Donnerstag, 13. März 2014

Rezension: "Der Fluch des grünen Skarabäus" (Natasha Narayan)





Titel: Der Fluch des grünen Skarabäus
Reihe: Band 1 der Reihe "Die Abenteuer von Kit Salter"
Verlag: Ravensburger
Hardcoverausgabe mit 335 Seiten
ISBN:  978-3473347834
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre
Preis Hardcover einzeln: 14,95 Euro







Klappentext:

Oxfort 1872.
Kit Salter liebt das Abenteuer. Als die berühmte Mumie des Ptah-Hotep in der Stadt ausgestellt wird, will Kit unbedingt dabei sein. Mit ihren Freunden schleicht sie sich ins Museum. Was Kit nicht ahnt: Die Mumie liegt nicht mehr im Sarkophag. Ein geheimnisvoller Unbekannter hat sie gestohlen. Und ein böser Fluch wurde frei, der Kit und ihre Freunde um die halbe Welt führen wird...
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Story und Charaktere:

Kit Salters Vater leitet eine der Abteilungen im Museum, die sich unter anderem mit ägyptischer Geschichte befasst. Als ihre Tante die Mumie des Ptah-Hotep mit nach England bringt, soll diese natürlich auch dort ausgestellt werden. Zu ihrem Entsetzen müssen Vater und Tante jedoch bald feststellen, dass ihnen die Mumie gestohlen wurde. Stattdessen findet Kit einen verdreckten Jungen, der scheinbar kein Wort Englisch versteht. Er hat jedoch einen Brief dabei, in dem erklärt wird, dass der Skarabäus des Ptah-Hotep auf jeden Fall wieder zurück in sein Heimatdorf gebracht werden muss, wo sonst großes Unglück geschehen wird. Sofort machen Kit und ihre Freunde Rachel, Waldo und Isaac, sowie der seltsame Junge aus Kairo sich auf die Suche und geraten in ein geschichtsträchtiges Abenteuer, das nicht immer ganz ungefährlich ist.

Die 12jährige Kit lebt mit ihrem Vater zusammen in einem schönen Haus, wo sie von einer Gouvernante beaufsichtigt und auf das Dasein als Dame vorbereitet wird. Davon hält sie jedoch absolut nichts, lebt sie ihr Leben doch lieber so, wie sie es möchte – ohne schicke Etikette. Viel spannender als das Erlernen von Manieren findet sie nämlich zum Beispiel den Job ihres Vaters. Dieser freut sich zwar darüber, sieht es aber gar nicht gerne, wenn Kit sich dem damenhaften Unterricht entziehen will. Da ihre Mutter vor sechs Jahren verstorben ist, muss sich also jemand anderes darum kümmern, dass aus Kit irgendwann einmal eine Dame wird.
Als entdeckt wird, dass die Mumie verschwunden ist, ist Kit schon zur Stelle. Zusammen mit ihren Freunden will sie herausfinden, wohin die Mumie verschwunden ist und wer dafür zur Verantwortung gezogen werden kann. Ganz klar ist auch, dass der Skarabäus an seinen Heimatort zurück muss. Mit ihrer selbstbewussten, lockeren Art verfällt sie direkt in die Rolle einer Detektivin, der nichts zu gefährlich ist. Sie ist sehr mutig, aber auch sehr unvorsichtig, was sie immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Sympathisch wird sie vor allem dadurch, dass sie sich und anderen gegenüber ihre Fehler im Nachhinein klaglos eingestehen kann. Natürlich müssen auch all ihre Freunde mit herhalten wenn sie Detektiv spielt, denn was wäre ein Detektiv ohne seine ständigen Begleiter. Dadurch sorgt sie dafür, dass immer zumindest einer von ihnen in unmittelbarer Gefahr schwebt, was von den anderen nicht gerade mit Wohlwollen aufgenommen wird.

Rachel ist die Vernünftige in der kleinen Runde und die Schwester von Isaac. Sie hält nichts davon anderen Streiche zu spielen und ist auch nicht darauf erpicht, sich vorsätzlich in Gefahr zu begeben. Außerdem ist sie die ruhigste von allen, die vor allem ihrem Kopf und ihren Instinkten vertraut.
Waldo ist ein kleiner Draufgänger, der sich gerne mit Dingen brüstet, die er anschließend aber nicht unter Beweis stellen kann. Wie Kit stürzt er sich gerne Hals über Kopf ins Abenteuer und ist bei der Mumiensuche natürlich ganz vorne mit dabei.
Isaac ist das Schlitzohr der vier, der gerne an Dingen bastelt oder auch etwas erfindet. Er weiß manchmal mehr als man ihm zutraut und schafft es, sich gekonnt aus schwierigen Situationen zu befreien. Meistens jedoch macht sich Kit Sorgen um ihn, weil er entweder mal wieder spurlos verschwindet oder so sehr in Schwierigkeiten gerät, dass es eigentlich gar kein Entkommen mehr geben kann.
Ahmed ist der Neue in der Runde. Er kommt aus Kairo und ist mit dem Schiff von Kits Tante nach England gekommen. Er will unbedingt den Skarabäus finden, den er in seine Heimatstadt zurückbringen will. Im Hinterkopf hat er dabei immer seinen Vater, der in seiner Heimat im Koma liegt.

