Montag, 11. August 2014

E-Book-Rezension: "Meine Freundin vom Mars" (Andreas Schlussmeier)






Titel: Meine Freundin vom Mars
Reihe: nein
Dateigröße: 791 KB
Seitenzahl Print: 183 Seiten
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter
Preis:  0,93 Euro (aktueller Preis zum Zeitpunkt der Rezension)
Preis Print: 7,87 Euro







Inhalt laut Amazon:

Max Oma liebt Grünkohl. Ein guter Grund für Max, so oft es geht einen weiten Bogen um Omas Haus zu machen. Doch an diesem Wochenende bleibt ihm keine Wahl: Seine Mutter muss verreisen und Max stehen drei Tage Grünkohl-Hölle bevor. 

Was Max nicht weiß: Auf dem Mars haben Schnecken die gesamte Grünkohlernte 
vernichtet, was einer Katastrophe gleichkommt. Denn Grünkohl sorgt dafür, dass die 
kleinen grünen Männchen auch wirklich grün bleiben. Also schickt man den Marsmann Blubb auf eine Reise, um Rat bei der führenden Grünkohlexpertin im Universum zu suchen: Max Oma! 

Und damit beginnt für Max ein großes Abenteuer und ein Wochenende, das er niemals mehr vergessen wird. Und er bekommt Antworten auf die Fragen, die uns alle bewegen: Sind die Dinosaurier wirklich ausgestorben? Welche Umlaufbahn nimmt man, wenn die Milchstraße wegen Schulferien auf dem Pluto verstopft ist? 
Wer erfand die Fliegenklatsche? Und er lernt Lucy kennen - das erstaunlichste Wesen im Universum 

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Story und Charaktere:

Der elfjährige Max liebt es, vor dem Fernseher zu sitzen und die neueste Folge von „Haggis Petersen – Retter der Galaxis“ zu schauen. Sein voller Name lautet Maximillian Anton Rasmus Sundermann – ein Name, den seine Mutter vor allem dann verwendet, wenn er nicht auf sie hören will. Für Max hat dieser Name allerdings eine ganz andere Bedeutung. Nimmt man die Anfangsbuchstaben zusammen, erhält man das Wort M-A-R-S und damit ich es für Max ganz logisch, dass er sich für Raumfahrt interessiert.
Für eine andere Sache interessiert er sich allerdings so ganz und gar nicht – und zwar für Grünkohl. Der allerdings steht ihm schon bald bevor, denn seine Mutter schickt ihn mal wieder zu seiner Großmutter, bei der man, seiner Aussage nach, am weitesten vom leckeren Essen entfernt ist.
Dass ausgerechnet dieses leidige Thema dafür sorgt, dass er einen Abstecher in die Galaxis macht, einen tollen neuen Marsmenschenfreund dazubekommt und sich das erste Mal verliebt, damit hat wohl niemand gerechnet. Doch ausgerechnet seine Großmutter muss für die Rettung der grünen Farbe der Marsmenschen sorgen – sie haben nämlich ein großes Grünkohlproblem und wer eignet sich wohl besser dafür, dieses zu lösen, als jemand, der sich damit auskennt wie kein zweiter?

Der elfjährige Max, der in nur zehn Monaten und drei Tagen schon zwölf Jahre alt wird, ist es leid, ständig zu seiner Großmutter abgeschoben zu werden, weil seine Mutter wichtige Termine hat. Dort gibt es nämlich immer Grünkohl und den kann Max so überhaupt nicht leiden. Zu allem Überfluss erlaubt sie ihm auch nur eine Stunde Fernsehen am Tag, was die Sache irgendwie nicht besser macht. Dass er seine Oma nicht mit Oma, sondern mit „Juliane“ ansprechen soll, findet er außerdem sehr merkwürdig.
Als jedoch plötzlich der kleine Marsianer Blubb vor der Tür von Max Oma steht und um Hilfe dabei bittet, den Grünkohl auf dem Mars zu retten, ist der Besuch bei ihr gar nicht mehr so schlimm. Plötzlich befindet sich Max mitten in einem intergalaktischen Abenteuer, in dem er nicht nur sehr mutig sein muss, aus dem Staunen nicht mehr herauskommt und viel Neues erfährt, nein, er lernt auch noch die Liebe kennen, die er eigentlich für absoluten Blödsinn hält. Außerdem findet er Mädchen normalerweise total uncool und widerlich und hat so überhaupt keine Lust darauf, etwas mit ihnen zu tun zu haben. All das ändert sich allerdings schlagartig, als er die Marsianerin Lucy kennenlernt. Erst ist es ihm zwar unangenehm überhaupt neben ihr zu sitzen, denn Mädchen findet er noch fremdartiger als Marsmenschen, dann jedoch gewöhnt er sich immer mehr an den Gedanken, dass Lucy eigentlich doch ganz toll ist. Mit ihrer witzigen, frechen und offenen Art, wickelt sie ihn im Handumdrehen um den kleinen Finger.

