Mittwoch, 11. September 2013

Rezension: "Silber" (Kerstin Gier)






Titel: Silber - Das erste Buch der Träume
Reihe: Band 1 der Reihe "Silber"
Verlag: FJB (Fischer)
Hardcoverausgabe mit 411 Seiten
ISBN 978-3-8414-2105-0
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Preis: 18,99 Euro







Klappentext:

Bestsellerautorin Kerstin Gier entführt uns in die geheimnisvolle Welt der Träume

Zögernd sah ich mich um. Ich war in einem Korridor gelandet, einem schier unendlich langen, mit zahllosen Türen rechts und links. Die Tür, durch die ich gekommen war, hatte einen Anstrich in sattem Grün, dunkle altmodische Metallbeschläge, einen Briefschlitz aus dem gleichen Material und einen hübschen Messing-Türknauf in Form einer gekrümmten Eidechse. 

Plötzlich war mir sonnenklar: Wenn ich wissen wollte, was es mit diesen rätselhaften Träumen auf sich hatte, dann musste ich sie öffnen. Und hindurchgehen. 

Wenn ich den Mut dazu hatte.

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Story und Charaktere:

Liv, ihre Schwester Mia, ihre Mutter und das Kindermädchen Lottie haben wieder einmal die Kisten gepackt um in eine andere Stadt zu ziehen. Aufgrund des Jobs von Livs und Mias Mutter verschlägt es die Familie nach London, wo sie eigentlich in ein gemütliches Cottage ziehen sollen. Doch es kommt alles ganz anders und sie landen in einer Wohnung, deren Besitzerin Porzellanballerinas sammelt und die Familie übergangsweise bei sich wohnen lässt, weil sie selbst nicht da ist. Als wäre das nicht schon schlimm genug für die 15jährige Liv und ihre kleine Schwester, müssen sie sich nun auch noch an den neuen Mann an der Seite ihrer Mutter gewöhnen – Ernest, der seine Frau verloren hat und mit seinem Sohn Grayson und seiner Tochter Florence in einem viel zu großen Haus wohnt. Neues Heim, neuer Freund und zu guter Letzt auch noch eine neue Schule. Liv und Mia sind wenig begeistert.
Nach ein paar Tagen erreicht die neue Situation ihren Höhepunkt als den vier Kindern offenbart wird, dass sie in schon drei Wochen als Patchwork-Familie in Ernests großem Haus zusammenwohnen sollen. Florence wird hysterisch, Liv und Mia bekommen eine Krise, nur Grayson scheint das alles wenig zu stören. Dass er mit seinen Gedanken ganz woanders ist und die neue Familiensituation überhaupt nicht wahrzunehmen scheint, merkt Liv als sie zunächst ein seltsames Gespräch belauscht und noch in derselben Nacht in Graysons Traum auf einem Friedhof landet. Einbildung oder Realität?

Gerne würde ich an diesem Punkt auf die einzelnen Hauptcharaktere eingehen, doch das fällt mir wirklich schwer. Kerstin Gier hat es mit diesem Buch tatsächlich geschafft, über knapp 400 Seiten nichtssagende Charaktere zu schaffen, die man im Grunde alle über einen Kamm scheren kann.
Sich ständig wiederholende Charakterbeschreibungen begrenzen sich vor allem darauf, dass man nach Zuklappen des Buches weiß, dass scheinbar alle blond und blauäugig sind. „Goldfarbenes Haar“ ist beispielsweise eine immer wieder auftauchende Phrase, sobald Liv einen der Jungs aus der Clique um Grayson, Henry, Jasper und Arthur trifft. Natürlich sind die vier Jungs damit sehr gutaussehend und an der Schule heißbegehrt. Dadurch, das Liv in Graysons Traum gepurzelt ist, hat sie nun soetwas wie eine Sonderstellung und somit ständig mit den Jungs zu tun. Schade, dass die Autorin sich nicht die Zeit und den Raum genommen hat, den gut durchdachte Charaktere brauchen, um dem Leser irgendwie im Gedächtnis zu bleiben. Hier jedoch beschränkt sich das Ganze auf gemeinsame Eigenschaften, die auf jeden Einzelnen der Fünfergruppe zutreffen. Dadurch sind sie austauschbar und sorgen nicht dafür, dass bei der Nennung eines Namens sofort ein Charakter vor dem inneren Auge Gestalt annimmt.
Die Nebencharaktere kommen dabei viel besser weg. Ob das Kindermädchen Lottie, Ernest oder seine Tochter, sogar die Mutter von Liv und ihre Schwester haben viel mehr Charaktertiefe als die Hauptcharaktere. So etwas ist mir bisher noch nicht begegnet.

Was mir besonders gefallen hat: 

Kerstin Giers Schreibstil ist so locker und flüssig, dass man diesen einfach lobend hervorherben muss. Diesem Schreibstil ist es zu verdanken, dass ich das Buch bis zum Ende gelesen habe. Er ist frisch und jung und bewegt sich mit der Zielgruppe des Buches auf Augenhöhe. Etwas, was nicht jeder Autor schafft und deshalb besondere Erwähnung findet.
Auch gut fand ich, wie sie hier die Probleme von Jugendlichen ins Buch einfließen lässt. Dabei greift sie zwar ziemlich viele Klischees auf, die teilweise etwas übertrieben wirken, aber sicherlich ihr Ziel nicht verfehlen. Dadurch, dass sich Kerstin Gier hier mit eben diesen Themen auseinandersetzt, werden sich Jugendliche in diesem Buch mit Sicherheit auf Anhieb gut aufgehoben fühlen. Mit den angesprochenen Problemen der Protagonisten, kann sich der ein oder andere sicherlich selbst identifizieren.