Kits Vater ist von seiner Arbeit mehr als besessen. Er vergisst so ziemlich alles was man ihm sagt, nur nichts was mit Ägyptologie und alten Sprachen zu tun hat. Darin geht er völlig auf. Seiner Schwester gegenüber ist er fast schon hörig, sein Durchsetzungsvermögen scheint ihr gegenüber gegen Null zu tendieren. Kits Tante ist allerdings auch eine sehr herrische Person, deren Auftreten immer von einem großen Knall begleitet wird. Wo sie auftaucht, gehen andere in Deckung. Natürlich gerät sie ganz schön in Rage als sie erfährt, dass ihre Mumie gestohlen wurde und schon gleich hat sie jemanden in Verdacht – einen Franzosen, der diese Anschuldigungen vehement zurückweist. Sie ist definitiv kein einfacher Charakter, mit dem man sich lieber nicht anlegt.

Natürlich spielen auch noch viele weitere Charaktere eine größere oder kleinere Rolle in diesem Abenteuer. Dabei werden alle kurz umrissen und erhalten zumindest so viel Charakter, dass man die Figuren gut an ihren Eigenschaften auseinanderhalten kann. Bis der echte Bösewicht gefunden wurde, müssen die fünf Kinder ganz schön viel kombinieren, herausfinden und sich immer wieder aus gefährlichen Situationen befreien.

Was mir besonders gefallen hat: 

Das Buch zeichnet sich durch seinen leichten und lockeren Schreibstil aus, der den Leser durch die Geschichte trägt. Sprachlich ist das Buch auf seine jugendlichen Leser zugeschnitten, die dem Geschehen ganz einfach folgen können. Mädchen und Jungen kommen mit dieser Reihe gleichermaßen auf ihre Kosten, ist hier doch ein ausgeglichener Mix vorhanden. Die Geschichte wird zwar aus der Ich-Perspektive von Kit erzählt, doch da sie ein sehr abenteuerlustiges Mädchen ist, das sich eher dagegen wehrt eins zu sein, sind hier beide Geschlechter gut aufgehoben.

Das Buch ist in drei Teile geteilt. Jeder Teil wird von einer Lehre des Ptah-Hotep eingeleitet und gliedert das Buch in seine drei Hauptteile. Die Kapitel dazwischen sind von angenehmer Länge, die vor allem für jugendliche Leser sehr von Vorteil ist. So können Lesepausen immer passend zum Kapitelende eingelegt werden und man muss nicht mittendrin aufhören.
Angenehm für Leser zwischen 10 und 12 ist auch die Schriftgröße. So hat das Buch zwar eine ganze Menge Seiten, lässt sich aber schnell lesen, sodass auch jüngere Leser gut ihren Fortschritt in der Geschichte erkennen können.

Mir haben auch die einzelnen Charaktere der Kinder sehr gut gefallen, in denen sich junge Leser sicher selbst zum Teil gut wiedererkennen können. So befindet sich die Geschichte immer auch auf Augenhöhe der Altersgruppe, für die dieses Buch gedacht ist. Dies wird natürlich auch dadurch unterstützt, dass die Hauptcharakterin selbst erst 12 Jahre alt und somit im Alter der Zielgruppe ist. Zwischen den Zeilen werden außerdem noch wichtige Werte vermittelt, die sich wunderbar mit in die hiesige Welt nehmen lassen. Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Vertrauen spielen eine große Rolle. Auch ganz deutlich wird, wie sehr Lügen das gegenseitige Vertrauen beeinflussen und Freundschaften zerstören können.

Ganz nebenbei erfährt man auch noch ein paar geschichtliche Details aus dem schönen Ägypten, die aber nur am Rande eingestreut sind. Zum Beispiel hören sie von den Mumienflüchen, die das Ganze natürlich noch spannender machen. Im Vordergrund steht aber das Abenteuer um die verschwundene Mumie und den Skarabäus. Geschichtliche Einstreuungen gibt es dann noch zusätzlich zur Zeit, in der das Buch spielt. So haben auch jüngere Leser kein Problem, sich im England des 19. Jahrhunderts zurechtzufinden.

Eine Problematik, die hier angesprochen wird, ist die des Kulturgutes. Kritisch wird ein Blick hinter die Fassaden der Sammlungen in den einzelnen Museen geworfen. Bisher ist mir kein Buch begegnet, in welchem offen ausgesprochen wird, dass Kulturgüter eines anderen Landes ein Loch dort hinterlassen, wo sie herkommen. Wie Kit die Sache sieht und wie sie damit umgeht, das sollte jeder selbst lesen.

Nachdem das Buch recht langsam in Fahrt kommt, zunächst alle Charaktere eingeführt und Schauplätze beleuchtet werden, geht es ab etwa dem zweiten Teil sehr rasant zu. Kit und ihre Freunde durchstreifen die verschiedenen Viertel von London, in denen arm und reich aufeinanderprallen, wo zum Teil aber auch gefährliche Personen ihr Unwesen treiben. Wie es sich für einen Mumienroman gehört, geht es später auch noch nach Ägypten, wo die Geschichte ihren Höhepunkt erreicht. Für Spannung ist also ausreichend gesorgt.

Gestaltung:

Auf einem schönen wüstengelben Cover sieht man Ausschnitte einer Weltkarte im Hintergrund. Im Vordergrund steht jedoch ein Sarkophag sowie zwei Kinder, die diesen skeptisch betrachten. Kein Wunder, schließlich schaut eine mumifizierte Hand daraus hervor.
Ein schönes, ansprechendes Cover für dieses Buch, das auch mich auf die Reihe aufmerksam gemacht hat.

Wertung:

Sogar als Erwachsene habe ich dieses Buch sehr gerne gelesen und finde es für die Zielgruppe zwischen 10 und 12 sehr geeignet. Es hat alles, was ein gutes Buch braucht – tolle Charaktere, eine spannende Geschichte und ein wenig Wissen, das sich mit aus dem Buch herausnehmen lässt. Von mir gibt es deshalb 5 Lila-Lesesterne und eine klare Leseempfehlung.


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