Dienstag, 22. Oktober 2013

Rezension: "Rauklands Sohn" (Jordis Lank)






Titel: Rauklands Sohn
Reihe: Band 1 der Reihe "Raukland"
Verlag: el Gato
Taschenbuchausgabe mit 359 Seiten
ISBN 978-3-943596-04-5
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Preis: 12,90 Euro







Klappentext:

Ronan, Sohn des mächtigen Herrschers im Nordmeer, fürchtet weder Schmerz noch Tod. Doch auf einer nordischen Insel muss er sich einer Prüfung stellen, bei der sein Schwert nutzlos ist. Bals muss Ronan erkennen, dass der größte Kämpfer der ist, der sich selbst besiegt. 

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Story und Charaktere:

Ronan, Sohn des Königs von Raukland und nächster Thronfolger, ist ein Kämpfer erster Güteklasse. Niemand kann so gut mit dem Schwert umgehen wie er. Das bringt ihm dieses Mal allerdings nichts, schafft er es doch, eine wichtige Schlacht im Rausch zu verschlafen. Sein Vater zögert nicht lange, lässt ihn auspeitschen, brandmarken und schickt ihn auf die Insel Lannoch, die weitab von Raukland liegt. Dort soll Ronan verschiedene Prüfungen bestehen, um Lannochs nächster König zu werden und die Insel somit für Raukland einzunehmen. Dazu hat er ein Jahr Zeit. Gleich die erste Prüfung ist eine der schwierigsten: Er muss einen Freund finden.

Ronan ist der Hauptcharakter der Geschichte. Er ist ein zunächst typischer Kämpfer der sich in der Schlacht zu behaupten weiß und nicht schnell kleinbei gibt. Als er jedoch für ein Jahr nach Lannoch verbannt wird, um dort die Aufgaben des dortigen Königs zu lösen, damit Lannoch an ihn und Raukland fällt, ändert sich für Ronan alles. Auf Lannoch lernt er langsam aber sicher, nicht nur Kämpfer und Thronfolger, sondern auch Mensch zu sein, Freundschaften zu schließen und das Leben auch mal zu genießen. Er entdeckt in sich selbst eine Seite die lieben und fühlen kann, die ihn zu etwas anderem macht, als einem Haudrauf. Ganz zarte Bande entwickeln sich zwischen ihm und Eila, der Enkelin des Königs von Lannoch, die Ronan immer wieder verwirren.
Wie gut, dass er da Liam an seiner Seite hat. Obwohl Ronan der Hauptcharakter ist, ist es Liam, der den Faden der Geschichte neu spinnt. Durch ihn schafft es Ronan sich zu ändern, auch wenn er es selbst nicht bemerkt und vielleicht auch gar nicht will. Liam ist ein sehr ruhiger Charakter, der alle Schwächen aufweist, die Ronan nicht hat. Dafür hat er allerdings auch eine Stärke, die Ronan nicht vorweisen kann: Liam fühlt und steht zu dem, was diese Gefühle für ihn mit sich bringen.

Hier treffen zwei Charaktere aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können. Ronan, der Schwertkämpfer und Liam, der kleine Händler einer Insel weitab von Raukland. Diese zwei so verschiedenen jungen Männer sollen Freundschaft schließen, um Ronan vor der Blamage zu bewahren, die Prüfungen des Königs von Lannoch nicht zu bestehen. Dabei treiben sich beide gegenseitig mit dem an, was sie selbst können. Ronan versucht Liam das Fechten mit dem Schwert näher zu bringen, während Liam Ronan dabei zu helfen versucht, sich endlich selbst zu finden.
Die Autorin hat hier zwei wunderbare Protagonisten erschaffen, deren Entwicklung ich als Leserin mit Spannung verfolgt habe. Hinter all den Schwertern steckt eine Geschichte zweier Menschen, die mich fasziniert haben. Zusammen mit all den wunderbaren Nebencharakteren, die alle genug Platz erhalten haben, um sich ein Bild von ihnen und ihrem Platz in der Geschichte machen zu können, wurde hier eine tolle Geschichte rund um Raukland, Lannoch, Ronan und Liam gesponnen. Es ist sehr einfach, mit den beiden Charakteren zu sympathisieren, mit ihnen zu leiden, hier und da den Kopf zu schütteln oder auch mal Herzrasen zu bekommen. Eine Mischung, die mir sehr gefallen hat.

