Donnerstag, 3. Juli 2014

Rezension "Die Kane-Chroniken - Die rote Pyramide" (Rick Riordan)






Titel: Die Kane-Chroniken - Die Rote Pyramide
Reihe: Band 1 der Reihe "Die Kane-Chroniken
Verlag: Carlsen
Hardcoverausgabe mit 600 Seiten
ISBN 978-3-551-555878
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Preis:  18,90 Euro





Klappentext:

Ein Besuch im Museum? An Heiligabend? Eine bescheuerte Idee, findet Sadie. Sie sieht ihren Vater, den berühmten Ägyptologen Dr. Julius Kane, ja ohnehin nur zwei Mal im Jahr - und dann muss er sie und ihren Bruder Carter ausgerechnet ins British Museum schleppen. Aber ihr Vater will ihnen gar keine verstaubten Sarkophage zeigen - er plant nicht weniger, als den ägyptischen Gott Osiris zu beschwören. Doch das geht schief, und er wird von einem unheimlichen glutroten Typen entführt. Um ihn zu befreien, müssen Sadie und Carter es mit der gesamten ägyptischen Götterwelt aufnehmen.

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Story und Charaktere:

Carter und Sadie sehen sich nur zweimal im Jahr. Ihr Vater hat nämlich nur für exakt zwei Tage im Jahr die Erlaubnis, seine Tochter zu besuchen, die seit dem Tod ihrer Mutter bei den Großeltern aufwächst. Als Carter und sein Vater Sadie dieses Mal zu ihrem Weihnachtsbesuch abholen, läuft allerdings alles anders als sonst. Ihr Vater schleppt sie mit ins British Museum in London und verhält sich dabei sehr merkwürdig. Spätestens als er ihnen befiehlt den Museumsleiter in seinem Büro einzusperren, wissen sie, dass da etwas nicht stimmt. Minuten später hat sich ihre ganze Welt verändert. Ihr Vater wurde mit dem Geist des Gottes Osiris in eine magische Kiste gesperrt, der Rosettastein wurde gesprengt und sie beide beherbergen plötzlich ebenfalls zwei Gottheiten in ihren Körpern. Damit nicht genug, bringt sie ihr Onkel Amos auch noch innerhalb einer Stunde mit einem Speedboot der besonderen Art von London nach New York, wo sie schon bald erfahren, dass sie aus der Blutlinie der alten Pharaonen stammen, mächtiger sind als alle Emporkömmlinge der letzten Jahrhunderte, magische Fähigkeiten besitzen und ihnen die Ehre zuteil wird, den Gott Seth zu vernichten, um die Menschheit zu retten. Mit dem Affen Cheops an ihrer Seite und der Katze von Sadie, werden die beiden in ein Abenteuer geworfen, das sie sich nie hätten erträumen lassen. Dabei stoßen sie nicht nur auf weitere ägyptische Gottheiten, auch fiese Monster, nette kleine Helferfiguren und ihnen gut- wie schlechtgesinnte Menschen kreuzen ihren Weg. Wem sie dabei vertrauen können und wem nicht, scheint sich sekündlich zu ändern.

