Freitag, 17. Mai 2013

Rezension: House of Secrets - Der Fluch des Denver Kristoff (Chris Columbus & Ned Vizzini)






Titel: House of Secrets - Der Fluch des Denver Kristoff
Reihe: Band 1 der Reihe „House of Secrets"
Verlag: Arena
Hardcoverausgabe mit 457 Seiten
ISBN 978-3-401-06851-0
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 11-13 Jahre
Preis: 15,99 Euro





Klappentext: 

"Was für eine halsbrecherische und nervenaufreibende Achterbahnfahrt." J.K. Rowling

Als die Geschwister Eleanor, Brendan und Cordelia Walker erkennen, in was für ein großartiges und zugleich gruseliges Haus sie gezogen sind, ist es bereits zu spät: Die alte Nachbarin hat sie in einen fiesen Plan verwickelt. Ihre Eltern sind spurlos verschwunden, stattdessen streunen blutrünstige Krieger durch dschungelartige Wälder und übermenschliche Piraten bevölkern die Meere. Was haben die fantastischen Romane des ehemaligen Hausbesitzers und Autors Denver Kristoff damit zu tun und warum hat er die Familie Walker in sein dunkles Spiel verstrickt? Schnell merken die drei, dass nicht nur sie, sondern die ganze Welt in großer Gefahr schwebt. 

Der Auftagt der neuen Erfolgsserie von Percy-Jackson-Regisseur Chris Columbus und Kultautor Ned Vizzini!


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Story und Charaktere:

Die Geschwister Cordelia (15), Brendan (12) und Eleanor (8) Walker müssen mit ihren Eltern umziehen. Gerade hat ihr Vater aufgrund des „Vorfalls“ seinen Job verloren, sodass ein Wohnungswechsel unabwendbar ist. Die Eltern der drei können ihr Glück kaum fassen, als ihnen die Villa Kristoff samt Inventar zum Spottpreis angeboten wird. Zur Ausstattung gehört auch eine große Bibliothek, in der Cordelia Bücher des Schriftstellers Denver Kristoff findet. Brendan trifft zu der Zeit im Garten, wo sie vorher eine Engelsstatue mit abgehackter Hand gesehen haben, plötzlich auf eine kahlköpfige alte Frau, die ihm unmissverständlich klar macht, dass er dort verschwinden und nie wieder kommen soll.
Das alte Herrenhaus ist direkt an einigen Klippen gebaut und so konstruiert worden, dass das Haus, sollte es zu einem Erdbeben kommen, auf luftgefüllten Fässern schwimmen kann.
Klar, dass die Familie ins Haus einziehen will und schon kurze Zeit später wird der Umzug in Angriff genommen. Die Kisten sind noch nicht einmal ausgepackt, als die Welt der Kinder ins Chaos gestürzt wird. Die gerade noch so freundliche, kuchenbringende Nachbarin entpuppt sich als Windfurie, die die Eltern verschwinden und das Haus davonfliegen lässt – mitten hinein in einen Wald, wo es von grobschlächtigen Männern nur so wimmelt. Wie gut, dass rein zufällig gerade ein Flugzeug abstürzt und die Situation rettet. Der Pilot kommt beim Absturz nicht ums Leben, wird dann aber von den seltsamen Männern schwer verletzt.
Nicht lange und die Kinder finden heraus, dass sie sich in drei der vielen Romane von Denver Kristoff befinden und Will, sowie die grobschlächtigen Männer nur fiktive Personen sind.
Während für die Kinder feststeht, dass sie ihre Eltern suchen müssen, taucht die Windfurie noch einmal auf und weist sie an, dass sie ihre Eltern nur wiedersehen, wenn sie ihr helfen an ein bestimmtes, machtvolles Buch zu gelangen. Eine Aufgabe, die sich nicht nur als schwierig erweist, sondern auch immer wieder im Hintergrund verschwindet.

