Samstag, 8. März 2014

Rezension: "Eine dunkle und grimmige Geschichte" (Adam Gidwitz)






Titel: Eine dunkle & grimmige Geschichte
Reihe: nein
Verlag: arsEdition
Hardcoverausgabe mit 250 Seiten
ISBN 978-3-7607-8366-6
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre
Preis: 12,95 Euro







Klappentext:

"Diese wundervolle, gruselige Nacherzählung der Märchen der Brüder Grimm verhält sich zu den sonst üblichen Kindergeschichten ungefähr so wie eine Axt zu einem Buttermesser. Mein Rat: einfach lächeln und nicken und den Eltern erzählen, dass das hier nur ein gewöhnliches Märchenbuch ist." 
Pseudonymius Bosch
Autor von "Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis"

"Adam Gidwitz schafft es, die gruselige Gewalt, die in den alten Märchen der Gebrüder Grimm enthalten ist, mit wunderbarem Humor und einem großartigen Gespür für Spannung auszubalancieren [...] Er webt Grimms Märchen zu einer einzigen Geschichte mit Hänsel und Gretel als Hauptfiguren zusammen, und das macht er so gut, dass man nach der Lektüre davon überzeugt ist, dass die alten Geschichten so und nicht anders erzählt werden sollten."
Rick Riordan
Autor der Percy Jackson-Serie

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Story und Charaktere:

Nachdem Hänsel und Gretel von ihrem königlichen Vater einmal geköpft wurden, um dessen treuen Diener Johannes mit ihrem Blut von einem Fluch zu befreien, beschließen sie von Zuhause fortzugehen und sich neue Eltern zu suchen. Dabei treffen sie auf sprechende Bäume, mädchenmordende Männer, kinderfressende Frauen und sogar den Teufel.

Die Charaktere dieses Buches sind typisch für Märchen. Sie zeichnen sich durch bekannte Eigenschaften aus, aber nicht durch Charaktertiefe. Der Leser begleitet Hänsel und Gretel, die die beiden Hauptcharaktere sind, durch verschiedene, abgewandelte Märchen der Brüder Grimm, die zu einem großen Abenteuer miteinander verwebt worden sind. Sie sind die einzigen Charaktere, die sich während der Geschichte stetig verändern. Am Anfang sind die beiden noch zwei naive kleine Kinder, die von Zuhause fortlaufen, um einen besseren Ort zu finden. Doch all die Gefahren, denen sie sich entgegenstellen müssen, zwingen sie schon bald dazu, erwachsen zu werden. So wandeln sich beide zu zwei ernsten, kleinen Persönlichkeiten, die nur hier und da nochmal durchblitzen lassen, dass sie eigentlich noch Kinder sind.

Erzählt wird die Geschichte von einem Erzähler, der sich zwischendurch in fettgedruckter Schrift zu Wort meldet, um zum Beispiel immer wieder darauf hinzuweisen, dass kleine Kinder wirklich nicht weiter zuhören sollten, da die Geschichte immer grausamer wird.

Was mir besonders gefallen hat:

Ich bin mit den Märchen der Gebrüder Grimm groß geworden und finde Märchen auch heute noch toll. Die Idee über verschiedene Märchen die „wahre Geschichte“ von Hänsel und Gretel zu erzählen, hat mich deshalb von Anfang an neugierig gemacht. Die einzelnen Märchen zu einer einzigen Geschichte zu verweben, ist auch ganz gut gelungen, wirkte es doch keineswegs aufgesetzt oder gar unlogisch. Das Ganze las sich wie ein großes Märchen, das es ja auch sein soll.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Die Grausamkeit und Brutalität dieses Buches, lassen mich daran zweifeln, dass ein Erwachsener es gelesen hat, bevor die Altersempfehlung festgelegt wurde. Männer, die Mädchen mit der Axt in Stücke hacken und ihnen vorher bei lebendigem Leib die Seele aus dem Körper reißen, haben meiner Meinung nach in einem Kinderbuch nichts zu suchen. Dies soll nur eines von vielen Beispielen sein, die mich immer wieder haben den Kopf schütteln lassen. Die Geschichte wäre auch sehr gut ohne diese Szenen ausgekommen.

Der Erzähler, der die Geschichte immer wieder unterbricht, scheint vor allem dazu gedacht zu sein, das Buch künstlich zu verlängern. Mir persönlich ging er mit seinen ständigen Wiederholungen ganz schön auf die Nerven und störte den Lesefluss.

Sprachlich ist dieses Buch leider auch keine Meisterleistung. Der Stil trägt weder dazu bei, sich in die Geschichte und die unterschiedlichen Atmosphären hineindenken zu können, noch dazu, ein gut lesbares Buch zu schaffen, das dem Leser nicht den Eindruck vermittelt, es mit einem Grundschulwortschatz zu tun zu haben. Schreib- und Sprachstil sind daher nicht einmal der Altersempfehlung entsprechend.

Zusatz Altersempfehlung:

Da es einige sehr brutale Szenen im Buch gibt, mit denen sich meiner Meinung nach vor allem zehnjährige noch nicht auseinandersetzen sollten, würde ich dieses Buch nicht unter 14 Jahren empfehlen.

Gestaltung:

Auch bei diesem Buch war wieder das Cover der Auslöser, das Buch in die Hand zu nehmen. Vor blauem Hintergrund stehen zwischen zwei geisterhaften Bäumen, auf denen drei Krähen sitzen, ein Junge und ein Mädchen, die sich an den Händen halten. Der Junge streckt die Hand nach einem goldenen Apfel aus und das Mädchen hält ein blutiges Schwert in den Händen. Hinter den Bäumen sind weitere Figuren zu erkennen. Alle Abbildungen sind in Schwarz gehalten und jedes Detail hat seine Berechtigung. Ein sehr passendes Cover für dieses Buch.

Wertung:

Die Idee, die verschiedenen Märchen untereinander zu verknüpfen, hat mir gut gefallen und wurde auch passend umgesetzt. Leider jedoch hapert es für mich am Schreibstil und der Erzähler hätte nicht sein müssen. Außerdem bin ich mit der Altersempfehlung absolut nicht einverstanden. Deshalb vergebe ich an dieses Buch 2,5 Lila-Lesesterne.


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