Max Großmutter Juliane, kurz Jule, ist 64 Jahre alt und gehört definitiv noch nicht zum alten Eisen. Sie ist so ganz anders, als man sich eine Großmutter eben vorstellt. Zwar hat sie ihre Haare zu einem Dutt zusammengesteckt, aus dem ein paar widerspenstige Strähnen herausschauen, aber sonst ähnelt sie so gar nicht den alten Damen, die man hinter einer Großmutter vermutet.
Juliane lebt alleine, denn ihr Mann ist schon vor Max Geburt gestorben. Das hält sie allerdings nicht davon ab, die alten karierten Baumwollhemden ihres verstorbenen Gatten zu tragen. Auf ihrem Abenteuer trägt sie eines in einem leuchtenden Blau mit quietschorangen Streifen, zu dem sie Apfelsinenscheibenohrrignge gewählt hat. Wenn man sie sich so vorstellt, glaubt man gerne, dass sie es ausgesprochen ungerne hört, wenn man sie mit „Oma“ anspricht – ein Wort, das sie mit dem Wort „alt“ gleichsetzt und als das sie sich längst noch nicht bezeichnet.
In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit der Zucht von Grünkohl, die ihr erst vor kurzer Zeit einen Preis als führende Grünkohl-Expertin des Universums eingebracht hat. Genau deshalb erhält sie auch Besuch vom Marsianer Blubb, der in ihr die letzte Rettung für das Grünkohlproblem auf dem Mars sieht. Geschmeichelt lässt sich Juliane auf die abenteuerliche Reise quer durchs Universum ein, zieht dabei natürlich auch ihren Enkel Max mit und muss so einige Situationen überstehen, die sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können.

Blubb ist ein kleiner Marsianer, der 9 Käsewürfel, also 3753 Erdenjahre alt ist und mit der Hoffnung zur Erde geflogen ist, dass Juliane ihm helfen kann. Das Galaxieweite-Web, kurz GWW, hat ihm verraten, dass Juliane die führende Günkohlexpertin des Universums ist und genau die braucht er jetzt. Auf seinem Heimatplaneten wurde der Grünkohl nämlich von Purpurschnecken befallen, die den ganzen Bestand aufgefressen haben. Nun ist es aber so, dass Marsbewohner Grünkohl über alles lieben und ihn auch brauchen, denn er ist es schließlich, der für ihre grüne Farbe sorgt. So gibt es von morgens bis abends nichts anderes als frisch gepressten Grünkohlsaft, Grünkohlbrot, gedünsteten Grünkohl oder Grünkohl-Muffins usw. Nicht grün zu sein, gilt auf dem Mars als ausgesprochen unfein. Blubb ist ein sehr offener und warmherziger Charakter, der dem Leser sofort ans Herz wächst. Sobald man in seinem VW Käfer sitzt und Richtung Mars fliegt, ist alles andere vergessen. Zu viel Neues lässt er auf seine beiden Gäste einprasseln. Auch plaudert er gerne aus dem Nähkästchen, sodass man sich als Leser gut unterhalten fühlt.

Über die anderen Charaktere möchte ich gar nicht viel sagen. Einzig Ra-LF möchte ich noch kurz erwähnen, da er einfach fantastisch ist. Ra-LF ist der Bordcomputer von Blubb und hat immer einen flotten Spruch auf Lager. Außerdem „streitet“ er sich scheinbar gerne mit seinem „Commander“ - ohne gegenseitige Neckereien kommt man auf einem Flug mit den beiden jedenfalls nicht aus.

Mir persönlich haben die Charaktere in diesem Buch sehr gut gefallen. Ich mochte den bunten Mix an Charaktertypen und ihre unterschiedlichen Eigenschaften, die teilweise so gar nicht zueinander passen wollen. Dazu noch diese abgedrehte Geschichte – ich wurde zwei Abende lang super unterhalten.