Leider wirkt die Geschichte auf mich, als hätte da jemand tausend Ideen gehabt und diese aneinandergereiht, in der Hoffnung, alle Elemente zu einer fantastischen Geschichte verbinden zu können. Dabei spielt Logik scheinbar keine große Rolle. Während die Windfurie die Familie Walker in einem Moment noch loswerden will, erklärt sie im nächsten, dass sie alle in das Haus gehören und nur sie ihr helfen können, an ein machtvolles Buch zu gelangen. Wenn also nur diese Familie in der Lage ist, ihr zu helfen, warum will sie dann, dass sie nicht in die Villa Kristoff einziehen? Diese Frage beantwortet sich zu keiner Zeit.
Was mich außerdem stutzig gemacht hat, ist die Konstruktion des Hauses. Es steht mit dem hinteren Teil über den Klippen und wird von Pfählen gestützt. So kann man die Fässer sehen, die das Haus über Wasser halten sollen, wenn es bei einem Erdbeben abstürzt. Gleichzeitig hat das Haus aber auch noch einen Keller im Boden. Demnach müssten unter dem Keller noch weitere Fässer sein, sonst würde das Haus in Schieflage geraten. Wichtig wird diese Überlegung, nachdem das Haus erst im Wald gelandet ist, dann von einem Riesen in die Bäume geschleudert wird, einen Abhang runterrutscht und später irgendwann im Wasser landet. Natürlich geht dabei nicht sonderlich viel kaputt – nur die Fenster. Der halbe Keller spielt natürlich keine Rolle beim durch die Bäume fallen oder beim Rutsch den Abhang hinunter. Auch im Wald steht das Haus nicht gekippt, weil der Keller dranhängt. Als sich dieses Haus jedenfalls im Wasser befindet bergen die Kinder ihr Essen in Form von Maisdosen, die auf Regalen stehen (!!!!) aus einem der unter Wasser liegenden Räume. Später flüchten sie durch eines der Fenster vor Piraten in die Fluten, tauchen unter das Haus, an den Fässern vorbei (nirgendwo ein Keller, den es zu umschwimmen gilt), um dann irgendwie in einem Geheimgang im Haus wieder herauszukommen. Das mag verstehen wer will, die Konstruktion dieses Hauses ist mir ein Rätsel.
Neben solch undurchdachten „Kleinigkeiten“ hapert das Buch für mich an der Story. Es gibt ein zentrales Problem und eine zentrale Lösung. Gut zu wissen, sonst würde man während des Lesens nicht drauf kommen, warum die Geschichte eigentlich geschrieben wurde. Es passieren tausend Dinge in einem rasenden Tempo, das einem Film sicherlich angemessen wäre, hier aber einfach den linearen Verlauf der Geschichte stört und das Ganze unglaubwürdig macht. Vor allem, wenn man am Ende die Lösung des Ganzen liest, fragt man sich, warum man daran nicht schon viel eher gedacht hat... Ganz ehrlich, als Leser denkt man an diese Lösung nämlich ungefähr das halbe Buch lang.
Dass wir es mit einem Autor zu tun haben, der eigentlich aus der Filmbranche kommt, merkt man sehr deutlich. Es kracht und rummst auf praktisch jeder Seite und ist im Ganzen ein riesiges Spektakel. Was dabei allerdings total auf der Strecke bleibt sind die Charaktere.

