Montag, 22. Juli 2013

Rezension: "Lilith Parker und der Kuss des Todes" (Janine Wilk)





Titel: Lilith Parker und der Kuss des Todes
Reihe: Band 2 der Reihe „Lilith Parker"
Verlag: Thienemann Verlag (planet girl)
Hardcoverausgabe mit 399 Seiten
ISBN 978-3-522-50254-2
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre
Preis: 14,95 Euro








Klappentext:

Grauweiße Wolken hängen tief über der Insel St. Nepehlius und verbreiten eine gruselige Stimmung. Lilith fühlt sich dennoch wohl in ihrer neuen Heimat, nicht zuletzt dank ihrer Tante und ihren Freunden Matt und Emma. Doch es ereignen sich mysteriöse Mordfälle in Bonesdale, bei denen der Verdacht ausgerechnet auf Lilith fällt. Denn sie ist die einzige Banshee auf der Insel - und ein Kuss von ihr kann tödlich sein. Als Lilith sich dem Rat der Vier stellen muss, droht sie für immer von der Insel verbannt zu werden...

Das zweite schaurig-schöne Abenteuer von Lilith Parker

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Story und Charaktere:

Nachdem ich bereits vor einigen Monaten Band 1 der Reihe um Lilith Parker gelesen hatte und nicht wirklich von der Story überzeugt war, hat es nun eine ganze Zeit gedauert, bis ich mir Band 2 nun doch zugelegt habe. Entgegen dem ersten Band, hat mich Band 2 sehr überzeugen können.

Lilith Parker zog im ersten Band auf die seltsame Insel St. Nephelius nach Bonesdale, wo alles irgendwie seltsam zu sein scheint. Kein Wunder, sind die schaurigen Halloweenevents, die dort Tag für Tag stattfinden, doch nur eine Tarnung, um zu verbergen, dass hier wirklich Hexen, Werwölfe, Vampire und Dämonen leben. Nachdem sich Lilith an ihrem dreizehnten Geburtstag in eine Banshee verwandelt und sich nach einem Kampf mit Belial als rechtmäßige Trägerin des Bernstein-Amulettes bewiesen hat, steigen wir jetzt ins zweite Abenteuer ein, bei dem ihr ihre Wandlung teuer zu stehen kommt.
Nicht nur das, Lilith wird auch noch vom Rat der Vier angeklagt, weil sie einem Menschen – ihrem besten Freund Matt – vom Geheimnis der Insel erzählt hat, als sie in Band 1 in einer absoluten Notlage waren. So steht sie ständig unter Beobachtung und wenn etwas schiefläuft, wird sie garantiert dafür verantwortlich gemacht. So auch, als eine Hydra durch den Kuss einer Banshee ums Leben kommt. Als einzige Banshee auf der Insel, soll Lilith zur Verantwortung gezogen werden, obwohl sie absolut unschuldig ist. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, ihrem Urteil zu entgehen – sie muss die Tore von Nightfallcastle öffnen – dem alten Familiensitz, auf dem ein Zauber liegt, der es nur den Erben des Inhabers gestattet, jemals wieder einen Fuß auf dieses Anwesen setzen zu können. Noch bevor der Tag kommt, an dem sie allen beweisen soll, dass sie das Tor als Erbin des Inhabers öffnen kann und somit wirklich die rechtmäßige Trägerin des Bernstein-Amulettes ist, das sie zur Führerin über die Nocturi macht, unternehmen sie, Emma, Matt und Strychnin einen nächtlichen Ausflug dortin. Nur wenn sich das Tor öffnet behält Lilith ihre Immunität und kann für ihre Vergehen (die sie gar nicht begangen hat) nicht angeklagt werden.
Zu blöd, dass Lilith, als sie vor dem Tor steht, leider von den Statuenwächtern nicht eingelassen wird. Irgendetwas scheint faul zu sein und mindestens einer aus dem Rat der Vier weiß was es ist. Warum bloß will er dafür sorgen, Lilith bloßzustellen? Warum will er dafür sorgen, dass ihr ihre magischen Kräfte entzogen, ihr Gedächtnis gelöscht und sie für immer von der Insel verbannt wird?

Lilith ist die einzige Person auf der Insel, die unter Menschen aufgewachsen ist und deshalb gerne auch mal ihren Menschenverstand verwendet um Probleme zu lösen. Obwohl ihr immer wieder das Leben schwergemacht wird, sie in Fälle verstrickt wird, mit denen sie gar nichts zu tun hat und nicht alle damit einverstanden sind, dass sie das Bernstein-Amulett trägt, setzt sie sich mithilfe ihrer Freunde durch. Matt, der ein einfacher Mensch ist und von Lilith in das Geheimnis der Insel eingeweiht wurde, und Emma, deren Familie schon über Generationen hier lebt und die noch auf ihre Wandlung wartet, unterstützen Lilith wo sie können. Dabei sind die drei ganz unterschiedlich.
Lilith ist berechnend, denkt über die Dinge nach die sie tut, wägt ab, handelt aber auch mal impulsiv. Matt ist sehr von sich überzeugt, ein kleiner Charmeur, der die Mädels um den Finger wickelt und er ist für jedes Abenteuer zu haben. Niemals würde er seine beiden Freundinnen im Stich lassen. Emma ist die Impulsivste der drei. Sie macht, wonach ihr gerade ist, mag es auch noch so verrückt und undurchdacht sein. Kein Wunder also, dass die drei immer mal wieder in Schwierigkeiten geraten. Als Team sind sie jedoch unschlagbar.

