Dienstag, 29. Oktober 2013

Rezension: "Lockwood & Co." (Jonathan Stroud)






Titel: Lockwood & Co. - Die seufzende Wendeltreppe
Reihe: Band 1 der Reihe "Lockwood & Co."
Verlag: cbj
Hardcoverausgabe mit 432 Seiten
ISBN 978-3-570-15617-9
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Preis: 18,99 Euro







Klappentext:

"Nach unten!" brüllte Lockwood.

Die Kerzen flackerten irrwitzig und unsere Schatten jagten über die Wände, als wir die Treppenwindungen hinunterstürmten. Rund um uns erhob sich ein ungeheuerliches Kreischen, drang aus den Stufen und Steinen selbst - schmerzhaft wie Peitschenhiebe. Doch das Unerträglichste war die pure Todesangst, in der die Schreie ausgestoßen wurden. Abwärts, immer rundherum, rundherum... Und plötzlich waren die Schatten, die neben uns herglitten, nicht mehr unsere eigenen. Sie trugen spitze Kapuzen und aus ihren weiten Ärmeln reckten sich dürre Arme. Abwärts, abwärts... Die Schemen jagten uns, zu Klauen gekrümmte Schattenfinger griffen nach Lockwood und mir, die Schreie bohrten sich wie rotglühende Eisen in unsere Schädel und ich hatte nur noch einen Wunsch - dass der grauenvolle Lärm endlich verstummen möge. 

Vom Autor der weltweiten Bestseller-Tetralogie "Bartimäus"

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Story und Charaktere: 

„Lockwood & Co.“ das sind, nach einem außergewöhnlichen Vorstellungsgespräch, Lockwood, George und Lucy. Drei Kinder mit unterschiedlichen Geisterfähigkeiten, die in der Lage sind, verschiedenen Spukvarianten ein Ende zu bereiten.
Nachdem sie durch ihren neuen Fall, einem Geist seine Identität zurückzugeben und dabei das Haus abzufackeln, endlich auch in der Presse Erwähnung finden, sehen sie nun ihrem größten Fall entgegen. Sie sollen eines der spukigsten Geisterhäuser von ihren unsichtbaren Bewohnern säubern und dabei möglichst selbst am Leben bleiben. Dieser Fall ist mit nichts zu vergleichen, was ihnen vorher begegnet ist. Ob sie diesen Geistern wirklich gewachsen sind?

Lucy, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, ist ein junges Mädchen mit der Gabe, Geister besonders gut zu hören und zu spüren, während Lockwood ein „Sehender“ ist, der den Geisterschein besonders gut erkennt. Auch George hat eine Mischung dieser Fähigkeiten, ist aber eigentlich eher dafür zuständig, gewisse Dinge vor Aufnahme eines Falles zu recherchieren und sich entsprechend um die Ausrüstung zu kümmern.
Lockwood, der Leiter der Agentur „Lockwood & Co.“ hat ein riesiges Haus, das er von seinen Eltern hinterlassen bekommen hat, über die er jedoch niemals spricht. Hier lebt nicht nur er, sondern auch George. Selbst Lucy findet nach ihrer Anstellung hier ihren Platz.
Die Inneneinrichtung scheint ein wenig an ein Gruselkabinett zu erinnern, denn überall finden sich Gegenstände, die mit Geisterheimsuchungen in Verbindung stehen. Es ist eben eine echte Geisteragentur.
Lucy, die froh ist, ihrem Elternhaus mit der neuen Stelle endgültig den Rücken kehren zu können, lebt sich bei Lockwood und George sehr schnell ein. Sie beweist nicht nur Köpfchen, wenn es um Geisterfälle geht, sonder auch ungeheuerlich viel Mut, wenn sie dem Tod mal wieder ins Auge sehen muss – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
Lockwood macht einen immer wieder ganz zerstreuten und in sich gekehrten Eindruck. Er scheint ganz in seine eigene Gedankenwelt versunken, an der er George und Lucy oftmals erst dann teilhaben lässt, wenn schon alles zu spät ist. Damit bleibt er die ganze Zeit ein recht undurchsichtiger Charakter.
George kann sich in seiner Rolle als „Mädchen für alles“ nur schwer gegen Lucy und Lockwood durchsetzen. Das geht ihm manchmal ganz schön gegen den Strich. Wenn es allerdings um die Lösung eines Falles geht, können sich die drei aufeinander verlassen.

Jonathan Stroud hat hier ein Trio von Kindern erschaffen, die auf ihre ganz eigene Art zusammenpassen und ihren Platz in der Geschichte finden. Ein Mix, der mir wirklich gut gefallen hat.

