Sonntag, 12. Oktober 2014

Rezension: "Lilith Parker und die Rache der Dämonen" (Janine Wilk)








Titel: Lilith Parker und die Rache der Dämonen
Reihe: Band 4 der Reihe "Lilith Parker"
Verlag: Planet Girl
Hardcoverausgabe mit 382 Seiten
ISBN: 978-3-522-50379-2
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 10-14 Jahre
Preis:  14,99 Euro





Klappentext:

Auf der Insel St. Nephelius herrscht nach dem Überfall der Malecorax noch immer große Unruhe. Und nicht nur dort: Auf der ganzen Welt ereignen sich mysteriöse Katastrophen und Unfälle. Lilith Parker und die Bewohner von Bonesdale müssen dringend handeln! Sie sehen nur noch einen Ausweg zu ihrem eigenen Schutz vor den Dämonen: Das Schattenportal muss gesprengt werden. Doch dabei wird die Insel schwer erschüttert, schwarzer Schnee rieselt auf Bonesdale nieder und eine seltsame Krankheit breitet sich aus. Nun ist es an Lilith, als Anführerin der Nocturi, ihr Volk zu retten.

Das vierte schaurig-schöne Abenteuer von Lilith Parker

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Story und Charaktere:

Das Bündnis der Vier gibt es nicht mehr, die Dämonen und Vampire stellen sich gegen die Nocturi, in Bonesdale bricht eine seltsame Krankheit aus und das Schattenportal hat seiner Sprengung zum Trotz alles heil überstanden. So findet sich Lilith inmitten von schwerwiegenden Problemen wieder, die nur sie als Amulettträgerin in den Griff kriegen kann. Kurzerhand beschließt sie, Rebecca mit in ihre Führungsebene zu erheben und sich der Sache zu stellen. Sie muss ihr Volk retten und das Geheimnis um sie alle vor dem Rest der Menschheit bewahren. Ein schier aussichtsloses Unterfangen, dass mehr von Lilith abverlangt, als alles, was sie bisher durchstehen musste.

Langsam aber sicher hat Lilith Parker sich in die Rolle als Trägerin des Blutstein-Amulettes eingefunden. In den letzten Bänden ist sie bereits sehr an dieser Aufgabe gewachsen, in diesem Band zeigt sie endlich, was sie alles gelernt hat. Während sie in den ersten Bänden noch nach der Pfeife ihrer Tante tanzt und eigentlich nur ausführt, was ihr vorgekaut wird, auch wenn sie eigentlich völlig anderer Meinung ist, lernt sie jetzt, für das einzustehen, was sie selbst will. Sie lernt, Entscheidungen zu treffen und die Meinung anderer außer Acht zu lassen, wenn diese nicht zu dem passen, was letztlich die beste Entscheidung ist. Sie lernt, sich endlich zu behaupten und ihren Platz einzunehmen. Auch wenn sie noch auf wackeligen Füßen steht, und was will man auch Anderes von einer 15jährigen erwarten, Lilith benimmt sich letztlich genauso gewissenhaft, wie es ein Erwachsener tun würde. Sie übernimmt Verantwortung und gibt diese ab, wo es sein muss. Ihr Zug, Rebecca mit ins Boot zu holen und sich die Stelle, an der Lilith steht, zu teilen, mag spontan anmuten, ist aber eine weise Entscheidung. Lilith entwickelt sich also auch in diesem Band weiter und lernt dazu. Was Lilith so besonders macht, ist, dass sie immer beide Seiten der Medaille betrachtet. Selbst als es darum geht, sich wieder einmal mit dem Erzdämon auseinanderzusetzen, hört sie zu, um die Dinge besser einordnen zu können. Das ist, nach dem was ihr erzählt wird, gar nicht so einfach. Auch besonders macht sie, dass sie als Führungsperson nie davon abkommt, sie selbst zu sein. Sie weiß, dass sie diverse Entscheidungen treffen muss, lässt dabei aber nie das außer Acht, was ihr ihr Herz sagt. Gerade das macht sie für mich als Leserin so sympathisch.
Neben all den Problemen, die Bonesdale zu meistern hat, muss Lilith aber nach wie vor auch noch damit fertig werden, dass sie und Matt kein Paar sein können. Deshalb hat sie auch große Schwierigkeiten, Matts neue Freundin an seiner Seite zu akzeptieren. Eigentlich will sie das Alles gar nicht wahr haben, weiß aber genau, dass sie diese Stelle an Matts Seite niemals einnehmen kann. Der Kuss einer Banshee ist bindend und welche Auswirkungen das hat, sieht sie Tag für Tag an Rebecca.
Rebecca ist in diesem Band nicht die nervige Person, die wir kennen. Sie leidet noch immer schwer unter ihrem Verlust und ist kaum aus ihrem Schneckenhaus herauszubekommen. Selbst als Lilith ihr die zweite, gleichwertige Stelle an ihrer Seite anbietet, kann sich Rebecca einfach nicht darauf konzentrieren. Rebecca hat mir in diesem Band wirklich sehr leid getan und der Schmerz, den sie durchlebt, schwappte auch auf mich als Leserin über. Eine solche Herzenssache macht auch den nervigsten Charakter zu einer fühlenden Person, der man gerne die Arme um die Schultern legen würde.

