Sonntag, 11. Mai 2014

Rezension: Plötzlich Fee - Sommernacht (Julie Kagawa)






Titel: Plötzlich Fee - Sommernacht
Reihe: Band 1 der Reihe "Plötzlich Fee"
Verlag: Heyne
Hardcoverausgabe mit 495 Seiten
ISBN 978-3-453-26721-3
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: keine Angaben
Preis: 16,99 Euro







Klappentext:

Schönheit ist die tödlichste aller Gefahren

Meghan Chase wird sechzehn. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre wahre Liebe zu finden - bis sie an ihrem Geburtstag in die verwunschene Welt der Feen gerät und Ash begegnet, dem Prinzen mit den eisblauen Augen, ihrem Todfeind....

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Story und Charaktere:

Meghan kann es nicht fassen. Ihr Bruder ist durch einen Wechselbalg ausgetauscht worden, ihr bester Freund entpuppt sich als eine der berühmtesten Figuren aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ und sie selbst ist eine Halbfee. Zeit um den Schock zu verdauen, bleibt ihr allerdings nicht, denn sie muss unbedingt sofort ins Nimmernie, um ihren echten Bruder aus der Feenwelt zurückzuholen. Das gestaltet sich allerdings schwieriger als zunächst angenommen. Megahn und ihre Begleiter geraten immer wieder in Schwierigkeiten und nichts ist so, wie es scheint.

Meghan Chase steht mit ihren 16 Jahren an ihrem Geburtstag kurz davor mit ihrer Mutter zur Führerscheinstelle zu fahren, als ihre Welt plötzlich völlig auf den Kopf gestellt wird. Ihr kleiner Bruder, der sich vor dem Mann im Schrank fürchtet, wird durch ein Wechselbalg ausgetauscht und Meghan lernt, hinter den Schein zu blicken. Von einer Sekunde auf die andere muss sie akzeptieren, dass auch in ihren Adern Feenblut fließt. Durch diese Tatsachen stolpert Meghan mit ihrer hilflosen und naiven Art in ein Abenteuer, das sie lieber nicht erlebt hätte.
Ihr Charakter ist der eines typischen Teenagers, der jedoch mit all den Eigenschaften ausgestattet wurde, die unbeteiligten Personen ein Augenrollen entlockt.Sie tritt von Anfang an schwungvoll in alle ihr sich bietenden Fettnäpfchen und lernt doch leider bei keinem dazu. So rennt sie „blauäugig“ von einem Problem ins nächste und zieht dabei leider immer ihre Begleiter mit. All die Schwierigkeiten, denen man im Laufe des Buches begegnet, werden durch Meghans unbelehrbares und naives, oft schon kindisches Verhalten ausgelöst. Das hat diesen Charakter für mich hier und da ziemlich nervtötend wirken lassen. Neben all diesen Dingen neigt sie außerdem dazu, viel zu nörgeln, zu seufzen, zu weinen und herzzerreißende Gedanken zu denken, was sie ebenfalls ziemlich nervig wirken lässt.
Auf der anderen Seite jedoch muss man sagen, dass sie ein sehr toughes und mutiges Mädchen ist, das auch in der ausweglosesten Situation nicht aufgibt. Sie mag zwar wie ein Dummchen erscheinen, aber die meisten Entscheidungen trifft sie, weil sie ihren Bruder liebt und ihn retten will. Allein dieser Gedanke scheint ihr die Sicht für die wichtigen Dinge zu nehmen, sodass sie nie vorausschauend denkt.
Natürlich ist das Alles auch nicht so ganz einfach, denn im Nimmernie begegnet sie Wesen, die sie höchstens aus Erzählungen kennt. Da sind Mächte am Werk, an die sie niemals geglaubt hätte und die sie auch nicht einschätzen kann. Kein Wunder also, dass ihr viele Fehler unterlaufen. Da wäre es hilfreich gewesen, ab und zu mal auf diejenigen zu hören, die ihr zur Seite stehen und aus genau dieser seltsamen Welt stammen.

Robin ist Meghans bester Freund. Seltsamerweise scheint sie nie hinterfragt zu haben wo er wohnt oder wie er lebt, denn von alldem hat sie keine Ahnung. Schon gar nicht davon, dass sich hinter ihrem besten Freund ein bekanntes Feenwesen verbirgt, dessen Aufgabe es die ganze Zeit war, auf Meghan aufzupassen.
Robin ist ein sehr humorvoller, manchmal protziger, aber sehr sympathischer Charakter. Wenn er von Meghan mal wieder in eine ausweglose Situation gebracht wird, kann er einem allerdings fast leid tun.
Er selbst sieht das Ganze jedoch immer sehr locker und macht sich nichts daraus. Nachtragend ist er in keinster Weise. Stets gut gelaunt begleitet er Meghan durch das Nimmernie.

Ash ist der Winterprinz im Nimmernie, dem sich Meghan trotz seiner kühlen Art nicht entziehen kann. Er soll Meghan an seinen König ausliefern, geht aber zunächst einen Handel mit ihr ein, der ihr Aufschub gewährt und den Prinzen auf ihre Seite bringt. Ash ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Robin. Er ist stets sachlich und wachsam, sehr distanziert und kalt.

