Montag, 4. August 2014

Rezension: "Die verborgenen Pforten - Jacobs Vermächtnis" (Michelle Kaden)






Titel: Die verborgenen Pforten - Jacobs Vermächtnis
Reihe: Band 1 der Reihe "Die verborgenen Pforten"
Verlag: Pepperbooks
Hardcoverausgabe mit 209 Seiten
ISBN 978-3943315059
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 9-11 Jahre
Preis:  12,95 Euro





Klappentext:

„Irgendetwas stimmt hier nicht “, murmelte Roger, als er langsam die Tür zum Haus öffnete. Aufmerksam ließ er seinen Blick durch den spärlich beleuchteten Flur schweifen. Äußerlich schien alles wie immer zu sein. Das Gemälde einer jungen Frau hing an der Wand. Ein bunter Läufer schmückte den Fußboden. Das leise Ticken einer Wanduhr drang zu ihnen hinauf. Bei ihrem letzten Besuch hatten sie den Duft von gebackenem Brot und das leichte Aftershave des alten Jakob wahrgenommen. Aber heute lag deutlich der Geruch fremder Menschen in der Luft. „Jemand anderes ist hier. Wir sollten lieber gehen“, flüsterte Roger und schlich dabei leise zurück zur Kammertür. Doch die andere Person war längst auf sie aufmerksam geworden...

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Story und Charaktere:

Eigentlich ist die Abstellkammer in Janoschs neuem Zuhause nur eine Abstellkammer. Eigentlich – denn nun entpuppt sich der kleine Raum als geheime Pforte zwischen zwei Welten.
Janosch wohnt noch nicht lange im Haus seines verstorbenen Großvaters und staunt nicht schlecht, als plötzlich vier seltsam gekleidete Kinder vor ihm stehen, die eigentlich seinen Großvater Jakob besuchen wollen.
Schnell wird klar, dass die vier Neuankömmlinge durch ihren Besuch in Janoschs Welt nun in großen Schwierigkeiten stecken, denn der Schlüssel zur Pforte ist auf dieser Seite verschwunden und auch den Rückkehrcode, den sonst immer Jakob eingestellt hat, kennt keiner von ihnen.
So gerät Janosch in ein Abenteuer, das er sich nie hätte träumen lassen. Er erfährt von einer fernen Welt, in der Vampire, Werwölfe, Zauberer und Prinzessinnen genauso zuhause sind, wie Monster und Ungeheuer, die sich vor den Stadttoren einer gewaltigen Burg herumtreiben.
Während Janosch noch über die wundersame Welt jenseits der Pforte nachdenkt und eine unglaubliche Sache nach der anderen ent- und aufdeckt, nähert sich ihm und seinen neuen Freunden eine Bedrohung, die nur einen Schluss zulässt: jemand aus der anderen Welt ist ein Verräter.

Janosch ist 14 Jahre alt und gerade erst mit seiner Mutter in das Haus seines verstorbenen Großvaters gezogen, den er leider nicht sehr gut kannte. Ob er glücklich über den Umzug sein soll, weiß er noch nicht so genau, denn eine neue Stadt bedeutet eine neue Schule und eine neue Schule bedeutet der Neue in der Klasse zu sein. Darauf hat Janosch so überhaupt keine Lust.
Seine Gedanken an die neuen Lebensumstände werden jäh unterbrochen, als Leila, Clara, Roger und Vincent in seinem Leben auftauchen. Plötzlich ist die Welt noch viel größer und vielfältiger, vor allem aber magischer, als Janosch bisher gedacht hatte.
Neugierig wie er ist, will er von seinen neuen Freunden alles über die andere Welt erfahren, aus der sie zu ihm gekommen sind. Durch seine Art mit der neuen Situation umzugehen, macht er es dem Leser sehr einfach, sich ebenfalls mit all den Dingen aus der fremden Welt bekannt zu machen. Janosch stellt genau die Fragen, die sich auch dem Leser stellen, sodass man beim Lesen unweigerlich in seine Rolle schlüpft.
Neben seiner Neugierde zeichnet Janosch aus, dass er sehr vorausschauend denkt und die Situation somit ganz gut im Griff hat, bis ihm schließlich seine Mutter dazwischenfunkt, die gleich neuen Stoff um die Geheimnisse seiner eigenen Welt und die der anderen liefert.

