Sonntag, 12. Oktober 2014

Rezension: "Magical" (Alex Flinn)







Titel: Magical
Reihe: nein
Verlag: Baumhaus-Verlag
Hardcoverausgabe mit 474 Seiten
ISBN: 978-3833901041
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: 12-15 Jahre
Preis:  12,99 Euro







Klappentext:


BESTE FREUNDINNEN ODER ERBITTERTE FEINDINNEN?

Zwei Stiefschwestern, die ungleicher nicht sein könnten. Die eine unscheinbar, aber in Wohlstand aufgewachsen, die andere schön, jedoch arm: Emma und Lisette.
Anfangs wirken die beiden wie beste Freundinnen, doch Lisette ist boshaft und falsch. Emma will das nicht wahrhaben und hat immer wieder Mitleid mit Lisette, die sich erst noch in ihrem neuen Zuhause einleben muss. Doch dann verliebt sich Emma zum ersten Mal in ihrem Leben. Als Lisette ihr den Freund ausspannt, erhält Emma Hilfe von Kendra - ohne zu wissen, dass dieses seltsame Mädchen eine Hexe ist und ihr Spiegel magische Kräfte hat...


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Story und Charaktere:

Als Lisettes Mutter stirbt, ändert sich für Emma alles. Plötzlich muss sie ihren Vater, der eigentlich ihr Stief- aber Lisettes richtiger Vater ist, teilen. Lisettes hinterhältige und falsche Art sorgt dafür, dass Emma aus den Unternehmungen mit dem Vater ausgeschlossen wird, bis das gute Verhältnis zwischen Stieftochter und Stiefvater vollkommen in die Brüche geht. Ein ähnliches Spiel spielt Lisette mit Emma und deren Mitschülerinnen – Emma steht plötzlich ganz alleine da.
Lisette nimmt ihr nicht nur Freunde, Vater, Zimmer und alles andere, was zu ihrem bisherigen Leben gehört hat, sondern letztlich auch den Freund. Das ruft die Hexe Kendra auf den Plan, deren Zaubereien zwar immer nett gemeint, aber schon oft schiefgegangen sind. Ob sie Emma helfen kann?

Emma hatte es ihr Leben lang gut. Ihre Eltern, die aus Mutter und Stiefvater bestehen, hatten immer genug Geld, um ihr all ihre Wünsche zu erfüllen. Geld allein macht jedoch nicht glücklich und kann nicht aufwiegen, dass Emma eine Außenseiterin ist. Die Zeit, die sie dadurch hat, nutzt sie zum Lernen und Lesen. Dabei liest sie vor allem anspruchsvolle Lektüre, was ganz gut zu ihr passt, denn sie ist eine sehr intelligente Person. Ihr Verhältnis zu ihrer Mutter ist gut, das zu ihrem Stiefvater allerdings noch viel besser. Emmas Herz hängt sehr an ihm, dem tollen Baumhaus, das er für sie gezimmert hat und den gemeinsamen Jeopardy-Abenden, auf die sie sich jeden Tag freut.
Bis Lisette in Emmas Leben auftaucht, ist Emma ein zufriedener Teenager mit wenig Ansprüchen, da sie die kleinen Dinge des Lebens glücklich machen.
Als Lisette, ihre neue Stiefschwester, deren Mutter gerade gestorben ist, nun bei ihnen einzieht, glaubt Emma zunächst, endlich eine neue Freundin gefunden zu haben. Dann jedoch zeigt Lisette ihr wahres Gesicht. Nach außen hin ist sie das arme, kleine, gutaussehende, unschuldige Blondchen, dem niemand böse sein kann. Wie auch, schließlich hat die Arme gerade ihre Mutter verloren und bricht darüber regelmäßig in Tränen aus. Dazu stammt sie noch aus relativ armen Verhältnissen und muss sich erst einmal an ihre neue Lebenssituation gewöhnen. Hinter dieser liebenswürdigen, äußerlichen Maske, verbirgt sich jedoch eine kaltherzige, berechnende, kleine Person, die anderen das Leben zur Hölle machen kann. Dies gilt besonders für Emma. Durch Lisette lernt sie Gefühle wie Eifersucht, Neid, Traurigkeit und Einsamkeit erst richtig kennen. Leider unternimmt Emma nichts gegen ihre neue Rolle, sondern nimmt zwei Jahre lang alles hin, was Lisette in ihrem Leben verändert. Erst als Lisette Emma aus Spaß an der Freude auch noch den Freund ausspannt, geht diese auf die Barrikaden.

Obwohl sich in der Geschichte alles um Emma und Lisette dreht, ist Kendra die eigentliche Hauptprotagonistin des Buches. Kendra ist eine Hexe, mehrere hundert Jahre alt und versucht zum wiederholten Male ihre Fähigkeiten für das Gute einzusetzen. Damit ist ist sie in der Vergangenheit schon häufig gescheitert, was sie in kleinen Märchenadaptionen erzählt.
Kendra ist zur Zeit der Pest im Mittelalter geboren worden und hat diese zusammen mit ihrem Bruder überlebt. Bei ihrer Flucht aus ihrem Heimatdorf stoßen sie auf ein Lebkuchenhaus, bei deren Bewohnerin Kendra mehr über ihre Fähigkeiten lernt.
Seitdem versucht sie, ihre Kräfte für das Gute einzusetzen. Obwohl sie ihr Leben lang allerlei Menschen kennengelernt hat, hat Kendra immer für sich allein gelebt und sich an niemanden gebunden. Für Hexen ist das Leben auch nicht leicht, wie es das  Mittelalter mit all seinen Hexenverbrennungen und Foltereien gnadenlos gezeigt hat. In Emma jedoch findet Kendra endlich jemanden, den sie sogar als Freundin bezeichnen würde.