Was mir nicht so gut gefallen hat: 

Die Idee mit den Träumen ist ein Teil des Buches, dessen Idee mich wirklich fasziniert hat. Nachts die Möglichkeit zu haben sich gegenseitig im Traum zu besuchen und die unterschiedlichsten Abenteuer zu erleben – das möchte doch jeder gerne. Leider wurde das Potential dieser Idee  in diesem Buch nicht im Ansatz ausgefüllt. Die ersten 70 Seiten beschäftigt man sich damit, dass Liv und ihre Familie umziehen, bei Ernest einziehen sollen, die neue Schule besuchen usw. -  Alltagsdinge, die man durch das ganze Buch hindurch in einem viel zu großen Umfang präsentiert bekommt. Anstatt sich auf die Grundstory zu konzentrieren, finden sich immer wieder Längen, in denen nichts weiter passiert, als in der Mensa zu essen, nach Hause zu gehen, in der Schule zu sitzen etc. Auf mich persönlich hat es den Eindruck gemacht, als müssten zwingend Seiten gefüllt werden, um aus dieser Geschichte eine Trilogie machen zu können, womit wir schon bei meinem nächsten Punkt wären.
Da der Verlag hier eine wirklich große Schrift gewählt hat und Seitenränder die ebenfalls sehr groß sind, sind die Seiten eigentlich nur halb gefüllt, wenn man sie auf ein „normales Verhältnis“ herunterbricht. Im Grunde genommen hat dieses Buch nicht die Anzahl an Seiten die es uns vorgaukelt. Zusammen mit dem Inhalt, der viel zu wenig mit dem zu tun hat, was er verspricht und mich dazu bringt mir die Frage zu stellen, warum aus dieser Geschichte unbedingt eine Trilogie gemacht werden muss, finde ich den Preis für dieses Buch völlig übertrieben.

Was die Geschichte an sich betrifft, sind wirklich nur die Idee der Träume ein Highlight, alles andere kennen wir 100fach aus Fernsehserien wie „Supernatural“ oder Büchern wie der „Gänsehaut“-Reihe. Ein paar Kinder die ganz naiv einer Anleitung zu einem Ritual aus einem alten Buch folgen um einen Dämonen aus der Unterwelt zu holen und ihm nun dienen müssen, ist wirklich nicht neu. Der Cliffhanger am Ende, der auf Band 2 vorbereiten soll, ist leider ganz besonders abgegriffen und jedem aus diversen Grusel-/Horrorgeschichten aus den Medien bekannt. Leider haben die letzten Zeilen des Buches ein Augenrollen verursacht, aber kein Gespanntsein auf den nächsten Teil ausgelöst. Nachdem mich Kerstin Gier mit der Edelstein-Trilogie so sehr in ihren Bann gezogen hat, frage ich mich wirklich, wie nun so ein Buch aus ihrer Feder fließen konnte.

Eine Sache, die mir einfach nicht aus dem Kopf will und die sich bisher auch nicht nachvollziehen lässt ist die, dass Grayson daran Schuld sein soll, dass Liv plötzlich die Möglichkeit hat, die Träume anderer Menschen zu besuchen und letztlich der Runde um das Dämonenritual beizutreten. Da Grayson derjenige ist, der Liv die ganze Zeit aus allem heraushalten will, was diese Dämonensache betrifft, und außerdem nicht möchte, dass sie Kontakt zu seinen Freunden hat, soll gleichzeitig derjenige sein, der dafür gesorgt hat, dass sie sich ebenfalls dem Ritual unterzieht, indem sie durch die Träume davon erfährt? Nein, das passt für mich nicht zusammen. Die ganze Thematik wie Liv nun eigentlich in diese Traumrunde gelangt, ohne wie die anderen mit dem Dämon verbunden zu sein, scheint für mich sowieso schlecht durchdacht, gibt es doch in keinem Moment eine Erklärung dafür.

Gestaltung:

Das schwarz-silberne Cover, das mit Sicherheit nun fast jeder kennt, ist natürlich ein Augenschmaus. Man wird unweigerlich auf das Buch aufmerksam, nimmt es in die Hand und schon der Titel bringt einen dazu, es unbedingt lesen zu wollen. Entfernt man den Schutzumschlag des Buches erwartet den Leser ebenfalls eine nette Aufmachung auf dem roten Umschlag, die das Buch noch schöner macht. Auch die floralen Elemente im Inneren des Buches tragen zur wundervollen Gestaltung bei, die man „Silber“ mit Sicherheit nicht absprechen kann.

Wertung:

Da die Charaktere und die Story leider wenig überzeugen konnten und mich wohl auch nicht durch die weiteren Bände werden tragen können, der Preis für den Umfang der Geschichte viel zu hoch ist, aber der Schreibstil und Kerstin Giers Art Probleme ihrer Zielgruppe aufzunehmen sehr gelungen waren und außerdem die Gestaltung des Buches sehr schön ist, vergebe ich an dieses Buch gutgemeinte 2 ½ Lila-Lesesterne.

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