Leila, Clara, Roger und Vincent dürften eigentlich gar nicht miteinander befreundet sein. Und den Schlüssel für die verborgene Pforte sollte auch keiner von ihnen besitzen. Doch in beiden Punkten stellen sich die vier Jugendlichen gegen die Regeln und schließen sich zu einem tollen Team zusammen.
Leila ist in ihrer Welt eine Prinzessin. Ihren Eltern gehört die Burg, in deren Keller die verborgene Pforte zu Janoschs Welt liegt. Ihr gutes Aussehen ist ihr relativ wichtig, weshalb sie nach ihrer Reise den Leser immer wieder zum Schmunzeln bringt, denn natürlich sieht auch eine Prinzessin nach dem Schlafen nicht mehr aus wie aus dem Ei gepellt. Insgesamt erfährt man jedoch relativ wenig über Leila, die auch nur wenig in Aktion tritt.
Ganz anders ist es da mit Clara. Sie ist eine Werwölfin, die sehr emotional und offen ist. Diesen Charakter habe ich sofort ins Herz geschlossen. Obwohl sie die Situation scheinbar sehr gut einschätzen kann und auch versucht, mit Vernunft an die Probleme heranzugehen, der sich die Gruppe stellen muss, hat sie doch etwas unheimlich Verletzliches. Gerade dieser Mix, macht Clara zu einem sehr sympathischen Charakter.
Vincent ist der Zauberer unter den vier Jugendlichen. Leider ist er noch kein sehr guter Zauberer und viele seiner Zauber gehen schief. Darunter leidet auch sein Selbstbewusstsein, sodass er das Zaubern in Janoschs Welt zunächst einmal vollkommen sein lässt. Als es jedoch hart auf hart kommt, wächst Vincent über sich hinaus. Eine Entwicklung, der man gespannt folgt.
Roger ist einer meiner Lieblingscharaktere. Er ist ein Vampir, der allerdings kein Blut trinkt. Mit diesem Klischee räumt er in diesem Buch erst einmal ordentlich auf. Vampire stehen zwar auf Dinge die rot sind, doch gehört der menschliche Lebenssaft nicht mit auf den Speiseplan. Es sind eher Ketchupflaschen oder Trauben- bzw. Kirschsäfte, die seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und seinen Hunger und seinen Durst stillen können. Roger ist ein sehr offener Charakter, der genau das tut, was er gerade denkt. Dabei bringt er den Leser mit seinen Aktionen immer wieder zum Schmunzeln, wenn er wieder einmal versucht, sich an Janoschs Welt anzupassen.
So sind die vier Kinder so unterschiedlich wie Tag und Nacht, bilden aber zusammen eine starkte Truppe, die sich gegenseitig ausgleicht. Sie halten zusammen wie Pech und Schwefel und sorgen mit ihrem Auftreten dafür, dass man selbst gerne mit ihnen befreundet wäre.

Insgesamt haben mir die Konstellation der Charaktere in diesem Buch und auch die Story sehr gut gefallen. Der Auftakt der Trilogie um die geheimen Pforten, konnte mich auf jeden Fall überzeugen.

