den Spuren der Nebelfee (Stefan Seitz)






Titel: Das Unkrautland – Auf den Spuren der Nebelfee
Reihe: Band 1 der Reihe „Das Unkrautland“
Verlag: Carlsen
Taschenbuchausgabe mit 317 Seiten
ISBN 978-3-551-31150-4
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre
Preis: 7,99 Euro
auch als Hardcoverausgabe für 14,95 Euro erhältlich





Klappentext:

"Dann ließ Primus den Stein plötzlich los. Primus traute seinen Augen nicht. Der Stein fiel nicht krachend zu Boden, sondern schwebte frei im Raum wie von einer unsichtbaren Hand getragen."

Primus lebt in einem Turm am Rande des Finsterwaldes. Er kann sich, wann immer er will, in eine Fledermaus verwandeln. Als er auf die Hexe Plim trifft, macht er sich mit ihr auf die Suche nach einer geheimnisvollen Mondsichel, die übernatürliche Kräfte verspricht. Und eher er sich versieht, steckt Primus mitten in einem gefährlichen Abenteuer - Auge in Auge mit dem finsteren Ruven Rabenstein.

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Story und Charaktere:

Primus, der sich nach Belieben in eine Fledermaus verwandeln kann, fliegt nachts ganz gerne in die Stadt, um für sich und seine Freunde ein paar Torten- und Kuchenstücke zu klauen. Bei den Bewohnern ist er so gefürchtet, dass sie eine Geheimwaffe gegen ihn erfunden haben, die sie erfolglos einsetzen.
Er führt in seinem schiefen Haus mit dem großen Turm, das außerhalb der Stadt steht, ein ziemlich sorgenfreies Leben. Dabei ist er natürlich nicht ganz alleine. In seiner Uhr wohnt der knöchrige Bucklewhee und auf seinem Kompost der dicke Kürbis Snigg. Zwei liebenswerte, wenn auch eigenwillige Charaktere, die man während des Lesens einfach ins Herz schließen muss.
Bis Primus auf die Hexe Plim trifft und sich nach einigen „Startschwierigkeiten“ mit ihr anfreundet, um dann eines seiner größten und rätselhaftesten Abenteuer zu bestehen, ist es ruhig bei ihm zuhause. Die heißen Tage verbringt er im kühlen Keller, die Nächte an der frischen Luft und ab und zu hält er auch ein Schwätzchen mit seinen beiden Freunden.
Über Primus erfährt der Leser im Laufe des Buches nicht nur so einiges zu seinem aktuelles Leben, sondern auch über seine Vergangenheit, von der er aus einem für ihn unerfindlichen Grund selbst nichts weiß. Auf der Reise zu den Bruchstücken seiner Vergangenheit begleitet ihn die Hexe Plim – ein etwas überdrehter, aber sehr symphatischer Charakter, in dem sich die ein oder andere Frau mit Sicherheit hier und da augenzwinkernd selbst wiedererkennt.
Plims größtes Problem ist die Schönheit – sie selbst glaubt nämlich, dank ihres fiesen Spiegels, unglaublich hässlich zu sein. So braut sie fröhlich und auch mal fluchend ihre Schönheitstränke zusammen, von denen aber keiner eine Wirkung zu zeigen scheint. Da kommt ihr die Sache mit der Mondsichel und dem Abenteuer mit Primus gerade recht.
Die zwei  Hauptcharaktere sind sehr schön von Stefan Seitz ausgearbeitet worden. Sie haben beide ihre völlig eigene Geschichte, ihre eigenen Macken und Eigenschaften, ihre liebenswerten Seiten und auch solche, die den Leser die Augen rollen lassen. Eigentlich passen sie überhaupt nicht zusammen, doch gerade das macht die beiden zu einem tollen Team.
Dennoch, mein Lieblingscharakter ist der dicke Kürbis Snigg, der am liebsten Fallobst isst und eigentlich nie wirklich satt ist. So ist er ständig auf der Suche nach etwas zu essen, was ihn zum Einen in Schwierigkeiten bringt, ihn aber an anderer Stelle zum Held macht. Sein witziges Rumhopsen um sich fortzubewegen und seine einfache Art zu denken und zu handeln, machen ihn unheimlich symphatisch.
Neben den ganzen „guten“ Charakteren, die ich hier natürlich nicht alle aufzählen will, fehlt hier selbstverständlich auch der „böse“ Charakter nicht. Der Gegenspieler der beiden Hauptprotagonisten heißt Ruven Rabenstein und dieser hat sein eigenes Interesse an der Mondsichelsache.
Obwohl er nicht oft im Buch auftaucht oder Erwähnung findet, gelingt es Stefan Seitz auch hier, mit wenigen Informationen ein fertiges Charakterbild zu schaffen.
Die witzigen Nebencharaktere, wie etwa die Vogelscheuche Chuck, bleiben ebenfalls nicht einfach eindimensional. Wirklich jeder Charakter bekommt den nötigen Raum und die schriftstellerische Aufmerksamkeit, die ihm gebührt.

Was mir besonders gefallen hat:

Was mir besonders an diesem Buch gefällt, ist, dass es so wunderbar kurzweilig ist. Dadurch unterhält es von Anfang bis Ende, ohne unnötige Längen oder übertriebene Spannungsbögen. Auch verzichtet Stefan Seitz auf zu viele Beschreibungen. Er gibt dem Leser genau das, was er braucht, um sich den Rest selbst denken zu können. So unterstützt er das Kino im Kopf, ohne dem Leser den Platz für seine eigenen Fantasien zu nehmen.
Das Ganze bekommt dann noch eine gesunde Prise Humor, die den Leser mehr als einmal schmunzeln lässt.
Durch den einfachen Schreibstil eignet sich das Buch auch für jüngere Leser oder gar Zuhörer mit Vorlesemamas und – papas. Hier kommt jedes Familienmitglied auf seine Kosten.

Gestaltung und Kritik:

Zu guter Letzt noch ein Wort zur Gestaltung des Buches. Titel und Schrift finde ich sehr gut gewählt und auch das cartoonige Haus im Mondlicht gefällt mir außerordentlich gut. Was mich allerdings am Gesamtbild ein wenig stört, ist die Art und Weise, wie der Hauptprotagonist auf dem Cover dargestellt ist. Auf mich wirkt er, als wäre er nachträglich platziert worden. Während der Hintergrund sehr dynamisch ist, ist seine Figur sehr steif. Außerdem kommt das Licht eigentlich von hinten, während er als einziges Objekt von vorne beleuchtet ist. Sicherlich wollte der Covergestalter den Fokus auf das Gesicht des Protagonisten lenken, was so aber ungünstig gelöst wurde. Auch die Größenverhältnisse zueinander irritieren. Dies ist allerdings auch der einzige Punkt, den ich am gesamten Werk bemängele. Ich freue mich bereits sehr auf das Lesen des zweiten Bandes, der für mich nun zum Pflichtkauf gehört.

Wertung:

Da mir die Geschichte, dessen Ausführung, die einzelnen Charaktere, der Schreibstil und der Humor an diesem Buch sehr gut gefallen haben, mir in keinem Moment langweilig wurde und ich immer wieder etwas zu lachen hatte, es keine unnötigen Längen gab und ich als Leser dazu angehalten wurde meiner Fantasie freien Lauf zu lassen vergebe ich, aufgrund des Kritikpunktes am Cover, an dieses Buch 4 1/2 Lila-Lesesterne, was eine klare Leseempfehlung meinerseits bedeutet.






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