Montag, 19. Mai 2014

Rezension: "Helden des Olymp - Der verschwundene Halbgott" (Rick Riordan)






Titel: Helden des Olymp - Der verschwundene Halbgott
Reihe: Band 1 der Reihe "Helden des Olymp"
Verlag: Carlsen
Hardcoverausgabe mit 576 Seiten
ISBN 978-3551556011
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 12-18 Jahre
Preis: 17,90 Euro






Klappentext:

Jason erinnert sich an gar nichts - nicht einmal an seine besten Freunde Piper und Leo. Und was hat er in Camp Halfblood zu suchen, wo angeblich nur Kinder von griechischen Göttern aufgenommen werden. Zu allem Überfluss gehören die drei Freunde laut Prophezeiung zu den legendären sieben Halbgöttern, die den Olymp vor dem Untergang bewahren sollen. Kein Problem - Leo treibt einen mechanischen Drachen als Transportmittel auf und los geht's! Und dann gilt es auch noch einen seit längerem verschwundenen Halbgott zu finden, einen gewissen Percy Jackson...
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Story und Charaktere:

Als Jason in einem Bus erwacht, weiß er weder wer er ist, wo er herkommt, noch was er an diesem Ort tut, an dem er da gerade gelandet ist. Ein Junge namens Leo versucht ihm weiszumachen, dass er sein bester Freund ist und ein gutaussehendes Mädchen namens Piper scheint seine Freundin zu sein. Bevor er sich jedoch darüber klar werden kann, ob er das alles glauben soll, verwandelt sich ihr Betreuer in einen Satyr und Windgeister greifen ihn und seine Freunde an. Von einer Sekunde auf die andere hält er ein Schwert in der Hand und fliegen kann er auch noch.
Im Camp-Half-Blood, wo die drei kurze Zeit später aufgenommen werden, ist man sich ebenfalls nicht so sicher, wie man Jason mit seinem Gedächtnisverlust behandeln soll. Zeit, sich über den Sohn des Zeus Gedanken zu machen, haben sie jedoch nicht, denn schon gibt es eine Prophezeiung, die die drei Neuankömmlinge auf die Reise schickt. Sie müssen Hera befreien, um die Welt zu retten. Dabei halten sie außerdem ein wenig Ausschau nach einem verschwundenen Halbgott – Percy Jackson.

