Dienstag, 18. Februar 2014

Rezension: "Göttlich verdammt" (Josephine Angelini)





Titel: Göttlich verdammt
Reihe: Band 1 der Reihe "Göttlich"
Verlag: Dressler
Hardcoverausgabe mit 494 Seiten
ISBN Schuber (1-3): 978-3791526294
ISBN Einzelbuch: 978-3791526256
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 14-17 Jahre
Preis Schuber: 39,95 Euro
Preis Hardcover einzeln: 19,95 Euro






Klappentext:

"Autsch. Bring mich nicht zum Lachen", schnaufte er und seine Brust bebte dabei auf und ab. "Wenn du aufhörst, hör ich auch auf", meinte Helen. Sie kicherten noch leise vor sich hin und konzentrierten sich erneut darauf, ihre Schmerzen zu regulieren und ihre Körper zu heilen. Mit einem Ohr hörte Helen das regelmäßige Pochen von Lucas' Herz und mit dem anderen das Kreischen der Möwen. Die Morgendämmerung brach bereits herein und sie fühlte sich zum ersten Mal seit Wochen vollkommen sicher. 

Eine schicksalhafte LIEBE.

Eine antike FEHDE.

Ein göttliches ERBE.

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Story und Charaktere: 

Helen lebt mit ihrem Vater auf der kleinen Insel Nantucket. Von ihrer Mutter weiß sie nichts, denn diese hat sie schon verlassen, als sie noch ganz klein war.
Eines Tages zieht eine neue Familie auf die Insel, die Helens Leben völlig durcheinanderwirft. Sie hatte zwar schon immer das Gefühl anders als ihre Mitmenschen zu sein, doch was sie jetzt erfährt, ist unglaublich – Helen stammt nämlich aus der Reihe der großen griechischen Götter ab und ist damit eine Halbgöttin. Dummerweise verliebt sie sich dann auch noch ausgerechnet in den Halbgott, mit dem sie niemals zusammen sein darf.

Helen kommt mit einer Sache überhaupt nicht zurecht und das ist Aufmerksamkeit. Diese versucht sie mit aller Macht von sich abzulenken, indem sie sich so gut es geht unsichtbar macht. Leider hilft auch das dickste Haar vor dem Gesicht nichts, denn Helen ist ausgesprochen hübsch und damit für alle eine Augenweide, der Aufmerksamkeit gewiss ist.
Als sie erfährt, dass sie eine Halbgöttin ist, erfährt sie auch von den in ihr verborgenen Kräften, die schon bald erklären, warum sie sich immer so anders gefühlt hat. Sie fällt dem Leser allerdings vor allem durch ihre ständigen Selbstzweifel auf, die sich durch das ganze Buch ziehen und weitaus mehr Raum einnehmen, als es die Hauptpunkte der Geschichte tun. Außerdem ist sie sehr schüchtern und zeichnet sich durch wenig Selbstbewusstsein aus.

Claire ist Helens etwas überdrehte, beste Freundin, die Helen nie im Stich lassen würde. Sie weiß immer ganz gut über den neusten Klatsch und Tratsch Bescheid und ist deshalb auch diejenige, die Helen von der neuen Familie auf der kleinen Insel erzählt.
Während Helen regelmäßig in ihren Selbstzweifeln versinkt, ist Claire stets gut gelaunt, offenherzig, aufgeschlossen und sehr sympathisch. Als sie davon erfährt, dass sie eine Halbgöttin zur Freundin hat, reagiert sie eher erfreut als verwundert. Sie weißt jetzt wenigstens, dass sie sich diverse Dinge aus der Vergangenheit nicht eingebildet hat. Eine große Stärke ihrerseits: Sie neidet ihrer Freundin ihre Kräfte nicht, sondern freut sich mit ihr über all die Aufregung, die ab jetzt im Verborgenen auf Nantucket herrscht.

