Montag, 30. Juni 2014

Rezension: "Die Puppenkönigin - Das Geheimnis eines Sommers" (Holly Black)





Titel: Die Puppenkönigin
Reihe: nein
Verlag: cbj
Hardcoverausgabe mit 256 Seiten
ISBN 978-3570156438
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Preis:  14,99 Euro







Klappentext:

Ein Geistermädchen, drei Freunde und das Abenteuer ihres Lebens

Zach, Poppy und Alice sind schon ihr Leben lang allerbeste Freunde. Sie lieben es, sich für ihre Actionfiguren aus der Kindheit Geschichten einer magischen Welt, die voller Abenteuer und Heldentum ist, auszudenken. Doch dieses Spiel nimmt eines Nachts eine schaurige Wendung. Alice und Poppy tauchen bei Zach auf und erzählen ihm von einer Reihe furchteinflößender Ereignisse. Poppy schwört, dass sie seit einiger Zeit von einer Porzellanpuppe ihrer Mutter heimgesucht wird, die behauptet, die Seele eines vor langer Zeit ermordeten Mädchens in sich zu tragen. Erst wenn die Freunde sie zu dem Ort des Verbrechens zurückgebracht und dort begraben haben, werde sie Ruhe geben. Andernfalls wird sie die drei Freunde verfolgen - bis in alle Ewigkeit!


_____________________________________________________________

Story und Charaktere:

Poppy, Alice und Zach verbringen jede freie Minute miteinander. Mit ihren Actionfiguren und Puppen erleben sie die fantastischsten Abenteuer und die gefährlichsten Missionen. Als Zachs Vater beschließt, dass Zach zu alt für derlei Spielereien ist und deshalb Zachs Actionfiguren einfach entsorgt, erhält die Freundschaft der drei Kinder einen Knacks. Zach gibt plötzlich vor, kein Interesse mehr an den Spielen zu haben, anstatt seinen Freunden die Wahrheit über den Verlust seiner Actionfiguren zu erzählen.
Lange jedoch kann er sich den Spielen nicht entziehen. Poppy hat die dunkle Königin und Herrscherin über ihr imaginäres Reich, in Form einer Porzellanpuppe, aus der gläsernen Vitrine ihrer Mutter befreit und behauptet nun steif und fest, dass sich in dieser der Geist eines unglücklichen, toten Mädchens verbirgt. Dieser Geist will Poppy und ihre Freunde erst dann wieder in Ruhe lassen, wenn man ihre Asche endlich in ihr Grab gelegt hat. Alice und Zach machen sich also mit Poppy und der Puppe auf, besagtes Grab zu suchen.
Dabei fragen sie sich die ganze Zeit, ob Poppy sich die Geschichte für ein letztes gemeinsames Spiel nur ausgedacht hat, oder ob der Geist wirklich existiert.

