Montag, 7. Juli 2014

E-Book-Rezension: "Bookless - Wörter durchfluten die Zeit" (Marah Woolf)






Titel: Bookless - Wörter durchfluten die Zeit
Reihe: Band 1 der Reihe "Bookless"
Dateigröße: 497 KB
Seitenzahl Print: 312 Seiten
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: keine Angaben
Preis: 3,99 Euro
Preis Print: 9,95 Euro







Inhalt laut Amazon:

"Für Lucy besaßen Bücher eine eigene Persönlichkeit. Mal waren sie liebenswürdig und friedlich, mal störrisch und eitel. Einem Buch musste man auf behutsame Weise begegnen, damit es seine Geheimnisse preisgab. Nur dann ließ es den Leser in seine Welt." 

Rätselhafte Dinge ereignen sich in den unterirdischen Gewölben der Londoner Nationalbibliothek: Lucy entdeckt leere Bücher, deren Texte verschwunden sind und deren Einbände zu Staub zerfallen. Viel schwerer wiegt jedoch, dass die Menschen diese Texte vergessen haben. Niemand erinnert sich an sie - nur Lucy. 
Als die Bücher sie um Hilfe bitten und das Mal an ihrem Handgelenk ein seltsames Eigenleben entwickelt, steht Lucys Welt endgültig Kopf. 
Sie ist verzweifelt. 
Doch dann schleicht sich Nathan in ihr Herz, und sie hofft, dass er sie mit dieser Aufgabe nicht allein lässt … 

Ein Buch für jeden, der Bücher liebt.


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Story und Charaktere:

Neben ihrem Literaturstudium arbeitet Lucy in der Nationalbibliothek Londons. Als die Archivarin für längere Zeit in den Urlaub geht, soll Lucy Miss Olive vertreten. Während andere in den dunklen, labyrinthartigen Kellergängen voller Bücher eine Gänsehaut und Angst bekommen, tritt Lucy die Stelle voller Vorfreude auf all die Bücherschätze an. Dann passiert jedoch schon an ihrem ersten Tag etwas Merkwürdiges. Die Bücher scheinen ihr zuzuraunen und führen sie zu einem Buch, dessen Seiten völlig leer sind. Das Buch eines berühmten Dichters enthält keine Zeile seiner Werke mehr und auch Lucy kann sich plötzlich an keines seiner Worte mehr erinnern, obwohl sie ganz sicher weiß, dass sie mindestens ein Gedicht auswendig kann.
Neben dem Entsetzen über die verschwundenen Worte, fühlt Lucy aber noch etwas Anderes. Ihr Mal, das aussieht wie ein kleines weißes Buch, fängt an zu pulsieren und sich rot zu verfärben. Außerdem empfindet sie den Schmerz und die Trauer des Buches über den Verlust seiner Worte.
Zunächst glaubt Lucy noch, dass sie vielleicht verrückt geworden sei. Als sich dann aber plötzlich niemand mehr an den Dichter des Buches erinnern kann und auch alle Informationen über ihn verschwunden sind, will sie die Sache nicht auf sich beruhen lassen.
Zur Seite steht ihr der gutaussehende Nathan, der Bücher ebenso sehr zu lieben scheint, wie sie selbst. Stundenlang sitzt er in der Bibliothek und fertigt originalgetreue Zeichnungen von Buchbänden an, wenn er nicht gerade in die Texte vertieft ist.
Dass sich hinter Nathan mehr als ein netter Leser verbirgt, muss Lucy erst noch herausfinden. Zu sehr ist sie mit dem Wispern der Bücher, den verschwundenen Worten und ihrem neuen Dasein als Hüterin beschäftigt.

Lucy ist Literaturstudentin in London, lebt in einer ziemlich schrägen WG und verdient sich nebenbei etwas Geld in der Nationalbibliothek hinzu, um ihr Studium zu finanzieren. Hier kann sie ihre Liebe zum geschriebenen Wort ausleben, ist sie doch ständig von Büchern umgeben.
Gegenüber ihren Freunden, aber auch allen anderen Menschen, denen sie begegnet, ist sie sehr offen. Nur über ihre Gefühle redet sie nicht gerne und sie kann es überhaupt nicht leiden, wenn andere diese für sie aussprechen.
Aufgewachsen ist sie in einem nahegelegenen Waisenhaus, da ihre Eltern sie, als sie noch ein kleines Kind war, auf den Stufen einer Kirche ausgesetzt hatten. Die Leiterin des Waisenhauses war ihr wie ein Mutterersatz, über ihre leiblichen Eltern weiß sie nichts.
Schon während ihrer Kindheit hatte Lucy das Gefühl, dass Bücher etwas Besonderes für sie seien. Ob Einbildung oder nicht, schon zu der Zeit konnte sie die Bücher flüstern hören. Daran erinnert sie sich allerdings erst, als ihr im Archiv die wispernden Stimmen auffallen, die von den Bücher ausgehen. Schon bald lässt sie sich immer mehr auf die Bücher ein und erfährt Dinge über sich, die ihr bisher verborgen waren. Der Umgang mit all den neuen Informationen führt dazu, das sie sich von ihren Freunden distanziert, die von all dem nichts wissen sollen.
Dafür schüttet sie ihr Herz dem ihr eigentlich völlig fremden Nathan aus, der seit kurzem regelmäßig die Bibliothek besucht.
Nathan ist lange ein sehr undurchsichtiger Charakter. Mal ist er Lucy gegenüber freundlich und wirkt sehr sympathisch, mal verhält er sich genau umgekehrt. Auch Nathan ist nicht in Obhut seiner Eltern aufgewachsen, sondern bei seinem strengen, von Gicht geplagten Großvater, der Nathan ständig seltsame Aufträge zuteilt und keine Wiederrede duldet. Zunächst führt Nathan die Aufträge seines Großvaters noch aus, als er jedoch beginnt, Gefühle für Lucy zu entwickeln und herauszufinden, was mit ihr und den Büchern los ist, fällt es ihm nicht mehr so leicht, seine ihm vorgesehene Aufgabe zu erfüllen. Schon bald wird klar: hier stehen sich zwei "Bücherllager" gegenüber, die eigentlich nicht zueinander passen dürfen. Während Nathan ein "Bewahrer" ist, ist Lucy eine "Hüterin". Durch dieses Wissen der beiden, geht es plötzlich um Leben und Tod, wo auch vor Mord nicht zurückgeschreckt wird.