Was mir besonders gefallen hat:

Der lockere und flüssige Schreibstil, sowie der dazu passende einfache, altersgerechte Sprachstil, haben dafür gesorgt, dass ich das Buch in einem Rutsch gelesen habe.
Die Geschichte an sich ist zwar eigentlich sehr seicht, aber für mich war es genau das, was das Buch so angenehm gemacht hat. Hier wird dem Leser ein Abenteuer präsentiert, das zwar spannend ist, aber fast vollständig auf Gewalt verzichtet. Das Buch funktioniert ausschließlich über die Aktionen Janoschs und über die Interaktionen zwischen den Charakteren. Dabei bleibt die Geschichte durchweg interessant und lebt von den kleinen Spannungsmomenten. Der vorgegebene Tempowechsel lässt immer wieder durchatmen, zur Ruhe kommen, bevor die nächste Wendung seinen Lauf nimmt und man gar nicht so schnell lesen kann, wie man gerne wüsste, was als nächstes passiert.
Da die Autorin völlig darauf verzichtet hat, ihren Charakteren  übermäßige Kräfte zu geben, sondern eher ihre Schwächen in den Vordergrund gestellt hat, wirkte die ganze Geschichte insgesamt sehr authentisch. Hinzu kommt, ihre Art, die Dinge und die Umgebung zu beschreiben. Sie gibt dem Leser gerade so viel Information, dass im Kopf ungehindert ein Film ablaufen kann, der jede Menge Spielraum für die eigene Fantasie bietet. Mit ein Punkt, der dafür gesorgt hat, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.

Interessant fand ich, dass die Geschichte nicht nur aus der „diesseitigen“ Sicht erzählt wird, sondern immer wieder Kapitel dazwischen sind, die den Leser mit in die Welt hinter den Pforten nehmen, um das Geschehen dort zu verfolgen. Mir persönlich hat das sehr gut gefallen und machte die ganze Geschichte noch greifbarer.

Geeignet ist dieses Buch für Jungen und Mädchen gleichermaßen, auch wenn der Hauptcharakter ein Junge ist. Sicherlich entdeckt sich hier jeder irgendwo wieder – was nicht nur für junge, sondern auch für ältere Leser gilt.
Eine große Bedeutung in diesem Buch, spielen die Werte Freundschaft und Toleranz. Auch wer anders ist, ist eigentlich ganz normal und es gibt keine Grenzen, die man nicht überwinden kann, wenn man nur Freunde hat, die einem zur Seite stehen.

Hervorheben möchte ich auch die Art, wie das Buch gebunden wurde. Nicht nur, dass es ein Lesebändchen gibt, auch liegt das Buch sehr schön in der Hand. Es ist sehr leicht und qualitativ dürfen sich hier einige andere Verlage eine Scheibe abschneiden.

Gestaltung:

Eine Tür ist einen Spalt breit geöffnet. Der Betrachter sieht in einen Raum, in dem ein Regal, zwei Stühle und ein auffälliges Bild zu erkennen sind. Auf dem Bild sieht man eine prachtvolle Burg, die auch den Fixpunkt des Covers bildet. Mich persönlich hat dieses Cover auf das Buch aufmerksam gemacht, da dieser Blick hinter die Tür etwas sehr Geheimnisvolles hat. Man verspürt direkt den Drang, die Tür weiter aufzustoßen, was durch das Lesen des Buches auch gelingt.

Dieses Buch jedoch wartet nicht nur mit einem tollen Cover auf, auch im Inneren warten ein paar kleine Zeichnungen auf den Leser, die den Fließtext immer wieder ein wenig auflockern. Dabei handelt es sich um Bleistiftzeichnungen, die mir textbegleitend sehr gut gefallen haben.

Wertung:

Hier liegt ein Fantasyabenteuer für jung und alt vor. Wer keine Lust auf klischeebehaftete Jugendfantasy hat, ein Buch sucht, dass ohne viel Gewalt auskommt und einfach Spaß am Lesen bereitet, der sollte zum ersten Band dieser Reihe greifen. Bei mir hat es für einen spannenden Abend gesorgt, der wie im Flug verging und von dem ich hoffe, dass er sich mit Band zwei wiederholt. Deshalb gibt es von mir volle 5 Lila-Lesesterne und eine ganz klare Leseempfehlung.



Kommentare:

  1. Meine Rezi wartet auch noch, ich kann dir ( fast ) nur zustimmen!!<3

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    1. Da bin ich ja gespannt, wie dieses "fast" aussieht :)

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