Poppy, Alice und Zach sind 12 Jahre alt, schon seit ihrer frühen Kindheit miteinander befreundet, halten zusammen wie Pech und Schwefel und stehen gerade an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Vor allem Poppy kann sich aber mit dieser Tatsache noch nicht so recht anfreunden. Sie ist gerne noch ein Kind und verbringt die meiste Zeit damit, sich die Geschichten und Zusammenhänge ihrer Rollenspiele mit Alice und Zach auszudenken. Da wird aus dem Schrottplatz das Reich der Zwerge oder aus der Kieseinfahrt ein Ozean.
In ihrer Familie spielt sie zwischen all ihren anderen Geschwistern und den fast nie anwesenden Eltern keine große Rolle und wächst deshalb ziemlich frei auf. So kann sie noch in Ruhe Kind bleiben, während ihre Schulkameraden und Freunde um sie herum langsam erwachsen werden.
Während Alice langsam den Grad zur jungen Frau überschreitet und die Spiele eben nur als Spiele sieht, bleibt Poppy ihrer kindlichen Linie treu. Das macht sich auch äußerlich bemerkbar. Alice achtet sehr auf das was wie trägt. Meist hat sie ihre Haare ordentlich mit einem Haarband zusammengebunden, trägt schöne Ohrringe, etwa in Federform, und verspielte, schicke Shirts. In Poppy hingen erkennt man sofort den Wildfang, der sie noch ist. Sie bindet ihr kupferfarbenes Haar meist schlicht zu zwei geflochtenen Zöpfen, trägt ihren Eyeliner auch mal verwischt auf, ohne, dass es sie stören würde und lässt die pinken Schnürsenkel ihrer Chucks durch den Sand schleifen.
Dass Alice schneller erwachsen zu werden scheint als Poppy, liegt allerdings auch an den gegensätzlichen Lebensumständen. Während Poppy sich frei bewegen kann, lebt Alice seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrer überfürsorglichen Großmutter, die sehr strenge Regeln aufgestellt hat. Dass Alice im Prozess des Erwachsenwerdens bereits weiter ist als Poppy, zeigen auch ihre Handlungsweisen im Verlauf der Geschichte. Da sie ein zum Teil recht ängstlicher Charakter ist, der nicht gegen die Regeln Erwachsener verstoßen will, ist sie auch die Vorsichtigste der drei Freunde. Sie versucht immer, die Situation angemessen und vernünftig zu durchdenken, wie es auch ein Erwachsener tun würde. Sie ist der Charakter der Geschichte, der im Laufe der Zeit über sich hinauswächst.
Zu den zwei Mädchen gehört noch Zach. Zach spielt im Basketballteam der Schule, beschäftigt sich in seiner Freizeit aber lieber mit seinen Actionfiguren und den gemeinsamen Rollenspielen mit Poppy und Alice. Besonders seine Figur des Säbel-Williams, dem Piratencaptain der Neptunperle, widmet er viel Zeit und Aufmerksamkeit.
Als sein Vater über seinen Kopf hinweg beschließt, dass Zach nun zu alt für diese albernen Spiele sei und daraufhin die Figuren entsorgt, fällt Zach in ein ein tiefes Loch. Er ist unwahrscheinlich sauer auf seinen Vater, zu dem er kaum ein Verhältnis hat. Sein Vater ist erst vor kurzer Zeit wieder bei seiner Mutter eingezogen und versucht nun, seine Vaterpflichten zu erfüllen. Dass diese jedoch so gar nicht zu seinem Sohn passen, muss er nun auf unschöne Weise herausfinden, während sich Zach mit der Frage herumschlägt, ob man als Kind die Erwartungen eines Erwachsenen erfüllen muss. Zach möchte viel lieber noch Kind sein und sieht sich den Veränderungen, die das Erwachsenwerden mit sich bringen, noch zwiegespalten gegenüber.
Als Tagträumer ist er immer wieder in der Lage, alles auszublenden und sich über andere Dinge Gedanken zu machen. Dabei muss er im Laufe der Geschichte allerdings feststellen, dass seine „Traumwelten“ ihm keine Hilfe in der Realität sind.
Gegenüber der eigensinnigen und sturen Poppy, die entschlossen ihre Mission verfolgt, hat er wenig zu melden, obwohl er in seiner Piratenrolle sonst das Sagen hat.
Alle drei beweisen trotz ihrer Unterschiede jedoch haufenweise Mut, Entschlossenheit und Einfallsreichtum.
Was hier besonders schön ausgearbeitet wurde, sind die einzelnen Konfliktsituationen zwischen den Charakteren, die hin und wieder für Zündstoff sorgen. Ganz besonders die Frage, ob der Geist der Porzellanpupppe wirklich existiert oder nicht, scheint immer wieder zwischen ihnen zu stehen.
Diese Frage zu beantworten, fällt allerdings auch dem Leser nicht leicht. Schließlich wurde die ganze Geschichte so konstruiert, dass beide Möglichkeiten bis zum Schluss offen bleiben.