Die Nebencharaktere des Buches sind mal mehr und mal weniger wichtig. Einige erhalten nur eine Statistenrolle, während andere eine große Rolle in Lucys Lebensgeschichte spielen. Gerade mit diesen Charakteren geht die Autorin nicht gerade zimperlich um, sodass sich vor allem Nebencharakteren gegenüber immer wieder ein erstauntes Stirnrunzeln bei mir eingestellt hat.

Ein Buch über Bücher ist für jemanden er Bücher liebt natürlich ein absolutes Must-have. Bis zu einem gewissen Punkt konnte mich die geschaffene Mystik um Lucy, Nathan und die Bücher auch packen, die Auflösung jedoch wirkte auf mich wie ein Bruch.
Auch habe ich einen größeren Bezug zu den Nebencharakteren als zu den Hauptprotagonisten aufgebaut. Gerade die Hauptcharaktere wirkten auf mich nämlich leider sehr oberflächlich und austauschbar.

Was mir besonders gefallen hat:

Der Schreibstil der Autorin ist sehr locker und flüssig. Er lässt sich sehr einfach lesen, ohne großen Anspruch, sodass das Buch wunderbar für „zwischendurch“ geeignet ist. Die Sätze sind zumeist kurz, ohne kunstvolle Verschachtelungen. An den Schreibstil passt sich auch die einfache Sprache an. Auf Grund der Sprache und der Art zu schreiben, stufe ich dieses Buch als Jugendbuch ein, auch wenn die Hauptprotagonistin bereits zwischen 18 und 20 ist.
Besonders gefallen hat mir die Art, wie die Autorin die Nationalbibliothek und die Vorkommnisse dort beschrieben hat. An diesen Stellen ist die Atmosphäre dieses Ortes förmlich spürbar. Gerade, wenn die Protagonistin durch die Gänge des Archivs läuft und den Stimmen der Bücher lauscht, ist man als Leser ganz im Text gefangen.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Leider konnte mich das Buch nur anfänglich begeistern. Zwar trägt der Schreibstil den Leser leicht durch die Seiten, doch der Inhalt kann davon nicht getragen werden.
Ist das Buch anfangs noch sehr geheimnisvoll, wird es etwa ab der Hälfte abstrus und zum Teil auch unlogisch.
Am schlimmsten allerdings fand ich, wie oberflächlich und austauschbar die Charaktere blieben. Nathan habe ich irgendwann nicht mehr verstanden und auch Lucys Verhalten rief immer wieder ein Stirnrunzeln hervor. Während sie ihren engsten Freunden nichts von ihrer Situation erzählt, vertraut sie sich einem völlig Fremden an, der sich ihr gegenüber auch noch sehr seltsam verhält.
Schade fand ich, dass die Autorin ihrem Beschreibungsstil der Nationalbibliothek nicht treu geblieben ist. Alle Personen und alle anderen Orte, wie beispielsweise das Haus des Großvaters, bleiben so blass, dass man Schwierigkeiten hat, das Kopfkino laufen zu lassen. Dass die Autorin es besser kann, hat sie am Anfang des Buches bewiesen.

Oberflächlich bleiben nicht nur die Beschreibungen, sondern auch die gesamte Handlung. Alles wird nur bröckchenweise geliefert, sodass bis zum Schluss kein klares Bild über Bewahrer und Hüter entsteht. Es wurde zwar ein Versuch unternommen die Stellung der „feindlichen Lager“ darzustellen, doch ist dies nicht überzeugend gelungen. Was für eine "Sekte" verbirgt sich hinter den Bewahrern? Wenn Nathan mit deren Glauben aufgewachsen ist und dafür einsteht, sich sogar initiieren lässt, wieso verhält er sich dann so gegensätzlich? Wieso wird Lucy, wenn diese Sekte die Hüterinnen ein für allemal beseitigen will und sie scheinbar eine so ernsthafte Bedrohung ist, im Archiv angegriffen und nicht schon vorher? Sonst wird vor Mord auch nicht zurückgeschreckt. Und wieso fackeln Menschen, die Bücher bewahren wollen, ein ganzes Archiv ab, wenn sie den Mordanschlag auch an jedem anderen Ort hätten verüben können?
Zu viele Fragen, zu viele unlogische Handlungen. Das machte das Buch schließlich leider ermüdend und langatmig.

Gestaltung:

Das interessante und auffällige Cover hat mich auf die Reihe aufmerksam gemacht. Ein feuerroter ausgestreckter Arm, in den der Titel eingearbeitet wurde, auf blauem Hintergrund ist eine wunderbare Verbindung zum Buch.

Wertung:

Leider konnten mich Story und Charaktere wenig überzeugen. Beides war mir zu oberflächlich und ohne genug Tiefe um mitfiebern zu können. Dabei hat die Autorin gerade am Anfang bewiesen, welches Schreibpotenzial sie eigentlich hat. Ich gebe dem ersten Teil der Reihe 2 Lila-Lesesterne und hoffe, dass mich Teil 2 mehr begeistern kann.



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