Mittwoch, 14. August 2013

Rezension: "Oksa Pollock - Die Unverhoffte" (Anne Plichota/Cendrine Wolf)






Titel: Oksa Pollock - Die Unverhoffte
Reihe: Band 1 der Reihe „Oksa Pollock"
Verlag: Oetinger
Taschenbuchausgabe mit 591 Seiten
ISBN 978-3-841501288
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 11-15 Jahre
Preis: 8,99 Euro
auch als Hardcoverausgabe für 19,95 Euro erhältlich





Klappentext: 

Doch heute Morgen war alles anders... Ein Traum war in ihr echtes Leben eingedrungen. Ihre verbrannten Finger erinnerten sie schmerzhaft daran. Oksa hatte sich oft gewünscht, solche Dinge wie heute Nacht zu tun. Aber als der Traum Realität geworden war, hatte sie einfach nur furchtbare Angst gehabt. 

Eigentlich macht Oksa Karate und ist die Schnellste auf den Inlinern. Und in ihren Träumen ist sie eine Ninja Kämpferin, die es mit dem fiesen Klassenlehrer McGraw aufnehmen kann. Doch als sie eines Tages feststellt, dass sie ungeahnte magische Fähigkeiten hat, ist Oksa außer sich. Warum erfährt sie erst jetzt von dem Familiengeheimnis, das sie vor die unglaublichste Herausforderung ihres Lebens stellt und sie außerdem noch in allergrößte Gefahr bringt?

"Eine im wahrsten Sinne magische Verführung." L'Alsace 

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Story und Charaktere:

Die 13jährige Oksa ist nicht gerade angetan davon, mit ihren Eltern von Paris nach London ziehen zu müssen, weil ihr Vater dort ein eigenes Restaurant eröffnen will. Einziger Lichtblick: ihr bester Freund Gus und seine Eltern, sowie ihre Großmutter Dragomira ziehen ebenfalls mit.
Kurz nach dem Umzug startet das nächste Schuljahr, das Oksa und Gus an der St. Proximus in der „achten Wasserstoff“ begehen sollen. Bis auf den seltsamen und fiesen Mathelehrer McGraw, sind beide eigentlich ganz zufrieden mit ihren neuen Lehrern und Mitschülern. Neue Freunde sind schnell gefunden.
Dann jedoch passieren plötzlich seltsame Dinge mit Oksa, die sie sich nicht erklären kann. Nur weil sie daran denkt, bewegen sich plötzlich Gegenstände, mit ihren Händen kann sie Feuerbälle formen und schweben ist auch kein Problem. Als ein sternförmiges Mal um ihren Bauchnabel erscheint, fragt sie schließlich ihre Großmutter um Rat, die ganz aus dem Häuschen ist. Oksa erfährt, dass ihre Familie aus dem magischen Reich Edefia stammt, aus der sie fliehen mussten und dass nun alle Hoffnung auf Oksa der Unverhofften und jungen Huldvollen liegt, wieder dorthin zurückzukehren. Bevor das jedoch geschehen kann, muss Oksa eines lernen: ihre Kräfte zu beherrschen. Dabei lauert ihr eine Gefahr im Nacken, mit der sie nicht gerechnet hat.

Oksa Pollock, auch „die junge Huldvolle“ oder „die Unverhoffte“ genannt, ist 13 Jahre alt und lebt nun mit ihren Eltern seit kurzer Zeit in London. Ausgestattet ist sie mit allem, was man sich nur wünschen kann: sieht sieht super aus, schreibt extrem gute Noten und ist auch noch total sportlich. Ihre Hobbies sind Inline-Skaten und Karate, zwei Dinge, die sie in London erstmal nicht so ausüben kann, wie sie es gerne möchte. Als Oksa langsam ihre neuen Fähigkeiten entdeckt, steht schon bald fest, dass sie auch hier alles hat, woran man überhaupt denken kann. Oksa kann tatsächlich einfach alles. Dieses Gesamtpaket erfährt ihren Höhepunkt dann darin, dass Oksa die nächste Huldvolle und damit Herrscherin über Edefia sein soll.
Obwohl sie all das hat, fehlt ihr doch eine entscheidende Sache: ein toller Charakter. Sie handelt ohne nachzudenken oder Rücksicht auf ihre Mitmenschen zu nehmen, was insbesondere für Gus gilt, ist sehr impulsiv und aufbrausend und durch all diese Dinge zusammengenommen ein sehr nerviger und unsympathischer Hauptcharakter. Hier ist alles irgendwie zu viel des Guten. Was mich an diesem Charakter aber am meisten gestört hat, ist, dass sie überhaupt nicht auf andere Menschen und deren Probleme eingeht und nur eine einzige Sache in den Vordergrund stellt: sich selbst.

Oksas bester Freund Gus ist das genaue Gegenteil. Er ist absolut loyal, witzig, charmant und cool, hat aber auch eine sehr emotionale Seite. Als er mitbekommt, wie toll Oksa alle finden und was sie alles kann, ist er ganz schön deprimiert. Gus ist sowieso schon anders, weil er adoptiert wurde und fühlt sich nun noch mehr außen vor. Ganz schlimm wird es, als er erfährt, dass seine Adoptiveltern ebenfalls aus Edefia kommen und er in der Runde der einzige richtige Mensch ohne Besonderheiten ist.