Liliths Dämon Strychnin schien mir dieses Mal eine kleinere Rolle zu haben als noch in den vorangegangen Teilen. Er ist jedoch genauso witzig, forsch und anmaßend wie in den Bänden zuvor, obwohl er zu kränkeln scheint. Strychnin lockert die ganze bedrohliche Situation immer wieder ein wenig auf und sorgt dafür, dass beim Lesen das Schmunzeln nicht zu kurz kommt. Egal welche Geruchsblase er mit sich bringt, er gehört definitiv zu meinen Lieblingscharakteren.

Emma steht Lilith wieder in allem zur Seite, was auf sie zukommt. Sie scheint einer der Charaktere zu sein, der die Geschichte am Laufen hält, die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellt. Sie sorgt dafür, dass keine Lücken entstehen und dass man als Leser doch noch ein wenig vom Leben in Bonesdale mitbekommt. Mit Emma ist die Geschichte immer auf die Gemeinschaft fixiert, nicht auf eine bestimmte Handlung. Wie auch die anderen scheint Emma erwachsener geworden zu sein. Egal, was ihr auch bevorsteht, wenn Lilith die falsche Entscheidung trifft – sie steht hinter ihrer Freundin wie ein Fels in der Brandung und fängt so einiges ab. Emma verkörpert genau die Freundin, die man sich wünscht. Sie ist offen und direkt, wenn man es von ihr erwartet, kritisch aber auch liebevoll und besorgt, wenn es der Situation angemessen ist.

Matt ist in diesem Band sehr undurchsichtig. Er verhält sich oft gegenteilig zu dem was er sagt oder zu dem, was man von ihm erwarten würde. Die meiste Zeit über weiß man nicht genau, woran man gerade bei ihm ist. Schuld daran ist das seltsame Verhältnis, das seit einiger Zeit zwischen ihm und Lilith herrscht, sowie die Tatsache, dass er neuerdings eine Freundin hat. Als allerdings seine Mutter schwer krank wird, kommt wieder der Matt zum Vorschein, den man schon aus den Vorgängerbänden kennt. Er zeigt zudem wie verletzlich er wirklich ist und wie wenig von dem, was er nach außen zeigt, wirklich in seinem Inneren steckt.

Die Nebencharaktere des Buches, die auch schon in den anderen Bänden eine Rolle gespielt haben, sind nach wie vor wunderbar gestaltet und erhalten genug Platz, um wieder ein wenig Zeit mit ihnen zu verbringen. Leider müssen wir uns in diesem Band auch von einigen dieser Charaktere trennen, was allerdings dazu beiträgt, die Geschichte authentisch erscheinen zu lassen, obwohl wir doch alle wissen, dass Hexen, Geister, Dämonen etc. gar nicht existieren oder?

Was mir besonders gefallen hat: 

