Mittwoch, 24. Juli 2013

Rezension: "Finsterherz" (Jeremy de Quidt)






Titel: Finsterherz
Reihe: nein
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Hardcoverausgabe mit 285 Seiten
ISBN 978-3-473-35328-6
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 12-15 Jahre
Preis: 14,95 Euro







Klapptentext:

Als Zauberlehrling Mathias nach dem Tod seines Meisters eine mysteriöse Papierrolle an sich nimmt, ahnt er nicht, welchen Albtraum er heraufbeschworen hat: Das Blatt ist der Schlüssel zu einem Geheimnis, das der skrupellose Doktor Häller um jeden Preis bewahren will. Er verfolgt Mathias gnadenlos, doch die Dienstmagd Katta kann ihn in letzter Sekunde retten. Zusammen gelingt es ihnen, ins Herz der Finsternis vorzudringen - , dorthin, wo ein magisches Messer Nacht für Nacht schaurige Wunder vollbringt...

"Schnell, fesselnd, fantasievoll." The Guardian

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Story und Charaktere:

Mathias lebt mit seinem bekannten Zauberergroßvater zusammen beim Zirkus und ist dort „Mädchen für alles“. Die Tricks seines Großvaters kann er nicht nachahmen und schon gar nicht selbst ausführen. Was er allerdings genau weiß ist, dass sein Großvater, der immer nur mit weiß geschminkten Gesicht herumläuft, ein großes Geheimnis hütet, das er ihm nicht anvertrauen will.
Als sein Großvater stirbt, scheint plötzlich jeder hinter genau diesem Geheimnis her zu sein. Dummerweise vermutet es jeder bei Mathias, der allerdings nur ein Stück eines alten Zettels von seinem Großvater hat, auf dem nicht eine Zeile steht.
Doktor Häller und sein Diener Walter kaufen Mathias dem Zirkusdirektor ab und versuchen anschließend das Geheimnis aus ihm herauszupressen. Als dies nicht gelingt, lassen sie Mathias in einem Gasthaus einfach aus dem Fenster fallen. Die Bedienstete Katta bekommt dies mit und rettet den schwerverletzten Mathias vor dem sicheren Tod. Da Häller aber nicht aufgeben will, das Geheimnis aus dem noch lebenden Mathias herauszuholen, schickt er seinen furchterregenden Diener hinter ihnen her, der mehr als gewalttätig ist. Gott sei Dank werden die zwei von einem Reiter namens König gerettet. Als er von dem Geheimnis erfährt, macht er sich mit Katta und Mathias daran, dieses zu lüften. Dabei sind die beiden Kinder so etwas wie seine Geiseln, die er nicht aus Nächstenliebe mit sich nimmt.

Mathias ist ein Junge, der bisher nicht gerade die besten Erfahrungen des Lebens gemacht hat. Er lebt mit seinem Großvater in einem Zirkus, wo er herumgeschubst und nie für voll genommen wird. Als Kind hat sein Großvater ihn an ein Seil gebunden, damit er nicht zu weit weglaufen kann und auch sonst sind seine Kindheitserinnerungen nicht gerade erquicklich.
Als sein Großvater stirbt, weiß Mathias plötzlich nicht mehr wo ihm der Kopf steht. In einem Moment gehört er noch zum Zirkus, im nächsten hängt er an der Kehle gepackt über dem Abgrund einer Fensterbank. Da er das Geheimnis seines Großvaters nicht gekannt hat, ist er keine große Hilfe, Informationen nach dessen Verbleib zu geben und muss während des ganzen Buches immer wieder einstecken. Ab dem Moment, in dem er in Hällers Fänge gerät, schleppt er sich schwer verletzt durch die Seiten. Gebrochene Rippen, Loch im Kopf, Schürfwunden blaue Flecke, innere Verletzungen usw. Viel Zeit verbringt er ohnmächtig in den Betten verschiedener Behausungen, stöhnend auf dem Pferd von König oder in Gesellschaft diverser Personen, die ihn immer übler zurichten. Dass eine Person das alles tatsächlich so wegsteckt wie Mathias ohne an all diesen Verletzungen zu sterben, sich sogar noch in Kämpfe einmischen kann usw. halte ich allerdings doch für sehr übertrieben, wodurch mir die Darstellung dieser Figur mehr als unglaubwürdig erschien.

Katta ist etwa in Mathias Alter und Bedienstete in einem Gasthof. Sie ist ein sehr mutiger Charakter, der allerdings auch überaus impulsiv handelt. Als sie mitbekommt, dass Mathias von Häller aus dem Fenster geworfen wird, kümmert sie sich um ihn und weicht ab jetzt nicht mehr von seiner Seite.
Auffällig an ihr ist eine Kappe, die sie ständig tragen muss. Durch einen Unfall hat sie ein Loch im Kopf, weshalb sie zwischendurch immer wieder Anfälle bekommt, die ich als epileptisch bezeichnen würde. Als sie dem Verursacher dieses Loches begegnet und Rache an ihm üben will, indem sie ihn blendet, dann aber durch Mathias Einschreiten abrutscht und den Jungen nicht blendet, sondern das Messer quer durch sein Gesicht zieht, schreckt sie vor ihrer eigenen Kaltblütigkeit zurück. Katta versucht die Dinge immer sachlich zu betrachten, hat eine gute Beobachtungsgabe und sucht ständig nach Lösungen für all die Probleme, die ihr und den anderen unterwegs unterkommen. Sie ist definitiv der Charakter, den ich im Buch am besten gelungen finde.