Die Charaktere der Geschichte sind sehr unterschiedlich, bleiben aber die ganze Zeit über relativ flach. Dadurch, dass nur über ihre Gefühle gesprochen wird, diese aber nach außen nicht gezeigt werden, sind die Protagonisten sehr starr. Man fiebert und leidet wenig mit ihnen mit, da alles einen nüchternen und sachlichen Eindruck macht.
Die Story ist ein modernes Aschenputtelmärchen mit neu besetzten Rollen, was mal sehr erfrischend und abwechslungsreich war. Einzig die Zwischenerzählungen von Kendra haben mich gestört.

Was mir besonders gefallen hat:

Die Geschichte um Emma und Lisette könnte aus dem Leben gegriffen sein. Wer einmal zur High-School gegangen ist, weiß genau, wie der Hase dort läuft. Es gibt die Außenseiterin und natürlich das beliebteste Mädchen der Schule. Beide Rollen werden hier eingenommen und bis zum Schluss durchgehalten. Die intrigante Art von Lisette ließ mich dabei mehrmals die Augenbrauen hochziehen, kommen diese Szenarien einem doch aus dem vergangenen Schulalltag selbst ab und an bekannt vor.
Die Aufnahme dieser Art von Probleme in die Geschichte gefällt mir deshalb besonders gut, weil sich Leserinnen dieses Alters mit Sicherheit ohne Probleme damit identifizieren können. Dabei geht es nicht nur um die eigene Persönlichkeit, sondern um den Alltag um sich herum. Gerade an Schulen ist der Machtkampf oft nicht zu verachten.

Was mir nicht so gut gefallen hat: 

Ich weiß nicht, ob es der Übersetzung geschuldet ist, doch fand ich den Schreib- und Sprachstil dieses Buches sehr flach. Vor allem die ersten 100 Seiten waren eine Herausforderung. Die einzelnen Abschnitte ließen sich zum Teil sehr abgehackt lesen, als hätte die Autorin noch nicht in den Schreibfluss gefunden, wollte aber unbedingt die Gedanken aus ihrem Kopf aufs Papier bringen. Kurze Sätze sorgen dafür, dass der Leseanspruch völlig fehlt. Der einfache Wortschatz trägt sein Übriges dazu bei. Erst etwa ab der Mitte lässt sich das Buch flüssiger lesen.

Was mir hier sehr gefehlt hat, ist die gefühlvolle Handlung der Charaktere. In ihren Aktionen kommt das, was beschrieben wird, leider nicht zum Tragen, sodass man nur schwer eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Natürlich tut Emma einem leid, als Lisette ihr ihr Leben wegnimmt, doch dadurch, dass sie sich aus völlig bescheuerten Gründen nicht zur Wehr setzt, nimmt man ihr dieses Leid nicht ab. Sie wirkt dadurch unheimlich gleichgültig. Hier scheint es Probleme damit zu geben, die Rollen der Charaktere außerhalb der Beschreibungen echt wirken zu lassen.

Die einzelnen Erzählungen von Kendra haben mich ebenso gestört. Wären sie als Anhang angefügt worden, wären sie sicher besser aufgehoben gewesen. So tragen sie nur dazu bei, dass die Hauptgeschichte dauernd unterbrochen wird und man einfach nur schnell mit ihnen fertig sein möchte, damit man weiß, wie es weitergeht. Insgesamt nimmt die eigentliche Geschichte also viel weniger Platz ein, als es uns das Buch weismachen möchte.

Der Haupthandlung fehlt es von Anfang bis Ende an Spannung. Es ist tatsächlich eine so alltägliche Geschichte, wie sie anmutet zu sein. Einen Höhepunkt gibt es schon deshalb nicht, weil alles so vorhersehbar ist. Jemand, der ein Buch ohne Anspruch sucht, ist hier allerdings sicher gut aufgehoben.

Gestaltung:

Das Cover ist sehr einfach gestaltet. Es ist überwiegend schwarz und außer der Schrift gibt es nur ein lilafarbenes Kissen auf dem ein weißer Schuh steht. Dies lässt natürlich sofort den Rückschluss auf Aschenputtel zu, da dies ein bekanntes Motiv aus eben diesem Märchen ist. Da aber genau dieser Punkt keine Rolle im Buch spielt, finde ich das Cover zwar schön anzuschauen, aber als Visitenkarte für das Buch unpassend.

Wertung: 

Story und Charaktere, Sprach- und Schreibstil konnten mich leider nicht überzeugen. Dies war mein erstes Alex Flinn – Buch und wird wohl auch mein letztes sein. Zu flach waren mir die einzelnen Personen, zu aufgesetzt der Schreibstil, zu unpassend das Cover. Anspruchslose Lektüre, die allerdings einige Probleme Jugendlicher ganz gut aufgreift. Von mir gibt es für dieses Buch daher 1,5 Lila-Lesesterne.


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