Was mir besonders gefallen hat:

Jordis Lank überzeugt mit einem sehr lockeren und flüssigen Schreibstil, der sich leicht lesen lässt. Ihre Beschreibungen gehen gerade so weit ins Detail, dass genug Raum für die eigene Fantasie erhalten bleibt, um sich selbst ein gedankliches Bild von Lannoch, den Figuren und allem anderen machen zu können.
Besonders gefällt mir, dass hier, trotz der männlichen Hauptprotagonisten, auch ein Buch für weibliche Leser geschaffen wurde, das nicht nur von Schwertkämpfen und Todesszenen lebt. In diesem Buch kommen Leser beider Geschlechter auf ihre Kosten. Der Altersempfehlung von 14 Jahren stimme ich voll und ganz zu, gibt es doch nicht nur „nette“ Szenen im Buch. Schon der Anfang eignet sich nicht für empfindliche Gemüter, sodass jüngere Leser mit diesem Buch lieber noch ein Weilchen warten sollten. Auch denke ich, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen jüngerem Publikum doch eher verborgen bleiben oder als anstrengend empfunden werden. Jugendliche ab 14, aber auch fantasybegeisterte Erwachsene sind hier genau das richtige Lesepublikum für den ersten Band der Rauklandtrilogie.

Auch gefallen hat mir, dass, trotz des Ernstes der Lage, in der Ronan sich befindet, auch eine humorvolle Seite zum Vorschein kommt, die mich hat immer wieder schmunzeln lassen. Das Bild eines muskelbepackten Kämpfers, der Eier ausbläst ist doch beispielsweise wahrlich nicht zu verachten. Hier geht es also nicht nur um geschwungene Schwerter, sondern um eine sehr viel tiefgründigere Geschichte, die ich wirklich gerne gelesen habe.

Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle noch den Einband des Buches. Zuerst einmal ist das Buch überhaupt nicht steif, wenn man es liest und wie man es von Taschenbüchern gewohnt ist und zum Anderen sind am Buchrücken keine Leserillen entstanden, obwohl ich das Buch mehrfach stark aufgeklappt weggelegt habe. Dies ist für mich ein zusätzlicher Pluspunkt, denn jeder von uns, der Taschenbücher liest, ärgert sich doch immer wieder, wenn der Rücken zerknickt ist.

Was mir nicht so gut gefallen hat: 

Es gibt zwei kleine Dinge am Buch, die mich ein wenig gestört haben und in mein persönliches Kritikfeld fallen. Zum Einen verstehe ich nicht, warum die Autorin in diversen Kapiteln so viele Absätze mit Leerzeilen dazwischen gemacht hat, obwohl kein neuer Gedankengang oder einen Szenenwechsel folgte, zum anderen fand ich die Schriftart auf Dauer anstrengend zu lesen.
Die Sache mit den Absätzen unterbricht meiner Meinung nach immer wieder den Lesefluss, denn diese Absätze sind oft nur ein paar Zeilen lang.
Die gewählte Schriftart scheint etwas in Richtung „Arial“ und damit keine Serifenschrift zu sein, die sonst für Romane etc. in irgendeiner Form verwendet wird. Hier sind die Buchstaben sehr steif und „kantig“, was die Augen auf Dauer ermüdet.
Beides jedoch hat keinen Einfluss auf die Geschichte selbst und wird deshalb nicht besonders stark von mir gewichtet.

Gestaltung:

Vor einem wolkenverhangenen Abendhimmel zeigt sich eine alte Burg die sich im Wasser spiegelt. Zwischen Burg und Wasser wurde der Text auf schwarzem Hintergrund platziert. Im Vordergrund ist ein Schwert zu sehen, das tatsächlich silbrig glänzt, wenn man das Buch in der Hand hält. Auf der Rückseite des Buches finden sich Burg und Schwert noch einmal wieder, was dem Klappentext einen schönen Rahmen gibt. Das gesamte sehr flexible Cover ist auf Hochglanz gedruckt und macht deshalb einen qualitativ hochwertigen Eindruck.

Wertung: 

Mir hat die Geschichte um Ronan und Liam nicht nur wegen der Charaktere, sondern auch wegen des Schreibstils sehr gut gefallen. Endlich einmal habe ich ein Buch dieses Genres in der Hand, das nicht nur auf männliche Leser, sondern auch auf weibliche ausgerichtet ist, ohne dabei auf gängige Klischees zu verzichten. Als erster Band einer Trilogie, haben wir hier einen Auftakt, den ich sehr gerne gelesen habe. Einzig die Form des Textes war etwas, was mir nicht so ganz gefallen hat. Deshalb vergebe ich für „Rauklands Sohn“ 4 ½ Lila-Lesesterne und eine Leseempfehlung. Band zwei wird sicherlich auch seinen Weg in mein Regal finden.


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