Eleanor ist 8 Jahre alt und hat Schwierigkeiten beim Lesen. Das ist auch schon alles, was man über ihren Charakter wirklich sagen kann. Dabei haben sich die beiden Autoren keine große Mühe gegeben, sie auch als achtjährigen Charakter darzustellen. Sie redet und verhält sich wie eine Erwachsene. Wie auch ihre Geschwister nimmt sie alle Gefahren hin, handelt, aber keiner flippt jemals wirklich aus. Die Situationen wirken konstruiert, die Dialoge zum Teil sehr aufgesetzt.
Die 15jährige Cordelia ist dagegen eine Leseratte, während ihr Bruder Brendan lieber PSP zockt. Die Figuren erhalten leider keine Tiefe, man erlebt ihre Emotionen nicht mit – fühlt nichts für sie. Sie fühlen scheinbar auch nicht viel, denn jede gefährliche, brenzlige und lebensgefährliche Situation wird praktisch mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen, um dann frei Schnauze zu handeln. Mit  Folterungen, all ihren Ängsten und auch Mord gehen sie um, als würde das alles zu ihrem Alltag gehören. Panik? Was ist das? Es gibt nur sehr kurze Sequenzen, eher Momente, in denen sie kindgerecht und über ihre Situation entsetzt, über das reflektieren, was sie erlebt haben. So emotionslos, wie das Ganze vonstatten geht, bin ich als Leser teilweise doch schockiert davon, was für eine Welt hier geschaffen wurde.

Das ist das erste Mal, dass ich bei einem Buch sagen muss, dass sowohl Story und auch Charaktere gleichermaßen durchgefallen sind.

Was mir besonders gefallen hat:

Die Gliederung in 77 Kapitel über 457 Seiten fand ich ziemlich gut. Da die Zielgruppe ein eher jüngeres Publikum ist, fand ich die kurzen Kapitel sehr geeignet.

Zusatz: Altersempfehlung

Neben der absolut seltsamen Story und den blassen Charakteren, fand ich die brutalen Szenen des Buches, in Hinblick auf das Lesealter von 11 Jahren (das bereits von 10-12 auf 11-13 hochgestuft wurde), sehr grenzwertig. Es sterben so einige Charaktere auf sehr unschöne Weise. Der eine wird von Haien zerrissen, der nächste von Schwertern aufgeschlitzt. Die Ausführungen über Experimente am lebenden Objekt noch gar nicht mit eingerechnet.  Ich würde das Buch auf keinen Fall unter 12, eher noch 13 Jahren empfehlen.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Die Autoren haben ihre verwendeten Stilelemente, wie Klammern mit Einschub irgendeiner Information, nur etwa bis zur Hälfte des Buches beibehalten. Klammern, die meiner Meinung nach wieder wenig Sinn gemacht haben und einfach in den Fließtext hätten übernommen werden können.
Stilistisch ist mir der Schreibstil zu hektisch und klingt eher wie eine schnell runtergeraspelte Filmstory, um denjenigen, die das Ganze umsetzen sollen, einen Eindruck zu geben. Das verwundert eigentlich auch nicht, denn Chris Columbus hatte nie vor, dieses Buch zu schreiben. Er wollte einen Film produzieren, merkte dann aber, dass er zu teuer werden würde, sodass er sich Ned Vizzini ins Boot holte, um aus dem Projekt ein Buch zu machen, dessen Ergebnis wir nun vor uns haben. Schade.
Und wo wir gerade beim Thema Film angekommen sind. Diese Reihe sollte besonders originell werden... Seltsam, ich hatte das Gefühl, dass ideentechnisch bei „Der Zauberer von Oz“ (Windfurie lässt das Haus wegwehen), “Jumanji“ (man landet mitten im Dschungel) und „Tintenherz“ (Fiktive Figuren erwachen zum Leben, man landet im Buch) abgekupfert wurde. Ob es an der Geschichte etwas Neues gab? Nein, es war ein Gemisch aus tausend Dingen, die uns bereit begegnet sind. Ein Mix, der für mich so gar nicht funktioniert hat.
Der Cliff-Hanger am Ende lässt auf einen zweiten Band schließen, bei dem es sich um eine Story drehen wird, die nur noch schlechter sein kann, als die erste. In diesem Fall muss ich sagen: Schuster bleib bei deinen Leisten – dem Drehbuchschreiben.

Gestaltung:

Die Gestaltung des Buches hat mich direkt beim ersten Sehen in den Bann gezogen. Ein Grund, warum das Buch überhaupt in meinen Händen gelandet ist. Die schöne goldene Schrift, die geheimnisvolle Tür und die wegfliegende Eule zu diesem geheimnisvollen Titel – das hat gewirkt.