Lucas ist einer der jungen Männer aus der Familie Delos, die gerade auf die Insel gezogen ist. Nachdem die Furien sich nicht mehr zwischen ihn und Helen stellen, kann er nicht mehr von ihr lassen. Dabei dürfen die beiden niemals zusammen sein. Er könnte jedoch auch jede andere Frau haben, denn er ist, wie man es von einem Halbgott erwartet, besonders attraktiv.
Kampfsport, Stärke, das Fliegen und sogar das Licht zu beugen sind seine speziellen Halbgottfähigkeiten. Darüber hinaus erkennt er sofort wann jemand lügt.

Die Delos-Familie ist insgesamt eine sehr liebevolle und nette Familie, in der sich jeder um jeden kümmert. Vor allem Noel hat das Herz am rechten Fleck und hält die Familie mit ihrer Anwesenheit zusammen. Als einziger Mensch im Haus kümmert sie sich vor allem um das leibliche Wohl und darum, dass alle genug Zeit miteinander verbringen. Ihre Art überträgt sich auch auf die anderen Familienmitglieder, sodass man sich als Leser gerne bei ihnen Zuhause aufhält.

Neben diesen Charakteren gibt es noch viele weitere auftretende Personen, auf die ich nicht weiter eingehen möchte.
Leider sind fast alle Charaktere sehr eindimensional und bleiben es auch das ganze Buch über. Selbst der Gegenspieler der Halbgötter oder gar die Hauptcharaktere erhalten keine Tiefe und kamen deshalb bei mir als Leserin ebenso wenig an, wie die anderen auftretenden Personen.
Außer Claire gibt es keine Person, die von der Autorin wirklich durchdacht worden zu sein scheint. Sie ist die einzige, die wirklich sehr authentisch wirkt und im Gedächtnis des Lesers Spuren hinterlässt.

Die Story ist leider ebenso oberflächlich wie die Charaktere selbst, weshalb mich beides nicht überzeugen konnte.

Was mir besonders gefallen hat:

Einzug zu Gute halten kann ich diesem Buch etwa die letzten 80 Seiten. Hier nimmt die Autorin endlich Fahrt auf und lässt einen Spannungsbogen erkennen. Dieser ist in Band 2 hoffentlich ab der ersten Seite spürbar.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Nachdem Charaktere und Geschichte schon nicht punkten konnten, hatte ich immer wieder gehofft, dass sich Schreib- und Sprachstil irgendwann so ändern würden, dass das Buch trotzdem gut lesbar ist. Das ist leider nicht geschehen. Der Schreibstil ist sehr flach und wartet mit vielen kurzen Sätzen nach Schema F auf, die keine Herausforderung für den Leser darstellen. Ich war davon sehr schnell genervt, denn die aneinandergereihten kurzen Sätze führen dazu, dass Textpassagen abgehackt klingen und man beim Lesen ins Stolpern kommt.
An diesen sehr einfachen Schreibstil passt sich auch die Sprache an. Bei diesem Buch erkennt man einen „Grundwortschatz“ über den die Autorin nicht hinausgeht und der für viele Wiederholungen sorgt. Hinzu kommt, dass viele Formulierungen aus dem umgangssprachlichen Bereich kommen und den Stil so noch platter erscheinen lassen.

Wie bereits erwähnt, kann das Buch leider auch nicht von der Geschichte oder den Charakteren getragen werden. Die griechische Mythologie, die hier erklärt und in den Namen der Halbgottcharaktere wiedergegeben wird, ist sehr lückenhaft. Dadurch, dass dem Leser nur die Fakten, nicht aber die Hintergründe präsentiert werden, kann kein vollständiges Bild entstehen, das dem Leser aber zum besseren Verständnis helfen würde. Allein durch die Erwähung der „Illias“ oder der „Odyssee“ von Homer ist dem Leser nicht geholfen, kann man schließlich nicht davon ausgehen, dass diese jedem bekannt sind. Von einer Autorin, die sich während ihres Studiums intensiv mit griechischer Mythologie beschäftigt hat, hätte ich in dieser Thematik mehr Liebe zum Detail erwartet, soll doch eben dieser Teil menschlischer Geschichte die gesamte Reihe tragen.