Was mir besonders gefallen hat:

Gerade weil sich das Buch an ein jüngeres Lesepublikum richtet, fand ich den linearen Handlungsverlauf sehr gut. Anstatt hier jedoch „nur“ ein „einfaches“ Abenteuer geliefert zu bekommen, macht die Autorin einen Schwenk in die Gruselfaktorrichtung. Dieser Faktor scheint mir dem Lesealter entsprechend und sorgte auch bei mir für Spannung.
Der einfache und flüssige, gut verständliche Schreibstil ist, im Hinblick auf das Zielpublikum, gut gewählt. Auch die Länge der kurzen Kapitel fand ich sehr angenehm.

Ich denke, in diesem Buch finden sich jüngere Leser sicher hier und dort selbst wieder. Da die Geschichte auch die Thematik des Erwachsenwerdens und die damit verbundenen Schwierigkeiten, etwa die Suche nach der eigenen Persönlichkeit, einbezieht, kommt einem die ein oder andere Situation doch selbst bekannt vor. Schön wird hier einmal angesprochen, was die Gesellschaft oft zu vergessen scheint: Kinder sollten Kind sein dürfen – und zwar so lange sie können. Ich gehöre noch zu denjenigen, die genau das konnten und würde mir für künftige Generationen wünschen, dass auch sie wieder die Chance erhalten, nicht schon mit 10 oder 11 erwachsen werden zu müssen, wie es heute oft gefordert wird.

Vor allem Werte wie Vertrauen und Freundschaft finden zwischen den Zeilen der Geschichte einen großen Platz. Wie wichtig es ist, sich in einer Freundschaft aufeinander verlassen zu können, wie wichtig es ist, auch in schwierigen Situationen zueinander zu halten und gegenseitig füreinander einzustehen, das alles beinhaltet diese Geschichte.

Was mir nicht so gut gefallen hat: 

Als Spiderwick-Fan hatte ich einige Erwartungen an dieses Buch, die sich leider nicht erfüllt haben. Obwohl ich den Schreibstil des Buches ganz gut fand, ist die Erzählung insgesamt jedoch sehr flach und hat wenig Tiefe vorzuweisen. Beispielsweise wurde mir die Geschichte um die Puppe, um die sich dieses ganze Abenteuer dreht, viel zu wenig beleuchtet. Auch der Schluss kam mir zu abrupt. Dadurch, dass die Geschichte so flach gehalten wurde, wirkte sie an vielen Stellen sehr langatmig auf mich, was man von Frau Black aus den Spiderwick-Büchern überhaupt nicht kennt. Das fand ich insgesamt sehr schade, denn die Grundidee und auch die Charaktere haben mir sehr gut gefallen.

Ein weiterer Punkt, den ich kurz ansprechen muss, ist der Untertitel des Buches. Die Geschichte spielt nämlich nicht, wie angenommen, im Sommer, sondern zum Herbst hin. Da sich alles nur um ein paar Tage dreht, finde ich „Das Geheimnis eines Sommers“ hier falsch gewählt. Dieser Titel schürt andere Erwartungen, als die, die das Buch erfüllen kann.

Gestaltung:

Zwei Mädchen und ein Junge laufen als schwarze Silhouetten durch den unteren Bereich des Covers. Es scheint Nacht zu sein und sie befinden sich mitten in einem Wald. Das Mädchen mit dem Zopf, hält eine Puppe in der Hand. Umrahmt wird das Ganze von einigen dunklen Ästen. Ein mystisch angehauchtes Cover, das meiner Meinung nach nicht ganz das wiedergibt, worum es letztlich geht.

Wertung:

Die Idee der Geschichte und auch die Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Da ich hier aber leider die Spannung aus den anderen Büchern von Frau Black vermisse und auch den Titel, sowie das Cover nicht ganz passend finde, vergebe ich an dieses Buch 3,5 Lila-Lesesterne. Eine Empfehlung für dieses Buch spreche ich vor allem an Kinder aus, die eine seichte Geschichte mit ein paar locker eingestreuten Gruselelementen mögen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen