Donnerstag, 2. Mai 2013

Rezension: Der mysteriöse Mr. Spines - Wings (Jason Lethcoe)







Titel: Der mysteriöse Mr. Spines - Wings
Reihe: Band 1 der Reihe „Der mysteriöse Mr. Spines“
Verlag: bloomoon
Harcoverausgabe mit 193 Seiten
ISBN 978-3-7607-5323-2
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre
Preis: 12,95 Euro






Klappentext:

"Edward schrie auf. Ein grässliches Reißen erklang und zwei messerscharfe Spitzen bohrten sich durch seine Haut. Ihnen folgten zwei große schwarze Gebilde, die sich im Hervortreten entfalteten und Edwards Pulli am Rücken in Fetzen rissen. Zögernd tastete er mit einer Hand nach hinten und schauderte. Auf seinem Rücken befand sich tatsächlich etwas, das vorher nicht dagewesen war. Und mit einem Mal erkannte Edward die ungeheuerliche Wahrheit: Zwischen seinen Schultern waren zwei noch feuchte, ebenholzfarbene Flügel hervorgewachsen."

Von einem Tag auf den anderen ist im Leben des jungen Edward Macleod nichts mehr so, wie es war. Wie ist es nur möglich, dass ihm Flügel gewachsen sind? Und wer ist der mysteriöse Mr. Spines, der ihn aus höchster Gefahr rettet? Könnte er den Schlüssel zu den Geheimnissen sein, die Edward plötzlich umgeben?

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Story und Charaktere:

Der 14jährige Edward MacLeod hat es nicht leicht. Nach dem Tod seiner Mutter wurde er von seiner Tante in die Berufsschule „Gießerei“ abgeschoben, wo er seit zwei Jahren sein Dasein fristet. Er ist etwa zwei Meter groß, dazu von schmächtiger Statur und zu allem Überfluss stottert er auch noch. Nicht gerade gute Voraussetzungen um sich bei seinen Mitschülern beliebt zu machen. So bleibt er einsam und alleine, liest viel und baut Kartenhäuser um zur Ruhe zu kommen.
Seit einiger Zeit juckt sein Rücken so sehr, dass es ihn manchmal wahnsinnig macht. Es ist ausgerechnet die Stelle zwischen den Schulterblättern, an die man selbst so schlecht heranreicht.
Dieses Jucken artet zu einem brennenden Schmerz aus als er „Whiplash Peitschenhieb“ kennen lernt, nachdem er sich mit einem Mitschüler geprügelt hat. Was Edward nicht weiß ist, dass Whiplash zu den Gefallenen gehört, der ihm seine Flügel abnehmen will, sobald diese gewachsen sind, was nicht lange auf sich warten lässt. Zur Hilfe kommen will ihm dabei der mysteriöse Mr. Spines, dem Edward anfangs allerdings so gar nicht vertraut. Doch wie es nunmal so ist, ändern sich die Dinge, als Edward erfährt, dass seine Mutter nicht tot ist, sondern vom Schakal gefangen gehalten wird. Jetzt ist Edward nur noch eines wichtig: Die Rettung seiner Mutter!

Nachdem ich das Buch nach dem Cliffhanger auf Seite 193 beendet hatte, blieb ich ziemlich unzufrieden zurück. Der Anfang des Buches ist vielversprechend – bis hin zu der Stelle, an der Edward die Flügel wachsen. Bis dahin nimmt Jason Lethcoe sich Zeit die einzelnen Charaktere vorzustellen und ihnen Leben einzuhauchen, die Umgebung zu beschreiben und das Kopfkino laufen zu lassen. Ab dem Moment allerdings, in dem die Jagd auf Edward losgeht, das Abenteuer um ihn und seine Herkunft beginnt, steht nur noch die Geschichte im Vordergrund. Die Charaktere verblassen, sind nur noch handelnde Personen über die man nicht viel sagen kann. Sie sind meiner Meinung nach völlig austauschbar. Als erster Teil einer Trilogie hat das Buch auch gar nicht allzu viel Handlung, sodass ich mir gewünscht hätte, mehr von den Charakteren zu erfahren, um eine Lesebeziehung zu ihnen aufbauen zu können, die mich in die Folgebände trägt.

Um die Figuren wirklich zu verstehen und sie näher kennenzulernen, muss man das am Ende angehängte Glossar lesen, das dann lieber am Anfang hätte stehen sollen, da einem die Informationen am Ende nicht mehr viel nützen, wenn man das Buch unzufrieden aus der Hand legt.