Die Charaktere wirken insgesamt sehr emotionslos, obwohl die Autorin über Emotionen schreibt. Helen will beispielsweise plötzlich ohne ersichtlichen Grund einen Jungen umbringen den sie gar nicht kennt und sieht in dessen Gegenwart ständig drei seltsame Frauen, die sich gegenseitig die Augen auskratzen, benimmt sich aber weiterhin völlig normal. Angst? Verzweiflung? Verwunderung? Nein, sie nimmt es quasi mit einem Schulterzucken hin. Als nächstes erfährt sie, dass sie eine Halbgöttin mit verschiedenen Fähigkeiten ist, doch fehlt auch hier das Erstaunen, die Angst oder was man sonst erwarten würde. Selbst als sie sich mit einem Schwert bedrohen lässt, dass ihren Tod bedeuten könnte, zuckt sie nicht mit der Wimper, als ihr klar wird, dass sie unverwundbar ist. Es werden in Nebensätzen zwar immer wieder Gefühle solcher Art erwähnt, kommen aber nicht zum Tragen. Das gesamte emotionale Konstrukt stimmt bei den Charakteren deshalb leider überhaupt nicht. Als Leser muss man alles einfach hinnehmen. Die Dinge sind eben so. Genau das macht die Geschichte so unauthentisch wie sie leider ist, denn diese Art von oben genannten Beispielen ziehen sich durch das gesamte Buch und sie erstrecken sich über sämtliche Charaktere. Dadurch bleibt leider auch der Spannungsbogen sehr flach, kommt beim Leser die Geschichte doch einfach nicht an, wenn er sie nicht mitfühlen kann.

Am meisten stört mich jedoch, dass man beim Lesen das Gefühl hat, einen Abklatsch der Bis(s)-Reihe in den Händen zu halten. Die Delos-Familie lässt sich genauso auf die Cullens übertragen, wie Helen und ihr Vater auf Bella und deren Vater. Aus Vampiren werden Halbgötter mit zum Teil identischen Fähigkeiten, wie wir sie aus Stephanie Meyers Büchern kennen. Sogar die Liebesgeschichte baut sich ähnlich auf. Natürlich könnte man es als Kompliment an die Bis(s)-Reihe sehen, wenn sich so nahe daran orientiert wurde, ich jedoch finde, dass damit der Leser an der Nase herumgeführt wird. Mit Sicherheit wollte ich keine schlechte Immitation genannter Reihe in neuem Gewand lesen. Besonders toll fand ich deshalb folgenden Satz: „Ihr könnt mir glauben, ich bin viel glücklicher damit, dass ihr alle griechische Götter seid und nicht irgendwas Widerliches wie Fledermäuse oder Wölfe oder Moskitos.“ (S.306) Eine Seite vorher ging Claire noch davon aus, dass sie es mit Vampiren zu tun hat.

Cover:

Das Cover der Schuberausgabe ist sehr einfach gehalten. Außer dem Titel findet sich nichts auf dem Cover, funktioniert der Schuber doch über die Buchrücken und den Schuber selbst. Das Cover des Schuberbuches finde ich fast noch passender als das „Originalcover“, ist es doch genauso nichtssagend wie der Inhalt zwischen den Buchdeckeln.

Wertung:

Hier stimmt für mich leider nichts. Da ich jedoch den Schuber besitze, werde ich Band 2 und 3 auch noch lesen und hoffe bis dahin, dass sich in den Folgebänden einiges ändert. Dem ersten Band kann ich leider nicht mehr als einen gut gemeinten Lila-Lesestern geben und das auch nur, weil die letzten 80 Seiten mich zumindest ein wenig begeistern konnten.


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