Carter und Sadie sind Geschwister. Viel voneinander wissen sie allerdings nicht, denn nach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter vor sechs Jahren wurden sie voneinander getrennt und sehen sich seither nur zweimal im Jahr zu dem gemeinsamen Treffen mit ihrem Vater. Carter ist mittlerweile 14 Jahre alt und seit Jahren mit seinem Vater, Dr. Julius Kane, in der Weltgeschichte unterwegs. Dr. Kane ist ein berühmter Archäo- und Ägyptologe und deshalb ständig auf Reisen. So leben Carter und sein Vater aus dem Koffer und sind oft nur ein paar Tage oder auch nur eine Nacht am selben Ort. Da Carter auf diese Weise nicht die Schule besuchen kann, wird er privat von seinem Vater unterrichtet. Besonders gut weiß er über die ägyptische Götterwelt bescheid, was vor allem daran liegt, dass Carter seinen Vater ständig zu irgendwelchen Grabungsorten oder zum Besuch verschiedener Museen begleiten muss.
Sadie ist ziemlich sauer auf ihren Vater. Sie fühlt sich von ihm im Stich gelassen und abgeschoben. Sie ist 12 Jahre alt und muss bei ihren Großeltern wohnen. Der einzige Besitz, den sie von ihrem Vater je bekommen hat, ist ihre Katze Muffin, die sie deshalb abgöttisch liebt. Sadie ist bei ihren Großeltern ziemlich normal aufgewachsen. Sie geht zur Schule, hat Freunde und Kontinuität, wie Beständigkeit in ihrem Leben. Allerdings beneidet sie Carter dafür, dass er mit ihrem Vater herumreisen und die Welt besichtigen darf.
Wer die beiden sieht, würde nicht glauben, dass sie Geschwister sind. Carter ist dunkelhäutig und Sadie ist weiß. Zu verdanken haben sie dies ihren Eltern, die ebenfalls dunkelhäutig und weiß sind.
Carter gehört eher zu den Menschen, die sich im Hintergrund halten und möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich lenken wollen. Er ist relativ ruhig. Ganz im Gegensatz zu Sadie, die alles ausspricht, was sie gerade denkt und auch wie sie es denkt. Da das Buch kapitelweise von Sadie und Carter erzählt wird, fällt sofort auf, wer gerade spricht.
Im Laufe ihres Abenteuers um die ägyptischen Götter, müssen beide sehr viel Mut und Entschlossenheit beweisen. Zum Einen wollen sie ihren Vater retten, zum anderen müssen sie Seth vernichten. Zwei Aufgaben, die nicht ganz einfach sind und die die zwei sehr fordern. Sie geraten in eine Welt, die sowohl verstörend, wie verwirrend ist, aber auch fantastisch und abenteuerlich. Ihre gemeinsame Aufgabe trägt dazu bei, dass die zwei sich endlich wie Geschwister fühlen und näher zusammenrücken. Außerdem kommen sie an immer mehr Informationen, was es mit dem Tod ihrer Mutter auf sich hat. Darunter decken sie Tatsachen auf, die beide gleichermaßen entsetzt, wie auch fasziniert.

Das Buch ist durchzogen von unzähligen weiteren Charakteren. Dabei geht es natürlich vor allem um ägyptische Gottheiten und ägyptische Monsterversionen, aber auch allerlei andere Menschen, denen die beiden während ihres Abenteuers begegnen. Ich muss sagen, bei dieser Fülle an Charakteren, muss man sehr genau lesen und sollte sich nach Möglichkeit nicht allzu häufig unterbrechen lassen, damit der Überblick nicht verloren geht. Wer hier leichte Kost für nebenbei erwartet, ist mit dieser Geschichte an der falschen Adresse.

Was mir besonders gefallen hat:

Nach „Helden des Olymp“ hatte ich schon Angst, dass mich „Die Kane-Chroniken“ gleichermaßen enttäuschen könnten, wie diese Reihe. Nach „Percy-Jackson“ hatte ich einfach diverse Erwartungen und Ansprüche an den Autor, die mit dieser Reihe Gott sei Dank wieder erfüllt wurden. Das Abenteuer um Carter und Sadie ist extrem spannungsgeladen, was dazu führt, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Der Sprachstil ist einfach und vor allem sehr jugendlich – eben auf Augenhöhe mit dem Zielpublikum. Rick Riordan lässt die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Carter und Sadie erzählen, sodass sich hier zwei unterschiedliche Sprachstile finden, die allerdings sehr gut zu den Charakteren passen.
Besonders gefallen hat mir, wie vielschichtig und vielseitig die Handlung des Buches ist. Natürlich sind einige Dinge vorhersehbar und dennoch, wann immer man glaubt, endlich einmal einen Moment verschnaufen zu können, passiert die nächste Unfassbarkeit. Rick Riordan lässt weder seine Charaktere, noch seine Leser zwischendurch zur Ruhe kommen. Genauso hektisch wie das Abenteuer ist, kommt es auch beim Leser an. Man kann den Zeitdruck, unter dem Sadie, Carter und ihre Verbündeten stehen, geradezu spüren.
Auch sehr gelungen finde ich die Art und Weise, wie der Leser hier an die verschiedenen ägyptischen Gottheiten herangeführt wird. Jede Gottheit erhält ihre eigene Erklärung, ihren eigenen Raum und ihre eigene Zeit. Wer dennoch Probleme hat, sich die Fülle an Namen und Wirkungsfeldern zu merken, kann diese ganz einfach im angehängten Glossar noch einmal nachschlagen. Eigentlich ist dies jedoch nicht nötig, denn, wann immer eine Gottheit oder ein zugehöriges Monster auftaucht, wird auf die einzelnen Eigenschaften gekonnt noch einmal hingewiesen.

Eine nette Idee des Autors sind die kleinen abgebildeten Hieroglyphen, die im Buch immer wieder auftauchen. Sobald es im Gespräch um die alte ägyptische Schrift geht, wird das jeweilige Symbol für den Leser abgebildet. So befindet er sich auf Augenhöhe mit den Charakteren, die dasselbe sehen, wie man selbst.