Die Geschichte selbst ist im Detail recht kompliziert. Nachdem Edward seine Flügel bekommen hat, wird der Leser mit Informationen überhäuft, von denen jede zweite noch Ausnahmen aufzeigt, die man sich merken soll, um zu verstehen, warum der ein oder andere Charakter entgegen dessen, was er eigentlich tun kann und darf, handelt. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die immer nebeneinander herlaufen und sich teilweise kreuzen. Dies ist allerdings gut gelöst, denn so verliert man den Überblick über die einzelnen Charaktere nicht.

Was mich wirklich fragend zurückgelassen hat, ist die Darstellung von Edwards Verhalten. Obwohl der Autor immer wieder betont, dass Edward seine Flügel irgendwie Angst machen und er sich dafür schämt, aber nicht einmal ausrastet, als sie plötzlich da sind oder das Ganze gar hinterfragt, orientiert sich Edwards Verhalten an dem eines normalen Jungen. Wären diese Einwürfe nicht zwischenzeitlich da, wüsste man gar nicht, dass Edward riesige Flügel auf dem Rücken hat. Eigentlich finden sie nur am Anfang Erwähnung, als er sie bekommt und am Ende, als er sie ohne Übung einzusetzen vermag. Eine Sache, die nach Aussage des mysteriösen Mr. Spines ganz und gar unmöglich ist. Hier fehlte mir der Bezug zum Zweck des Buches völlig. Ob mit oder ohne Flügel, der Text hätte kaum einen Unterschied gemacht.

Was mir besonders gefallen hat:

An diesem Buch gibt es nur eine Sache, die mir besonders gefallen hat und das sind die kurzen Kapitel. Dadurch, dass wir mehrere Handlungsstränge verfolgen, bieten sich diese kurzen Kapitel an, um den Faden nicht zu verlieren. Die Handlungsstränge laufen gleichzeitig zu den anderen Kapiteln ab. Man verweilt nie zu lange bei einem Charakter, sodass einem beim Lesen der Anschluss an den weiteren Verlauf der Geschichte nicht fehlt oder gar schwerfällt.

Gestaltung:

Eine silberne, mystische Schrift lädt den Betrachter dazu ein, das Buch mit dem recht dunklen Cover und dem Jungen mit den ebenholzfarbenen Flügeln, der auf einem Ast sitzt und Karten zu Boden gleiten lässt, in die Hand zu nehmen.
Die Schrift, die wir auf dem Cover finden, findet sich auch als Kapitelüberschrift im Buch wieder. Leider sieht diese Schrift keine Großbuchstaben vor, sodass alle Kapitelüberschriften klein geschrieben wurden. Es sieht seltsam aus, wenn Worte wie „die rettung“ falsch geschrieben wurden und mir ist nicht ganz klar, warum man das so gewählt hat. Der Druck der Überschriften im Buch fällt außerdem ziemlich blass aus, sodass sie mir nicht wirklich gefällt. Durch die kleingeschriebenen Buchstaben, die hier scheinbar als Stilmittel eingesetzt werden, habe ich immer das Gefühl von falscher Rechtschreibung, was sie ja letztlich auch ist, denn Nomen werden jetzt und immer nun einmal groß geschrieben.

Wertung:
Leider ist es Jason Lethcoe nicht gelungen, mich nach Seite 72 bei der Stange zu halten. Während die Geschichte weiter ihren Lauf nimmt, baut man keinen Bezug zu den einzelnen Figuren auf, die sehr eindimensional sind und ohne Glossar auch bleiben. Die Story ist durch die miteinander verschachtelten „Wenns“ und „Abers“ recht kompliziert und auch hier schafft wieder nur das Glossar Abhilfe, um die Informationen zu bekommen, die während des Textes fehlen. Jason Lethcoe hätte seiner Geschichte und seinen Charakteren viel mehr Raum geben müssen, um sie glaubhaft wirken zu lassen und den Leser wirklich auf eine Reise in das Buch mitzunehmen.
„Wings“ ist der erste Band einer dreiteiligen Reihe, deren weitere Bücher ich mir, trotz Cliffhanger, eher nicht zulegen werde.

Da mich das Buch leider weder von der Story noch von der Ausführung oder den Charakteren überzeugen konnte, erhält es von mir leider nur 3 Lila-Lesesterne.




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