Nachdem ich die Reihe um Percy Jackson verschlungen habe, die ich jedem vorab empfehle, der diese Reihe liest, habe ich mich sehr gefreut, noch einmal ins Camp-Half-Blood zu reisen und alte Bekannte wiederzutreffen. Allen voran Annabeth und Chiron, die beide sehr besorgt sind, da Percy Jackson verschwunden ist. Seltsamerweise fällt dieser Zeitpunkt mit der Zeit zusammen, an die Jason sich nicht erinnern kann.
Jason ist der Hauptcharakter dieses Buches. Er ist ein Sohn des Zeus und löst damit im Camp allerlei Unruhe aus, da Zeus doch eigentlich gar keine weiteren Kinder haben sollte. Außerdem scheint sein Auftauchen nichts Gutes zu bedeuten. Jason selbst kann mit alldem wenig anfangen. Er hat sein Gedächtnis verloren und erinnert sich nur sehr bruchstückhaft an Dinge aus seinem Leben. Seltsamerweise spricht er auch nicht, wie andere im Camp, griechisch, sondern Latein und auch seine Götterbezeichnungen stammen aus der römischen und nicht aus der griechischen Mythologie. Dies macht nicht nur Jason, sondern auch die Campbewohner nervös. Deshalb kommt ihm die Prophezeiung, die ihn, Leo und Piper zu einem neuen Abenteuer aufbrechen lässt, gerade recht. Er begegnet der Sache zwar mit einer gewissen Skepsis und auch mit einer gesunden Angst, doch dann macht er sich souverän auf, seine Aufgabe in Angriff zu nehmen und zu bewältigen.
An seiner Seite befindet sich Leo – ein Sohn des Hephaistos, der einen sehr humorvollen und offenen Charakter hat. Durch seine Abstammung als Sohn des Gottes der Schmiedekunst, ist er handwerklich sehr geschickt und trägt mit dieser Gabe dazu bei, das Abenteuer voranzutreiben und immer mal wieder zum Guten zu wenden, wenn es richtig brenzlig wird. Er behält trotz aller Nervosität den Überblick, reagiert schnell und versucht möglichst alles recht locker zu sehen. Das macht das Abenteuer leichter für ihn und sorgt außerdem dafür, dass die Dinge nicht allzu nahe an ihn herankommen. Mit Jason und Piper findet er das erste Mal in seinem Leben echte Freunde, die ihn nicht verurteilen für das was er ist oder tut, die ihn nehmen wie er ist und die in jeder Sekunde zu ihm stehen. Das zu akzeptieren und anzunehmen fällt Leo gar nicht so leicht.
Piper ist eine aufgeweckte, hübsche junge Frau, die sich von ganzem Herzen in Jason verliebt hat. Eigentlich ist sie auch mit ihm zusammen – glaubt sie jedenfalls. Doch der Nebel, der ihrer aller Erinnerungen ein wenig angepasst hat, um besser zu Jasons Gedächtnisverlust zu passen, spielt ihr da einen gemeinen Streich. Sie ist sich jedoch sicher, dass ihre Gefühle für ihn echt sind, sodass sie sehr genau auf Jasons Verhalten ihr gegenüber achtet, ob da nicht doch etwas ist. Als Tochter der Aphrodite beherrscht sie Charm-Sprech – eine Art zu sprechen, mit der sie ihr Gegenüber beeinflussen kann. Leider eine Gabe, die sie immer wieder in Schwierigkeiten gebracht hat, denn durch die Anwendung dieser Gabe, geben ihr die Menschen einfach alles – ein Auto, einen Hubschrauber – eben alles und scheinen sich schon einen Moment später nicht mehr daran zu erinnern, warum sie das getan haben. So sind immer wiederkehrende Anzeigen vorprogrammiert und Piper hat einen Haufen Ärger. Da hilft es nicht einmal, dass sie die Tochter eines bekannten Schauspielers ist. In ihrem Abenteuer mit Jason und Leo jedoch, kommt ihr diese Gabe sehr zugute. Sie entschärft die ein oder andere Situation und trägt dazu bei die Aufgabe der Prophezeiung zu lösen.

Interessanterweise behandelt „Helden des Olymp“ nicht nur die Story um das Abenteuer der drei Helden, sondern auch ihre Lebensgeschichten, sowie ihre dunklen Geheimnisse, Unsicherheiten und Eigenheiten. So fiel es sehr leicht, sich diesen Charakteren nahe zu fühlen, mit ihnen zu lachen,  zu leiden und Spaß zu haben, nachdenklich auf einem Fels zu sitzen, sich zu fragen, ob alles so seine Richtigkeit hat oder sich auch mal selbst zu bemitleiden. Da auf alle drei Charaktere eingegangen wird, indem jeder immer wieder eigene Kapitel erhält, finde ich den Auftakt dieser Reihe, bezüglich der Hauptcharaktere, sehr gelungen.

Neben den Hauptcharakteren gibt es natürlich auch noch sehr viele Nebencharaktere. Zum Einen treffen wir auf verschiedene Campmitglieder, die wir bereits aus „Percy Jackson“ kennen, zum Anderen auf viele verschiedene Wesen aus der griechischen Mythologie. Hier könnte es für Einsteiger in diese Materie hin und wieder schwierig werden den Zusammenhang zu verstehen, sollte man die Percy-Jackson-Reihe vorher nicht gelesen haben. „Helden des Olymp“ verzichtet auf große Erklärungen, wie wir sie noch in der Vorgängerreihe geliefert bekamen und setzt nur noch auf das angehängte Glossar. Mir persönlich hat das nichts ausgemacht, da ich mich in der griechischen Mythologie sehr wohl fühle und deshalb auch keine Schwierigkeiten hatte, mich zurechtzufinden. Ich empfehle also auch an dieser Stelle noch einmal, vorher die Percy-Jackson-Reihe zu lesen.