Wer zu der Art Leser gehört, der gerne vor dem Zu-Bett-gehen noch ein Kapitel liest, ist hier mit der Länge der Kapitel wunderbar bedient. Angesprochen werden mit diesem Buch sowohl Jungen, wie auch Mädchen, da die Hauptcharaktere männlich und weiblich sind und ungefähr den jeweils gleichen Platz im Buch einnehmen.

Was mir nicht so gut gefallen hat: 

Der erste Band der Reihe ist unheimlich spannend, das Ziel scheint ganz nahe zu sein und doch, am Ende war mir die Lösung des Ganzen zu einfach. Seth, der Gott des Chaos, der das ganze Buch über als übermächtig beschrieben wurde, schien mir am Ende dann doch, als hätte man die ganze Zeit von jemand anderem gesprochen. Seine rote, unterirdische Pyramide war zwar interessant, erhielt aber, vor allem da sie titeltragend ist, viel zu wenig Raum in dieser Geschichte. Ich hätte mir mehr Ausflüge dorthin gewünscht, noch mehr Gefahr, die von ihr ausgeht, noch mehr Nervenkitzel. Das ganze Buch über stand man unter Spannung, da schien mir das Ende irgendwie zu flach.

Nicht ganz überzeugen konnte mich die Art, wie dargestellt wurde, dass Sadie und Carter zwei Gottheiten beherbergen. Umgangssprachlich würde man sagen, sie sind von ihnen besessen. Allerdings können sich diese beiden mächtigen Gottheiten nicht gegen ihre Gastgeber durchsetzen und lassen sich selbst in den heikelsten Situationen von Carter und Sadie in die Schranken weisen. Das scheint mir, in Anbetracht dessen, mit welchen Gottheiten wir es hier zu tun haben, nicht sonderlich glaubwürdig zu sein.

Auch noch nicht wirklich anfreunden kann ich mich mit der Art, wie die Geschichte erzählt wird. Rick Riordan lässt seine Protagonisten so tun, als würden sie Bänder besprechen, bzw. als würde der Leser diese abspielen. Sie erzählen die Geschichte quasi im Nachhinein – so ist das Ganze eine Nacherzählung. Dennoch liest sich das Ganze wie ein Roman, bei dem die Protagonisten mittendrin sind. Einzig die eingeschobenen eckigen Klammern mit Kommentaren wie „Aua, hau mich nicht. Das war doch so.“ erinnern immer wieder daran, dass man es mit einer Tonbandaufnahme zu tun hat. Da aber alles andere in Romanform wiedergegeben ist und vor allem mit tausenden Details aufwartet, konnte ich mich einfach nicht daran gewöhnen, hier an eine solche Aufnahme zu glauben. Das ist allerdings wahrscheinlich eher Geschmackssache.

Noch ein kurzer Punkt, der allerdings eher auf die Allgemeinheit bezogen ist und nicht auf mich, ist die Fülle der Namen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Leser hier Schwierigkeiten bekommen werden, sich alles zu merken, was Rick Riordan an Informationen eingestreut hat. Vor allem diejenigen, die sich vorher nie mit ägyptischer Mythologie befasst haben, könnten sich von all den Gottheiten und ihren Eigenschaft überflutet fühlen. Deshalb an dieser Stelle noch einmal: Wer dieses Buch liest, sollte sich Zeit für die Geschichte nehmen, um nichts zu verpassen oder ins Straucheln zu geraten.

Gestaltung:

Vor einem zerfallenen Fabrikgelände steht eine Figur mit menschlichen Körper und Fabeltierhaupt. Diese Figur ist übermenschlich groß und schaut auf einen Jungen und ein Mädchen herab, die in Begleitung einer Katze vor ihr stehen. Über der rechten Hand der Figur schwebt ein ägyptisches Zeichen, in er linken hält sie einen Stab. Im Hintergrund ziehen sich die Wolken zusammen, alles ist in orange-rotes Licht gehüllt. Die Kernaussage des Buches ist hier sicherlich nicht getroffen. Schade, dass nicht, passend zum Titel, die rote Pyramide abgebildet wurde.

Wertung:

Dieses Abenteuer ist wirklich spannungsgeladen und hat es in sich. Ich freue mich sehr auf den zweiten Band und bin gespannt, was Carter und Sadie noch so erleben werden. Trotz meiner Kritikpunkte hat mich das Buch gefesselt und bekommt deshalb 4 Lila-Lesesterne und eine Leseempfehlung. Wer die Thematik der ägyptischen Mythologie mag und auf actionreiche Pageturner steht, ist hier gut bedient.


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