Was mir besonders gefallen hat: 

Diesen Teil zu schreiben, fällt mir dieses Mal gar nicht so leicht. Es gibt soooo viele kleine Dinge die mir an diesem Buch besonders gefallen haben, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Neben dem flüssigen Schreibstil und dem lockeren Sprachstil, ist es vor allem der Inhalt, der den Leser ans E-Book fesselt. Ich dachte zunächst, dass es sich bei diesem Buch um ein reines Kinderbuch handeln würde, lag damit aber vollkommen daneben. Auf eine Art, wie sie mir bisher noch nicht begegnet ist, ist dieses Buch für Kinder und Erwachsene gleichermaßen gedacht. Während Kinder einfach nur ihren Spaß an diesem skurrilen, aberwitzigen Abenteuer haben werden, werden Erwachsene zurück in ihre Kindheit katapultiert. Der Autor schlägt hier Brücken zu diversen Filmen und Themen, die jeder von uns kennt. „Star Wars“ und „E.T“ beispielsweise finden sich fast schon in Lichtgeschwindigkeit wieder, gekoppelt mit viel Humor, sodass ich am laufenden Band schmunzeln musste. Genau das ist es auch, was das Buch für Erwachsene ausmacht. Es ist eben nicht nur eine Geschichte über einen kleinen Marsianer, der ein Grünkohlproblem hat – es ist so viel mehr, dass es sich kaum in Worte fassen lässt. Jeder, der sich in irgendeiner Form für bekannte Weltraumfilme/bücher begeistern kann, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen.
Der Humor ist etwas, was in diesem Buch in keinster Weise zu kurz kommt. Egal, ob es um bekannte Filmtitel geht, auch nette kleine Verweise, wie zum Beispiel auf die Area 51, sorgen für diverse „Aha – So ist das also“ - Momente, die einfach Spaß machen. Spaß ist wohl auch das Wort, das das Leseverhalten während dem Lesen des Buches am besten beschreibt. Und genau den soll ein geschriebenes Abenteuer doch auch bringen.

Neben all dem Spaß, hat das Buch aber auch noch die ein oder andere in Humor verpackte ernsthafte Stelle, die auf Missstände hinweist, die wir gerne mal vergessen. Der ganze Weltraummüll zum Beispiel findet hier ebenso Erwähnung, wie all die tollen Dinge, die wir so tun, haben und machen. So versteckt sich oft zwischen den Zeilen noch eine Gesellschaftskritik, die allerdings von Kindern wahrscheinlich weniger verstanden wird. Als Erwachsener ertappt man sich jedoch dabei, immer mal wieder die Augenbrauen hochzuziehen und sich ein oder zwei Gedanken mehr zu einem bestimmten Thema zu machen.

Was den Spannungsbogen dieses Buches betrifft, so schlägt dieser einige Wellen. Er hat Berg- und Talfahrten und immer wenn man glaubt, gleich am Ende zu sein, geht es noch einmal los. Natürlich kommt kein Buch ohne Konflikt aus und davon gibt es in diesem Buch gleich mehrere. Dies ergibt sich schon daraus, dass der Leser zwei Stränge verfolgt. Einmal die Geschichte um Lucy und Max und einmal die Geschichte um Juliane und Blubb. Selbstverständlich stehen beide in Verbindung miteinander und werden auch wieder zusammengeführt. Ich fand diese Herangehensweise sehr gut, da man die einzelnen Charaktere so noch besser kennenlernen konnte. Ich persönlich hoffe, dass es für Max und Juliane irgendwann noch einmal zum Mars oder auf einen anderen Planeten geht und dass wir sie dann wieder begleiten dürfen.

Gestaltung: 

Das wohl selbstgemachte Cover war es ehrlich gesagt nicht, was mich zum Kauf dieses Buches angeregt hat. Dabei gibt es darauf eigentlich alles zu sehen, was für den Inhalt des Buches wichtig ist. Ein Erdenjunge hält einen Marsmenschen im Arm und betrachtet die Erde. Neben dem Titel fliegt ein kleiner VW Käfer durch den Weltraum. Meiner Meinung nach, hätte hier ein Cover zum Grünkohlthema besser gepasst, aber das ist in diesem Fall wohl Geschmackssache. Auch den Titel fand ich nicht so ganz passend, stand für mich eigentlich weniger Max im Vordergrund, obwohl er der Hauptcharakter ist. Da sich hier aber die Geister wohl scheiden werden, spielt dieser Punkt für meine Bewertung keine Rolle.

Wertung:

Wer es einmal mit stellvertretenden Stellvertretern eines Marsianerpräsidenten zu tun haben möchte, einen Bordcomputer kennenlernen will, der ihn mit Sicherheit an eine spezielle andere „Person“ des „öffentlichen Lebens“ erinnert und der einfach nur mal was zum Schmunzeln und Zurücklehnen braucht, der sollte zu diesem Buch greifen. Wer ein Kind hat, das sich gerne mit Weltraumabenteuern beschäftigt, sollte ebenfalls zu diesem Buch greifen, da es eines der aberwitzigsten intergalaktischen Weltraumabenteuer erzählt, das mir nach „Per Anhalter durch die Galaxis“ je untergekommen ist. An diesem Buch haben jüngere und ältere Leser gleichermaßen ihren Spaß.
Von mir gibt es daher 5 Lila-Lesesterne und eine Leseempfehlung für die tolle Unterhaltung.


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