Was mir besonders gefallen hat:

Neben den Charakteren und der Story des Buches, hat mir vor allem der Schreibstil sehr gut gefallen. Rick Riordan schreibt sehr locker und flott, sodass man sich sehr schnell einliest. Besonders an seiner Art Bücher zu schreiben, gefällt mir, dass er keine großen Vorreden hält. Jedes Buch fängt eigentlich auch schon mit der Situation an, auf die sich alles weitere stützt. Man ist sofort mitten in der Story und muss sich nicht erst dorthin lesen.
Die Spannung, die er in seinen Geschichten erzeugt, hält sich auch hier von Anfang bis Ende. Es gibt verschiedene Höhepunkte in der Geschichte, von denen manche gut, manche nicht so gut ausgehen, was ein weiterer Punkt ist, der mir sehr gefällt. Es gibt tatsächlich auch Verluste zu beklagen, nicht immer geht alles gut aus, nicht alles hat ein Happy End. So bleibt die Spannung erhalten und man hat viel mehr Spaß beim Lesen.

Die Wahl wieder eine gemischte Gruppe in ein Abenteuer mit Todesaussicht ziehen zu lassen, macht das Buch für beide Geschlechter interessant. Kurze bis mittellange Kapitel sorgen dafür, dass man zu gegebener Zeit unterbrechen kann. Die Aufteilung des Buches, die einzelnen Kapitel nach dem Helden zu benennen, den sie näher beleuchten, fand ich ebenfalls sehr gelungen, denn so stand nicht nur eine Person im Vordergrund, sondern alle drei. Deshalb war es auch möglich, die einzelnen Schicksale der drei Hauptcharaktere näher zu betrachten und dem Leser dadurch ein besseres Bild eben dieser zu vermitteln.

Auch sehr gut finde ich, dass es am Ende des Buches ein Glossar gibt, in dem man alle griechischen und römischen Gottheiten findet, die im ersten Band eine Rolle spielen. Wer sich also zwischenzeitlich unsicher ist, mit wem oder was er es da eigentlich gerade zu tun hat, kann einen Blick in den hinteren Teil des Buches werfen und dort eine Antwort finden.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Der Titel „Der verschwundene Halbgott“ ließ mich eine Geschichte um den vermissten Percy Jackson erwarten, die hier allerdings nur am Rande Erwähnung findet. Eigentlich haben die drei Hauptcharaktere überhaupt nichts damit zu tun, schließlich kennen sie Percy nicht einmal. Auch ihr Auftrag hat nichts mit der Suche nach Percy zu tun, sodass man ein völlig anderes Abenteuer geliefert bekommt. Es steht also nicht die Suche nach Percy, sondern die Suche nach der Göttin Hera im Vordergrund. Diese in den Titel einzubeziehen, hätte wesentlich mehr Sinn gemacht und wohl auch für weniger Verwirrung bezüglich der Erwartungen an das Buch gesorgt.

Schade finde ich auch, dass man hier so großflächig auf Erklärungen zur griechischen Mythologie verzichtet hat, wie man sie noch aus Percy Jackson kennt. Wer diese Reihe also vorher nicht gelesen hat, kommt hier sicher mehr als einmal ins Schleudern. Vor allem, da wir es hier nicht mehr nur mit den griechischen Bezeichnungen der Götter zu tun haben, sondern mittlerweile einen Schritt weiter sind und auch römische Bezeichnungen eingebaut werden. Wer sich also noch nie mit der griechischen und römischen Mythologie befasst hat, könnte beim Lesen zwischenzeitlich sehr verwirrt sein. Auf die Erklärungen hätte deshalb nicht verzichtet werden sollen oder aber die Reihe hätte weiter als Reihe um Percy-Jackson weitergeführt werden müssen, um einen klaren Bezug herzustellen und Käufer und Leser gleichermaßen darauf vorzubereiten.

Gestaltung:

Ein Junge steht vor einem Drachen aus Metall. Es ist Nacht und die Szene scheint irgendwo im Wald zu spielen. Nach dem Lesen des Buches weißt man, dass hier ein Titelbild gewählt wurde, dass wirklich sehr gut zum Buch passt. Mir gefällt vor allem die Farbgebung und die Mächtigkeit des Drachen, der natürlich keine ganz so kleine Rolle spielt.

Wertung:

Mich hat dieses Buch total mitgerissen und mich innerhalb von zwei Tagen überzeugt, unbedingt Band 2 lesen zu müssen. Da ich allerdings glaube, dass die vielen Götternamen, das Durcheinander der griechischen Mythen etc. für Verwirrung sorgen können und mir außerdem der Titel nicht passend zum Buch erscheint, mache ich einige Abzüge, sodass der erste Teil der Reihe 3,5 Lila-Lesesterne von mir erhält.


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