Dienstag, 9. September 2014

Rezension: "Die verborgenen Pforten - Gedankendiebe" (Michelle Kaden)






Titel: Die verborgenen Pforten - Gedankendiebe
Reihe: Band 2 der Reihe "Die verborgenen Pforten"
Verlag: Pepperbooks
Hardcoverausgabe mit 382 Seiten
ISBN 978-3943315-07-3
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre
Preis:  14,95 Euro





Klappentext:

"Was bist du?", wollte Cahil fassungslos wissen. Entsetzen erfasste ihn.
"Ich bin ein Spinnenmensch. Manche nennen mich auch Gedankendieb", stellte sich das Wesen in höflichem Spott vor. "Ich bin aus der Angst und den Alpträumen der Menschen dieser Welt geschaffen. Und da haben wir etwas gemeinsam, mein kleiner Freund. Denn auch du bist zur Hälfte ein grausiger Gedanke!"

Die Fantasy-Trilogie geht weiter. Im zweiten Band müssen die Freunde eine gefährliche Reise auf sich nehmen, um das Rätsel der verborgenen Pforten zu lösen und ihre Welt Sora Minoo zu retten.
Etwas Unheilvolles hat sich an ihre Fersen geheftet: Was geschieht, wenn du dir deiner eigenen Gedanken und Erinnerungen nicht mehr sicher sein kannst?

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Story und Charaktere:

Leila, Carla, Vincent und Roger sind endgültig in der Welt von Janosch und seiner Mutter Vanessa, der Hüterin der Pforte, gefangen. Carlas Vater hat sie an diese Welt verraten und dort allein gelassen. Eines hat er jedoch nicht mitgenommen: Das Tagebuch hinter dem alle her sind. In genau diesem finden sich die Koordinaten zu weiteren Pforten, die die Kinder in ihre Welt zurückbringen können. Ganz, wie es sich für einen Erwachsenen gehört, verbietet Janoschs Mutter den Kindern jedoch, die Pforten direkt aufzusuchen. Allen Verboten zum Trotz, nutzen sie dennoch die erstbeste Gelegenheit, sich gemeinsam mit Janosch auf den Weg zu machen, die Chance zu nutzen, zurück in ihre Welt jenseits der Pforten zu gelangen. Dabei stürzen sie sich in ein Abenteuer, mit dem keiner von ihnen gerechnet hätte. Wanjas Gegenspieler und sogenannte Gedankendiebe sind ihnen dicht auf den Fersen. Leila und ihre Freunde schaffen es jedoch, ihnen immer einen winzigen Schritt voraus zu sein. Einer dieser Schritte läuft jedoch ganz entgegen ihrer Vorstellungen und zwingt Janosch dazu, die Welten mit seinen Freunden zu wechseln. Ob sie so ihren Verfolgern entkommen? Ob Janosch es zurück in seine Welt schafft?

Der 14jährige Janosch, der im Laufe des Buches 15 Jahre alt wird, kann seine neue Freunde und ihr Heimweh nach Zuhause sehr gut verstehen. Deshalb beschließt er auch, sich gegen die Verbote seiner Mutter zu stellen und Leila, Carla, Vincent und Roger dabei zu helfen, schnellstmöglich in ihre Welt zurückzukehren. Dies scheint zunächst nicht allzu schwierig, stellt ihn aber schon bald vor Herausforderungen, denen er keinesfalls ausgesetzt sein sollte. Durch sein naives Handeln bringt er nicht nur sich, sondern sie alle in Gefahr.
In diesem Teil erfährt man nun auch endlich mehr über Leila und lernt, sie besser einzuschätzen. Sie tritt mehr in Aktion, steht sogar einige Male im Vordergrund. Während sie sich in der einen Situation typisch mädchenhaft verhält, ihrer Angst freien Lauf lässt und sehr verschreckt wirkt, zeigt sie in anderen Situationen, dass sie aus einer Königsfamilie stammt und sie das Zeug dazu hat, die zukünftige Königin zu werden.
Die Werwölfin Clara zeigt wieder ihr ganzes Repertoire an Charaktereigenschaften, das sie besitzt. Dieses beinhaltet sowohl eine sehr sensible und verletzliche, aber auch eine mutige, starke und kämpferische Seite. Es ist sehr interessant, diesen Charakter noch näher kennenzulernen. Besonders als sie in eine Identitätskrise gerät und ihr bisheriges Weltbild über Werwölfe und ihre Familie mehr und mehr durcheinander geworfen wird, fühlt man mit ihr mit und versucht, die gleichen Dinge zu hinterfragen wie sie es tut.
Vincent fällt auch in diesem Band wieder durch seinen ewigen Kampf mit sich selbst auf. Dieses Mal jedoch traut er sich mehr zu als die anderen um sich herum und muss auch manchmal ganz schön einstecken. Sein Selbstbewusstsein steigert sich allerdings kontinuierlich und er kommt immer mehr aus sich heraus. Auch er sieht sich mit Dingen aus seiner eigenen Geschichte konfrontiert, die sein zukünftiges Leben und seine Sicht der Dinge beeinflussen werden.
Der Vampir Roger ist auch in diesem Band wieder einer meiner Lieblingscharaktere. Er ist sehr spontan und humorvoll und sorgt dafür, dass man trotz aller Spannung auch hier und da nochmal schmunzeln kann.