Grimalkin ist in diesem Buch mein Lieblingscharakter. Er verkörpert die Leitfigur des Buches, ist oftmals der Schlüssel aus schwierigen Situationen und ein ganz besonderer Begleiter. Seine oftmals sarkastische, sachliche und kühle Art, mit der er durch das Buch wandelt, hat mich immer wieder schmunzeln lassen.

Insgesamt begegnet man vielen verschiedenen Nebencharakteren in diesem Buch, die den meisten sicherlich bekannt sein dürften. Man trifft auf Oberon und Titania, Dryaden und die verschiedensten Feenwesen. Dabei hält es sich sehr gut die Waage zwischen gut und böse, sodass ein interessanter Mix entsteht, der mir gut gefallen hat.

Was mir besonders gefallen hat:

Als absoluter Fan des Fantasy-Genres bin ich hier nicht nur auf ein Buch gestoßen, das viele bekannte Geschöpfte in sich vereint, sondern das mit dem Nimmernie auch noch ein Zuhause für viele bekannte Geschichten geschaffen hat. Dabei werden die Essenzen dieser Geschichten entnommen, um ein buntes Abenteuer zu schaffen, in dem man sich schnell zurechtfindet.
Gefallen hat mir, wie detailverliebt die Autorin das Nimmernie beschrieben hat. Gerade in den Wäldern habe ich mich dadurch wie verzaubert gefühlt.
Interessant wird das Buch besonders ab dem Moment, in dem die Eigenkreationen der Autorin auftauchen. Mit ihnen übt sie auch gleichzeitig Kritik an unserer wenig natürlichen, wissenschaftlich und technisch geprägten Welt. Es mag zwar sein, dass der Name dieser neuen Feen etwas seltsam gewählt wurde, der auch bei mir für Kopfschütteln gesorgt hat, aber insgesamt fand ich die Idee sehr spannend.
Besonders gefallen haben mir die sympathischen, kleinen Schrottsammler, die von Meghan „Elsterlinge“ genannt werden. Sie haben der ganzen Sache noch das gewisse Etwas gegeben.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr locker und einfach – genau so, wie ich es von einem Jugendbuch erwarte. Der Sprachstil passt sich an, sodass sich der Text gut lesen lässt.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Allem voran steht an dieser Stelle die Hauptprotagonistin selbst, mit der ich einfach nicht warm werden konnte. Wie schon gesagt, lernt sie aus ihren Fehlern einfach nicht und hat so einige wirklich störende Angewohnheiten und Charakterzüge, was insgesamt irgendwann sehr ermüdend wirkt und auf Dauer, allem Verständnis zum Trotz, wirklich nervt. Wenn ich daran denke, dass ich diesem Charakter noch vier weitere Bände über folgen soll, kann ich nur hoffen, dass sie an diesem Abenteuer im Nachhinein doch noch gewachsen ist.
Womit ich auch nicht ganz klar komme, aber das ist wirklich Geschmackssache, ist, dass die Feen menschengroß sind. Daran muss ich mich tatsächlich gewöhnen.
Inhaltlich muss ich sagen, hätte dieses Buch sehr viel kürzer und damit auch wesentlich spannender sein können. Die Anlaufzeit des Buches war mir viel zu hoch. Etwa 150 Seiten lang begleitet man Meghan bei ihren alltäglichen Schul- und Familienproblemen, bis es endlich losgeht. Einige Episoden im Verlauf des Buches hätten ebenfalls nicht sein müssen. Während dort viel Raum für Ideen verwendet wurde, die scheinbar unbedingt einen Platz erhalten sollten, bleibt beispielsweise der Sommerhof auf der Strecke. Eine kurze Episode lang befindet man sich am Hof von Meghans Vater, dann ist es auch schon wieder vorbei und man schwimmt mit Meghan im nächsten Problem. Ich hoffe sehr, dass der Sommer- und auch der Winterhof in den nächsten Bänden noch einen angemessenen Platz erhalten.
Gestört hat mich auch das Episodenhafte an diesem Buch. Es wird eine Situation an die nächste gehängt – bzw. ein Problem an das nächste gereiht, wie Schnüre auf einer Kette. Hier haben mir schöne Übergänge und ruhige Momente gefehlt, die das Ganze etwas glaubhafter und weniger gehetzt hätten wirken lassen.

Gestaltung:

Mir ist diese Reihe tatsächlich durch die Cover ins Auge gesprungen. Das wunderschön geschminkte grüne Auge mit der tollen Farbgebung zieht magisch an. Die einfache Gestaltung steht stellvertretend für die Hauptfigur und ist meiner Meinung nach ganz passend gewählt.

Wertung:

Eine tolle Welt voller toller Charaktere und Geschichten hat sich mir hier präsentiert. Die nächsten Bände müssen allerdings noch einiges rausholen. Ein solider erster Band, der zwar einige Längen aufweist, aber mit tollen Ideen punkten konnte. Ich vergebe 3 Lila-Lesesterne.

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