Mildred ist Liliths Tante, die in einem seltsamen Seniorenstift mit ihr lebt, wo es beispielsweise Skelette gibt, die gar nicht tot sind. Sie versucht, Lilith auf den richtigen Weg in der Untotengesellschaft zu bringen, ihr zur Seite zu stehen und auf sie aufzupassen. Gut, dass Lilith ihr nicht immer erzählt, in was für Gefahren sie sich schon wieder begeben hat. Die Menschen aus dem Seniorenheim sind für Lilith jedenfalls wie eine große Familie.

Auf der anderen Seite haben wir die Personen, die Lilith das Leben schwer machen. Zum einen gibt es den Dämon Belial und zum anderen Scrope, der zur Zeit noch die stellvertretende Führung über die Nocturi innehat. Dummerweise sind beide auch  noch Mitglieder des Rats der Vier, was die Sache für Lilith umso schwieriger macht. Dass wir es bei diesen Personen mit verschlagenen, hinterhältigen Charakteren zu tun haben, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

Ganz besonders ans Herz gewachsen ist mir Liliths kleiner Dämon Strychnin, der immer dem Träger des Bernstein-Amulettes dient. Obwohl direkt aus dem Schattenreich, wird er doch von so einigen Ängsten geplagt, die das ganze Abenteuer immer wieder auf humorvolle Art auflockern.

Was mir besonders gefallen hat:

Dieses Mal hat mir vor allem die Geschichte gefallen. Das war im ersten Band nicht so. Dieser hatte mich fast vom zweiten abgebracht. Hier jedoch gibt es außer dem etwas langwierigen Anfang, in dem nochmal aufgenommen wird, was in Band 1 an wichtigen Informationen gegeben wurde, nichts zu meckern. Es gibt keine Längen, keine Logiklücken, nichts, was mich aus dem Lesefluss gebracht hat. Es fiel mir zwischenzeitlich sehr schwer das Buch aus der Hand zu legen, muss ich gestehen. Deshalb freue ich mich umso mehr auf Teil 3, der hoffentlich halten kann, was Band 2 vorgemacht hat.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und die Sätze nie zu lang, sodass man beim Lesen nicht ins Stolpern gerät. Die Spannung wird vor allem dadurch gehalten, dass die Geschichte nicht geradlinig verläuft, sondern immer wieder vom Weg abkommt, um am Ende alles zusammenzuführen. Da jedes dieser kleinen Abenteuer zum großen Abenteuer beiträgt, wirken sie weder aufgesetzt noch ziehen sie das Buch unnötig in die Länge. Sie sind eher kleine Mosaiksteinchen, die am Ende zum großen Ganzen beitragen.

Zusatz Altersempfehlung:

Da es in diesem Buch hier und da doch ein wenig gruselig wird und die Spannung sehr hoch ist, würde ich Band 2 eher ab 12 und weniger ab 10 Jahren empfehlen. Jüngeren Lesern könnten einige Passagen eventuell Angst machen. Auch die Story ist nicht wenig kompliziert, sodass ich denke, dass das Buch in den Händen von jungen Teenagern ab 12 in den besseren Händen ist.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Bis das Buch wirklich Fahrt aufnimmt, vergeht eine Weile. Wie oben schon erwähnt, ist der Anfang etwas langwierig. Für jemanden, der den ersten Band kennt und nicht neu einsteigt, wirkt er deshalb  zäh, da viele Informationen gegeben werden, die man bereits aus Band 1 kennt. So dauert es, bis es endlich losgeht, da um die Informationen auch noch der Anfang der Geschichte gewoben werden muss. Vielleicht hätte ein Einführungskapitel hier Abhilfe geschafft, um den Lesern des zweiten Bandes den langen Anfang zu ersparen. „Was bisher geschah...“, hätte sich an jeden Leser gerichtet, der Band 1 nicht kennt. Ansonsten hätte ich mir gewünscht, dass die Informationen locker eingestreut worden wären, wie es in anderen Büchern einer Reihe auch der Fall ist. So war es mir am Anfang zu kompakt.

Gestaltung:

Der zweite Band um Lilith ist ähnlich gestaltet wie der erste Band. War Band 1 rot-schwarz, ist hier die vorherrschende Farbe ein dunkles Lila. Lilith steht zwischen zwei Statuen, die sehr geheimnisvoll wirken. Unter ihren Füßen ist eine schwarze magische Fläche, in der durch Rubbeln des Einbandes ein geheimes Bild offenbart wird, von dem ich euch aber nicht verraten werde, was es ist.

Wertung:

Mir hat die Story des zweiten Bandes so gut gefallen, dass ich das Buch am liebsten in einem Rutsch durchgelesen hätte. Auch die Charaktere haben sich wunderbar weiterentwickelt und sind sehr präsent. Niemand bleibt im Hintergrund, alles hat seinen Platz. Einzig der lange Anfang und die Altersempfehlung sind zwei kleine Störfaktoren, die ich in meiner Wertung berücksichtigen muss. Deshalb gebe ich dem zweiten Band der Reihe um Lilith Parker 4 1/2 Lila-Lesesterne.


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