Besonders gefallen hat mir, dass in diesem Band die speziellen Fähigkeiten der einzelnen Charaktere eine größere Rolle spielen. Diese Fähigkeiten habe ich bewusst nicht benannt, sollen diese doch gegenüber dem Leser für sich selbst sprechen.

Der Charaktermix der Freunde hat mir auch schon im ersten Band sehr gefallen und wird hier sehr gut weiter ausgeführt.. Die Freunde wachsen fester zusammen, durchstehen die unglaublichsten Situationen und lernen, sich aufeinander verlassen und einander vertrauen zu können. „Gemeinsam sind wir stark“ könnte ihr Motto sein, trotzen sie doch zusammen allen Widrigkeiten, die sich ihnen in den Weg stellen.


Anders als im ersten Buch, kommen im zweiten Teil noch viele weitere Charaktere zum Einsatz. Cahil, ebenfalls ein Junge aus der Welt von Leila & Co., stößt zu den fünf Freunden und wird soetwas wie eine Leitfigur für sie. Wer ihn warum geschickt hat, wissen sie nicht. Mir als Leser fiel es immer wieder schwer, Cahil richtig einzuschätzen. Obwohl er als Spion unterwegs und hinter dem Tagebuch der Freunde her ist, scheint es, als würde er sich in eine völlig andere Richtung zu entwickeln. Als würde er die Freundschaft der fünf Kinder genießen und endlich etwas haben, woran er festhalten kann. Ob der Schein trügt oder nicht und auf wessen Seite er steht – das muss wohl jeder Leser selbst für sich herausfinden und für den Moment entscheiden.
Mir hat diese Figur deshalb so gut gefallen, weil sie, wie Roger im ersten Teil, auf unsere Welt sehr speziell reagiert. Genau so, wie man es von jemandem erwarten würde, der aus einer ganz anderen Welt plötzlich in unserer abgesetzt wird. Dies sorgt für einige Schmunzelmomente.

Die Gedankendiebe, Wanja, Claras Vater, die Eltern der anderen Freunde und viele weitere Charaktere werde ich hier nicht weiter ausführen. Insgesamt wird hier ein spannungsgeladener Mix an Charakteren geboten, die alle eigenständig betrachtet und eingeordnet werden können. Jeder Charakter erhält so viel Platz, wie er benötigt, um als solcher beim Leser anzukommen. Kein Charakter bleibt blass, obwohl viele Fragen offen bleiben.
Auch in diesem Teil konnten mich deshalb Story und Charaktere gleichermaßen überzeugen.

Was mir besonders gefallen hat: 

Wie beim Aufbau einer guten Geschichte, haben wir es mit dem zweiten Band von der Einleitung (Bd.1) nun zum Hauptteil geschafft. Nachdem Band 1 uns die wichtigen Charaktere und ihre Denk- und Handlungsweisen präsentiert hat, uns die Welt jenseits der Pforten gezeigt und ein Gefühl dafür hat entwickeln lassen, purzeln wir in Band 2 nahtlos zurück ins eigentliche Abenteuer – die Rückkehr der vier Freunde in ihre Welt.
Der Sprachstil des Buches ist dieses Mal ein anderer, als noch in Band 1. Die Autorin scheint sich diesbezüglich weiterentwickelt zu haben und präsentiert zwar einen immer noch flüssigen und lockeren, dieses Mal aber gehobeneren Stil als noch im ersten Buch. Anders ist auch die Geschwindigkeit der Geschichte.
Während ich Band 1 noch als relativ seicht empfand, ist Band 2 sehr spannungsgeladen. Dieses Mal wird auch nicht auf Gewalt verzichtet, was allerdings der Geschichte geschuldet ist, die andernfalls weniger authentisch gewesen wäre. Dabei ist der Spannungsbogen hier wieder nicht linear, sondern wird immer wieder durch kurze Ruhepausen unterbrochen, in denen die Kinder und Leser aufatmen können. Die Wendungen der Geschichte sind nicht vorhersehbar, sodass das Abenteuer nie so weitergeht, wie man es selbst vermuten würde.
Was mir auch hier wieder sehr gut gefallen hat, ist, dass die Autorin nach wie vor Wert darauf legt, die Charaktere nicht mit übermenschlichen Fähigkeiten auszustatten und sie nahezu unverwundbar und perfekt zu machen, sondern, dass sie immer noch die Schwächen der einzelnen Charaktere in den Vordergrund stellt. Mit eben diesen Schwächen haben die Charaktere immer wieder zu kämpfen, was sehr zur Authentizität der Geschichte beiträgt.
Dass die Geschichte wie ein Film im Kopf ablaufen kann, ist der Art und Weise geschuldet, wie die Autorin in Band 1 und 2 gleichermaßen nur so viel Information über die Welt um die Kinder herum preisgibt, dass noch genug Raum für die eigene Fantasie bleibt. Dies hat auch im zweiten Band wieder dafür gesorgt, dass man das Buch nicht aus der Hand legen wollte. Da es aber sehr viel mehr Seiten hat, als noch Band 1, muss man dies hin und wieder tun.