König ist die Leitperson des Abenteuers. Er hält Mathias und Katta zusammen, macht ihr Vorankommen möglich und scheint sogar ganz wohlhabend zu sein. Er ist ein sehr guter Kämpfer, überaus selbstbewusst und hat einen Humor, der sicher nicht jedermanns Sache ist. Obwohl er Katta und Mathias nicht aus Nächstenliebe mit sich nimmt, sondern selbst hinter das Geheimnis des Zauberers kommen will, kümmert er sich außerordentlich gut um die beiden.

Häller und sein Diener Walter sind die beiden stärksten Widersacher der beiden Hauptprotagonisten. Sie schrecken vor keiner Grausamkeit zurück, um sich Mathias und das Geheimnis zu holen. Walter ist ein grausamer Diener, der sich einen Spaß daraus macht, Menschen zu jagen und anschließend möglichst qualvoll sterben zu lassen. Er kennt jede Menge Folterspielchen, die er gerne spielt und es kann ihm gar nicht gewalttätig genug zugehen.

Obwohl das Buch diese und noch viele weitere Charaktere bereithält, ist mir eigentlich nur die Gewalt in Erinnerung geblieben, die in diesem Buch einen überaus großen Platz einnimmt und das vorherrschende Element zu sein scheint, mit dem der Autor hier arbeiten wollte. Es wirkt auf mich, als wären die Charaktere um dieses Element einfach drumherumgestrickt worden, ohne ihnen wirklich eigenständige Tiefe zu geben und in meinem Kopf zu realen Personen werden zu lassen.

Was mir besonders gefallen hat: 

Es ist schwierig diesem Buch mit seiner sehr dunklen Seite etwas Positives abzugewinnen. Einen Punkt jedoch gibt es, der mich doch sehr erstaunt hat. Anfangs hätte ich das Buch am liebsten gleich wieder aus der Hand gelegt, doch etwa ab Seite 80 scheint der Autor endlich in einen Schreibfluss gekommen zu sein, der die Geschichte ab diesem Punkt wirklich interessant und spannend werden lässt. Ab hier liest es sich, als hätte man den Autor ausgewechselt oder als wäre er endlich an dem Punkt angekommen, an dem er eine Geschichte wirklich erzählen will. Das ist mir in anderen Büchern bisher noch nie so stark aufgefallen wie hier. Kennt man es zwar, dass ein Autor sich von einem Band zum anderen steigert, war diese Erfahrung neu für mich und ist durchaus ein Punkt, dem ich gerne meine besondere Aufmerksamkeit schenke.

Was mir nicht so gut gefallen hat: 

Leider ist der anfänglich doch sehr flache Schreibstil und der Einstieg in die Geschichte überhaupt nicht mein Ding gewesen. Nach Seite 74 war ich mir schon nicht mehr sicher, ob ich das Buch überhaupt noch zuende lesen wollen würde. Ich konnte mich weder mit den Figuren identifizieren, noch fand ich die Story ansprechend. Was die Geschichte betrifft, kann ich leider nur noch einmal wiederholen, was ich bereits angesprochen habe. Das Buch ist ziemlich brutal, ausgeübte Gewalt nimmt einen riesigen Raum ein und ich finde einfach, dass das in diesem Ausmaß in einem Jugendbuch absolut nichts zu suchen hat. Meiner Meinung nach wäre das Abenteuer viel spannender und besser gewesen, hätte der Autor eine andere Lösung als fließendes Blut, extreme Prügeleien etc. gefunden. Einem Kind von 12 Jahren würde ich dieses Buch auf jeden Fall nicht ruhigen Gewissens in die Hand drücken.

Was mir ebenfalls fehlt ist der Bezug zum Titel des Buches, sowie zu dessen Gestaltung. Ich kann mir leider überhaupt nicht vorstellen, warum dieser Titel gewählt wurde. Das ganze Buch dreht sich einzig und allein um die Lüftung des Geheimnisses des Zauberers, dessen Auflösung mich ebenfalls doch stutzig zurückließ. Ein Gesamtpaket, das mich leider nicht überzeugen konnte.

Gestaltung: 

Rote Schrift, die wie geritzt wirkt und sich vom Untergrund abhebt, schwebt über einem sich aufbäumenden Pferd, auf dem ein Reiter thront der ein Gewehr triumphierend in die Luft hält. Eingerahmt wird die Szene von seltsamen Verästelungen, dessen Enden sich oben am finster dreinblickenden Gesicht einer spitzohrigen Person treffen. Selbiges Randmotiv findet sich auf der Rückseite. Ich kann leider nicht sagen, dass diese Art der Gestaltung den Kern der Sache trifft. Bis auf den Reiter weiß ich nichts mit dem Gesamtbild anzufangen, was den Titel mit einschließt.

Wertung: 

Dieses Buch hat einen viel zu großen Raum für Gewalt, eine Geschichte, die mich nicht überzeugen konnte und leider auch Charaktere, die, bis auf Katta, keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen konnten. Zu Gute halte ich dem Autor, dass er innerhalb der Geschichte seinen Schreibstil, seine Art Spannung aufzubauen und das Tempo sehr schön gesteigert hat und man als Leser praktisch merken konnte, wie er an der Geschichte gewachsen ist. Da der Gesamteindruck aber am Ende zählt, kann ich Finsterherz leider nur 2 Lila-Lesesterne geben.

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