Zwischen all den Reihen die den Buchmarkt bevölkern und aus dem Boden sprießen, kommt eines nicht allzu oft vor: die Bücher werden besser. Mit Lilith Parker ist es der Autorin allerdings gelungen, eine der Ausnahmen zu schaffen, die wir Leser doch so gerne bei allen Reihen finden würden. Als ich damals mit Band 1 anfing, von dem ich nicht wirklich begeistert war, weil ich mich zu sehr an Halloweentown erinnert fühlte, hätte ich niemals erwartet, dass ich ein paar Jahre später sehnsüchtig auf den nächsten Folgeband dieser Reihe warten würde. Es ist einem Geschenk geschuldet, dass ich Band 2 gelesen habe und nun nach Band 4 hier festsitze ohne den fünften lesen zu können. Die Autorin scheint mit ihren Büchern gewachsen zu sein. Der rasante, aber an das jugendliche Alter angepasste Schreib- und der lockere, aber nicht anspruchslose, zum Teil sehr atmosphärische, Sprachstil entwickeln sich kontinuierlich, die Spannungsdichte der Geschichte wird immer engmaschiger, man kann die Bücher einfach nicht mehr aus der Hand legen. Janine Wilk schafft den Spagat zwischen alten Vorkommnissen und neuer Handlung perfekt, sodass man am Ende wirklich das Gefühl hat, einen Folgeband im Ganzen gelesen zu haben und nicht nur ein weiteres Teilstück geliefert bekommen zu haben, das gefühlte 2000 Mal auf die Vorgänger zurückgreift.
Wie auch die Autorin, entwickeln sich die Charaktere von Buch zu Buch. Das trägt nicht nur dazu bei, dass die Geschichte spannend bleibt, sondern auch, dass keine Langeweile aufkommt. Die Charaktere lernen aus ihren Fehlern, wachsen an ihren Aufgaben und handeln genau deshalb nicht vorhersehbar. Das ist es auch, was die Geschichte um Lilith Parker und ihre Freunde so interessant macht. Jedes Buch hält etwas völlig Neues bereit, hat Wendungen im Gepäck, mit denen der Leser nicht rechnet, spielt an alten immer wieder neuen Schauplätzen und hält so die Neugierde auf das Kommende wach.

Dass der vierte Band der Reihe nicht nahtlos an den dritten Band anschließt, fand ich sehr gelungen. Für mich hat es die Zeit zwischen drei und vier irgendwie echter erscheinen lassen, erklärt auch besser, wieso Lilith plötzlich so viel erwachsener handeln kann und trägt dazu bei, dem Buch die nötige Ernsthaftigkeit zu geben, die die Situation in Bonesdale erfordert. Längst ist es kein Spiel mehr, die Existenz all der Wesen auf Bonesdale vor dem Rest der Welt zu verstecken. Dies wird mit jedem Band deutlicher. Dabei bewegt sich die Geschichte auch in immer düstere Gefilde, die Bedrohung nimmt immer weiter zu, das Ganze wird immer gefährlicher. Die Intensität, mit der das geschieht, wird von der Autorin sehr gut zwischen den Zeilen an den Leser weitergegeben. Ich bin gespannt, wie das Finale dieser sich ständig steigernden Reihe aussehen wird. Nachdem meine Erwartungen mit jedem Band übertroffen wurden, hoffe ich natürlich, dass Band 5 dies noch ein letztes Mal schafft, bevor die Pforten nach Bonesdale leider geschlossen werden.

Zusatz Zielgruppe und Altersempfehlung:

Ähnlich wie bei Harry Potter werden die Bücher mit dem Voranschreiten der Bände düsterer.  Speziell in diesem Band spielen auch eine Seuche und damit verbundene Tote eine Rolle, es wird nicht unblutig gekämpft und das Ganze verlangt seine Opfer. Deshalb würde ich die Bücher nicht uneingeschränkt ab 10 Jahren empfehlen. Meine persönliche Einschätzung läge bei 12 – 13 Jahren, je nachdem wie das Kind/der/die Jugendliche gestrickt ist. Für alle Erwachsenen, die für sich selbst oder ihre Kinder jetzt vor Halloween noch den passenden Lesestoff suchen, ist diese Reihe besonders empfehlenswert. Es bietet sich allerdings nicht an, mitten in der Reihe anzufangen. „Lilith Parker – Insel der Schatten“ ist der erste Band dieser Reihe.

Gestaltung:

Der vierte Band der Reihe passt sich auch vom Cover wieder wunderbar an die Vorgänger an. Dieses Mal hat das Cover bräunlich-orange-gelbe Töne. Ein Mädchen steht zwischen zwei Bäumen, Augen beobachten den Betrachter des Buches. Mir gefällt auch dieses Cover wieder außerordentlich gut, auch wenn sich der Sinn erst mit dem Lesen des Buches erschließt. Das macht es aber letztlich doch so interessant und weckt die Neugierde.

Wertung:

Für alle diejenigen, die vorlaute kleine Dämonen, eine pubertierende Banshee, einen irgendwie sympathischen Erzdämon und eine Insel voller Hexen, Werwölfe und Wesen anderer Art interessant finden, ist die Reihe um Lilith Parker genau das Richtige. Hier kommen Jung und Alt auf ihre Kosten. Charaktere, Story, Schreib- und Sprachstil – alles entwickelt sich mit den Büchern mit. Von mir daher ganz klare 5 Lila-Lesesterne und eine noch klarere Leseempfehlung.


1 Kommentar:

  1. Hallo Iris, schau doch bitte mal bei der Verlosung auf meinem Blog vorbei. Ich möchte nicht noch einmal neu auslosen müssen ;-)
    LG

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