Obwohl der Hauptcharakter dieser Reihe ein Junge ist, eignen sich „Die verborgenen Pforten“ für Jungs und Mädchen gleichermaßen. Durch Leila und Clara fühlen sich auch weibliche Leser sehr gut in diesem Buch aufgehoben. Da die Autorin die Geschichte ziemlich gleichmäßig auf die Charaktere verteilt, kommt niemand zu kurz. Durch die Charaktereigenschaften der einzelnen Charaktere, zu denen auch ihre Schwächen zählen, dürfte sich hier jeder hin und wieder selbst wiederfinden. Dies gilt auch für ältere Leser dieses Buches.
Das wohl größte Thema dieser Geschichte ist dieses Mal die „Freundschaft“, die ganz unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“, steht. Gleich daran anknüpfend spielt auch die „Toleranz“ wieder eine große Rolle, die ihren Höhepunkt nicht zwischen den Kindern, sondern zwischen den Werwölfen und Vampiren findet. Wer zwischen den Zeilen liest, wird hier noch weitere Werte finden, die sich vom Buch aufs Leben übertragen lassen. Dies sind Zwischenzeiler mit besonderer Bedeutung.

Was mir nicht so gut gefallen hat: 

Wie es aussieht, umfasst die Geschichte um Janosch und seine Freunde einen sehr großen Zeitraum von mehreren Monaten, der sich mir durch die schnelle Erzählweise irgendwie nicht ganz erschlossen hat. Da alles nahtlos ineinander überzugehen scheint und meistens von einigen Tagen die Rede ist, hat es mich sehr verwundert, als ich plötzlich Stellen las, die von Monaten sprachen. So kam ich hier und da ein wenig mit dem Ablauf der Geschichte ins Straucheln.

Was ich dieses Mal nicht so gut fand, wie im ersten Band, waren die Textpassagen, die sich nicht mit den Kindern befasst haben. Waren eben diese Passagen im ersten Band noch auf die Eltern von Leila & Co. bezogen und wie die Suche nach den Kindern vorangeht, sind dieses Mal sehr viele verschiedene Stränge präsent. Diese werden auch nicht durch Kapitel voneinander abgegrenzt, sondern durch Absätze, sodass man sich ab und zu stirnrunzelnd in einer völlig anderen Situation wiederfindet, als noch 5 Zeilen zuvor. Diese vielen unterschiedlichen „Brüche“ fand ich stellenweise schwierig, da sie mich aus dem Lesefluss katapultiert haben.

Zusatz: Altersempfehlung: 

Das Buch ist für das Alter von 10-12 angegeben. Ich persönlich finde, dass „ab 12“ eine bessere Altersgrenze gewesen wäre, da das Buch, wie bereits erwähnt, nicht ohne Gewalt auskommt und es einige unschöne Szenen gibt, die ich einem 10jährigen eventuell noch nicht so einfach in die Hand drücken würde.
Auch bin ich mir nicht sicher, wie gut jüngere Leser mit den verschiedenen Erzählsträngen zurechtkommen, die mich selbst immer wieder aus dem Lesefluss geworfen haben.

Gestaltung:

In Anlehnung an Band 1 sehen wir hier wieder eine geöffnete Tür, die uns einen Blick in ein Zimmer verwerfen lässt. Man sieht eine Kommode, ein wenig Stroh auf dem Boden, und einen vom durchs Fenster fallenden Licht beleuchteten Traumfänger, auf dem das Hauptaugenmerk liegt. Natürlich möchte man sofort herausfinden, was es mit diesem Raum auf sich hat, sodass man sich diesem Buch nur schwer entziehen kann.

Wertung: 

Die spannungsgeladene Story, die wundervollen Charaktere und der tolle Schreibstil haben mich in atemberaubender Geschwindigkeit durchs Buch getragen. Einzig der aufkommenden Gewalt und den vielen Erzählsträngen ist es geschuldet, dass ich dem Buch nicht die volle Punktzahl geben kann. Da ich aus diesen Gründen die Altersempfehlung ebenfalls nicht ganz teile, erhält Band 2  abzüglich meiner Kritikpunkte  von mir 3,5 Lila-Lesesterne und eine Leseempfehlung.


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