Neben den Hauptcharakteren gibt es noch jede Menge Nebenfiguren, die ich nicht alle aufzählen werde. Einige Geschöpfte aus Edefia seien jedoch genannt:

die Plemplems: mit den Hauselfen aus Harry Potter vergleichbar, die der Huldvollen mit absoluter Loyalität zur Seite stehen und mit seltsamer, anstrengender Art sprechen.
die Sensibyllen: winzige Hühner, die sehr sensibel auf Kälte reagieren
das Ringelpupo: ringelt sich um das Handgelenk und pupst, wenn man vergisst, es zu füttern
die Goranovs: sprechende Pflanze, die ständig bewusstlos wird

Insgesamt muss ich leider sagen, dass die Story, die sich über 591 Seiten erstreckt, viel zu wenig hergibt, um gespannt bei der Stange zu bleiben. Das Buch arbeitet keinem Höhepunkt entgegen, sondern besteht ausschließlich aus Anwendungen von Oksas Fähigkeiten zu absolut jeder auch noch so unpassenden Gelegenheit, zähen Dialogen mit ellenlangen Erklärungen und dann noch aus dem Bestreiten der Schultage.
Dazu die unsympathische Hauptprotagonistin, die anstrengende Ausdrucksweise der Plemplems und die fehlende Spannung, die das Buch leider auf einem Level halten, das wenig Lesevergnügen bereitet.

Was mir besonders gefallen hat:

Die Namensgebung der einzelnen menschlichen Figuren und die der magischen Welt Edefia, fand ich sehr schön gewählt. Auch die witzigen Figuren aus dieser anderen Welt haben ihren eigenen Charme, der mich hier und da schmunzeln ließ. Ihnen habe ich es wohl mit zu verdanken, dass ich das Buch bis zum Ende gelesen habe. Schade, dass das Drumrum nicht gepasst hat.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Ich weiß nicht, ob es der Übersetzung vom Französischen ins Deutsche geschuldet ist, oder ob die beiden Autorinnen selbige Wörter auch in der Originalsprache verwendet haben, aber der Wortschatz rum um Edefia ist einfach fürchterlich, geradezu überaus kindisch.
Menschen aus Edefia nennen sich die „Da-drinnen“, während Menschen von außerhalb „Da-draußen“ genannt werden. Diejenigen, die beim großen Chaos fliehen konnten, wie etwa Oksas Familie, heißen „Rette-sich-wer-kann“ und das Geheimnis das nicht genannt werden darf, heißt dementsprechend „Geheimnis-das-nicht-genannt-werden-darf“. Auch die Namensgebung der Wesen fällt in diesem Bereich. Die „Plemplems“ sind wirklich plemplem und das „Ringelpupo“ ringelt sich seinem Namen nach um den Arm und pupst, wenn man sein Futter vergisst.
Dies sollen nur einige Beispiele sein, um sich ein Bild davon zu machen, was ich meine.

Zur Story habe ich ja schon einiges gesagt, muss aber noch etwas hinzufügen. Sie wirkte auf mich zwischenzeitlich immer wieder so, als hätten die beiden Autorinnen sich die Geschichte nicht im Vorfeld, sondern während des Schreibens überlegt, wodurch das Ganze so unendlich lang und zu viel des Guten ist. Stecken Oksa und ihre Familie in einer Situation, aus der sie eigentlich nicht so einfach herauskommen würden, wird kurzerhand eine neue Fähigkeit hinzugenommen, die noch spektakulärer ist, als ihre Vorgänger.
Die zwei, drei spannenden Momente wirken willkürlich eingestreut, ohne, dass über die gesamte Geschichte hinweg wirkliche Gefahr spürbar wäre. Oksas Mathelehrer, der gleichzeitig auch der Oberbösewicht mit Superkräften ist, hält während der Schulzeit natürlich die Füße still, obwohl er sie doch unbedingt entführen will. Und obwohl er weit größere Kräfte als Oksa besitzt, kann er sie natürlich nicht besiegen und deshalb auch nicht in brenzlige Situationen bringen. Alles ist absolut vorhersehbar und ein unglaubwürdigerer Bösewicht ist mir bisher auch noch nicht begegnet.
Was ich mich außerdem immer wieder fragen musste war: Warum kann ein sportliches, karatebegeistertes Mädchen sich gegen fiese Schüler nur mit Hilfe von Magie durchsetzen? Und warum macht Oksa Karate, aber nimmst ständig Kung-Fu-Stellungen ein? Alles in allem scheint das Ganze wenig durchdacht zu sein.

In der Hoffnung, dass doch noch etwas passiert, was das alles wieder rausreißt, habe ich mich durch die 591 Seiten gequält, um auf den letzten 80 Seiten dann doch noch so etwas wie einen Höhepunkt zu finden. Die beiden Autorinnen hätten meiner Meinung nach besser daran getan, das Buch auf die Hälfte zu kürzen, damit man als Leser nicht so einen langen Atem braucht, um bis zum Schluss durchzuhalten.

Gestaltung:

Auf strahlend blauem Hintergrund mit floralem Muster, sehen wir ein junges Mädchen das schelmisch grinst, während es eine Flamme auf der Hand tanzen lässt. Ganz klar, dass wir es hier mit der Hauptprotagonistin Oksa Pollock zu tun haben. Die schön gewählten Farben trugen dazu bei, dass ich auf dieses Buch aufmerksam wurde und es letztlich auch gekauft habe.

Wertung:

Leider empfand ich Story und Charaktere als sehr anstrengend und vieles als so unglaubwürdig, dass Band 2 für mich ohne Reiz bleibt. Der Idee von Edefia und seinen liebenswerten Geschöpfen bin ich allerdings sehr zugetan, auch wenn die Bezeichnungen mir zu unkreativ und kindisch waren. Ich gebe dem ersten Band der Reihe deshalb gutgemeinte 2 lila Lesesterne.


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