Was mir besonders gut gefallen hat:

Der Autor versteht sich wirklich darauf, ein Buch so zu schreiben, dass er seine Leser mit seinen Worten ans Buch fesselt. Sein Stil ist so locker, flüssig und leicht, dass dieser mich durch die Geschichte trägt, selbst wenn sie mir mal nicht wirklich gefällt.
Mit diesem lockeren Stil geht auch die Art einher, wie er Dinge beschreibt. Die Menschen und Orte, ihre Gefühle und Denkweisen werden so punktgenau beschrieben, dass ich keine Probleme hatte, das Kopfkino laufen zu lassen. Dabei verwendet er keine ellenlangen Beschreibungen, sondern nur das Notwendigste, dass er jedoch zielsicher ausgewählt hat.

Als Leserin von Jugendbüchern muss ich sagen, dass ich kein vergleichbares Buch kenne, das diese Geisterthematik so aufgreift. Ich habe schon sehr viele „Erwachsenenbücher“ zu diesem Thema gelesen und auch jede Menge Filme gesehen, sodass das Buch für mich zwar sehr vorhersehbar und deshalb oft nicht so spannend war wie ich es mir gewünscht hatte, aber meinen Betrachtungswinkel muss ich hier außen vor lassen. Dies ist das wohl erste Jugendbuch, von dem ich sage: aus diesem Alter bin ich raus.
Wenn ich dieses Jugendbuch allerdings aus der Jugendbuchsicht betrachte, denke ich, dass sich jüngere Leser mit diesem Buch sehr gut unterhalten fühlen werden. Hier werden so viele Geisterklischees aufgegriffen, dass man in die fiktive Zeit dieses Buches ohne Weiteres abtauchen kann. Da die Hauptcharaktere allesamt selbst junge Jugendliche sind, ist es nicht schwierig, sich mit ihnen auf Augenhöhe wiederzufinden, wenn man selbst in diese Altersgruppe passt. Obwohl man Bücher dieser Art vor allem männlichen Publikum zuschreiben würde, kommen gerade Mädchen hier auf ihre Kosten, schließlich wird das Ganze aus der Sicht von Lucy erzählt. Sie lässt den Leser an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben und lässt dadurch alles zu einer authentischen Geschichte werden.

Was mir nicht so gut gefallen hat: 

Meiner Meinung nach braucht die Geschichte zu viel Anlauf, bevor sie dort ankommt, wo die eigentliche titeltragende Geschichte beginnt. Über 250 Seiten haben wir nur Vorgeschichte zum eigentlichen Fall und Vor-vorgeschichte zu Lucys Anstellung als Geisterjägerin bei Lockwood. Hier hätte der Autor ruhig ein bisschen mehr Tempo einbringen können, sodass man vom eigentlichen Geistererlebnis mehr als nur 100 Seiten hat.
Leider trug es auch nicht dazu bei, immer wieder Andeutungen zu anderen Fällen fallen zu lassen, auf die aber nicht weiter eingegangen wurde. All diesen Raum hätte er besser für den eigentlichen Fall verwenden sollen.
Was mir auch nicht so gut gefallen hat, ist, dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, eine Mischung aus einem Geisterjäger-Sherlock-Holmes und den Drei ??? in der Hand zu halten. Das fand ich etwas schade, denn die Grundstory und die Charaktere haben mir eigentlich ganz gut gefallen. Hier und da könnte man zwar meinen, dass Jonathan Stroud eher einen Erwachsenen in eine Jugendrolle versetzt hat, als wirklich einen Jugendlichen handeln zu lassen, doch das nennt man wohl „künstlerische Freiheit“.

Gestaltung: 

Das Cover des Buches ist sehr ansprechend gestaltet und ein echter Blickfang. Es ist mit ein Grund gewesen, warum ich das Buch nicht in der Buchhandlung liegen lassen konnte.
Auf grau-blauem Hintergrund ist ein riesiges Vorhängeschloss mit der goldenen Aufschrift des Titels abgebildet worden, durch dessen Verschluss sich zwei Degen kreuzen. Umgeben ist das ganze von einem seltsamen Nebel, der dazu beiträgt alles ein wenig mysteriös erscheinen zu lassen. Was genau es mit dem Cover auf sich hat, stellt sich im Laufe der Geschichte heraus. Am Ende kann man sich sicher sein, dass es mehr als passend für dieses Buch ist.

Die Gestaltung im Inneren des Buches hingegen hat mir nicht so gut gefallen. Über jedem Kapitel findet sich ein kleines rundes Bild, das jedoch immer so dunkel ist, dass kaum erkennbar ist, was darauf abgebildet wurde. Qualitativ finde ich diese gutgemeinten Bilder wirklich schrecklich. Auf sie hätte ruhig verzichtet werden können.

Wertung: 

Dies ist ein Buch, dass in den Händen von jungen Jugendlichen und geisterbegeisterten Lesern sicher für ein paar aufregende und spannende Lesestunden sorgen kann. Der Schreibstil und die Charaktere sind wirklich wunderbar gelungen und gefallen sogar mir als Erwachsene. Abzüglich der vielen Längen, des Sherlock-Holmes-Drei-???-Gefühls und meiner anderen Kritikpunkte, vergebe ich 3 ½ Lila-Lesesterne an den ersten Band der „Lockwood & Co.“-Reihe.


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