Wertung:

Da ich mich nach den ersten 60 Seiten immer mehr durchs Buch quälen musste, die Story zwar schnell, aber durch die blassen Charaktere absolut unspannend war, ständig Logiklücken entstanden und man nie das Gefühl hatte, dass das zentrale Problem wirklich in Angriff genommen wurde, ohne auf absolut unlogische Art und Weise mal wieder in den Fokus zu geraten, die Lösung schon etwa nach der Hälfte des Buches hätte feststehen müssen und hier nur krampfhaft versucht wurde alle auftauchenden Charaktere zu einer Story zusammenzuführen, gebe ich „House of Secrets“ genau 1 Lila-Lesestern – und zwar für die Gestaltung.


Kommentare:

  1. Uff,

    also jetzt bin ich echt sprachlos, wenn ich deine Rezi so lese... denn das Cover und der Klappentext habne so vielversprechend gewirkt, aber wenn ich dies lese... mmh sehr schade.

    Wobei ich denke, dass mir manche Sachen, die du genannt hast, während dem lesen bestimmt nicht ao aufgefallen wären, wie die Bautechnik des Hauses... Hätte denke den Keller dann wohl total vergessen.

    Mal sehen ob ich es dennoch irgendwann mal lesen werde, da ich mir einfach diesesn Mischmasch genauer anschauen mag. Aber bei so flachen Charakteren und einem einzigen Rausch an actionreicher Überflutung... mal sehen.

    Aber sehr schön begründet, was dir nicht gefallen hat ;)

    Sei lieb gedrückt
    Elchi

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    1. Hallo Elchi,

      glaub mir, mich hat das Buch auch sprachlos gemacht. Ich hatte mich da so sehr drauf gefreut.

      Ich habe die Sache mit dem Haus in meiner Rezension so in den Vordergrund gestellt, weil es dem Leser einfach auffallen muss. Es geht ständig um die Konstruktion und darum, was mit dem Haus passiert. Wenn ein Haus aus 40 m Höher in einen Baum rasselt, kann man mir z.B. nicht weismachen, dass da nur ein paar Fenster kaputt gehen. Da es immer wieder um die Fässer unter dem Haus geht, kann man es nicht für glaubwürdig halten, wenn ein dreistöckiges Haus mit rasender Geschwindigkeit einen Hang runterrutscht und am Ende nur ein bisschen Luft aus den Holzfässern entweicht. Und der Keller... Tja, der spielt leider auch immer wieder eine Rolle, sodass man sich irgendwann einfach unweigerlich fragt, wie das funktionieren soll. Ich meine, das Haus wird beispielsweise durch die Luft gewirbelt usw. alles fliegt durcheinander, aber die Maisdosen bleiben im Regal stehen?
      Ein kleiner Junge taucht mit riesigen luftgefüllten Tüten quer durch den Keller, um einen Vorschlaghammer zu holen, weil er nach alldem ja noch ganz genau weiß wo er liegen muss? Im trüben Wasser, wo man nichts sehen kann? Ich kann da noch ne Weile weitermachen :D

      Ich halte dich aber keinesfalls vom Lesen ab :) Andere Rezensionen sprechen eine ganz andere Sprache... Aber wenn ich mich ernsthaft mit einem Text beschäftigen soll, muss ich mich auch mit den Feinheiten der Geschichte befassen ;)

      Sei auch lieb gedrückt :)
      Iris

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  2. Hallo Iris :)
    Vielen Dank für deine Kommentare auf read random reviews zu meinem Coverpost!
    Mir ist - bzw. war - schon klar, dass die Bilder und Motive meist aus Datenbänken oder von Seiten wie iStockphoto stammen, aber eine dermaßen große Ähnlichkeit fand ich dann doch bemerkenswert ;)

    Liebe Grüßchen, Josi :D

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