Mittwoch, 4. Februar 2015

Rezension: Die Auserwählten - Im Labyrinth (James Dashner)







Titel: Die Auserwählten - Im Labyrinth
Reihe: Band 1 der Reihe "Die Auserwählten"
Verlag: Chicken House
Hardcoverausgabe mit 490 Seiten
ISBN: 978-3-551-52019-7
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: ab 13 Jahren
Preis:  16,95 Euro








Klappentext:

Er heißt Thomas. An mehr kann er sich nicht erinnern. Und er ist an einem seltsam bizarren Ort gelandet - einer Lichtung, umgeben von einem riesigen Labyrinth, in dem mörderische Kreaturen lauern. Gemeinsam mit fünfzig anderen Jungen sucht Thomas den Weg in die Freiheit. Doch dafür bleibt ihnen nicht viel Zeit...

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Story und Charaktere:

Als Thomas aufwacht, weiß er weder, wo er sich befindet, noch wer er überhaupt ist. Umringt von Jungen verschiedener Altersgruppen, die seltsame Worte verwenden, muss er versuchen, zu verstehen, in was er da hineingeraten ist. Schon bald wird ihm klar, dass das hier kein Spiel ist. Von seltsamen Maschinenwesen gejagt, umringt von einem gigantischen Labyrinth, muss Thomas sich in das Leben auf der Lichtung eingewöhnen. Etwas, was gar nicht so einfach ist, dringt doch plötzlich durch, dass jemand ihn kennt. Und nicht nur das, noch jemand kommt auf die Lichtung – eine Person, mit der Thomas noch viel mehr verbindet, als ein paar Erinnerungen.

Thomas ist der Hauptcharakter des ersten Bandes um die Auserwählten. Ein passender Titel, denn nur ausgewählte Personen werden ohne Erinnerungsvermögen auf die Lichtung, inmitten eines gigantischen Labyrinthes geschickt, auf der auch Thomas sich wiederfindet. Von Anfang an hinterfragt er alles und versucht angestrengt, wieder an seine Erinnerungen zu gelangen. Er ist sehr neugierig und gerät dadurch immer wieder in Schwierigkeiten. Aus irgendeinem Grund möchten ihm die anderen Bewohner der Lichtung einfach keine Informationen zukommen lassen.
Thomas ist ein Charakter, der ziemlich genau weiß, was er will. Dabei setzt er immer alles aufs Spiel und wirkt dadurch ziemlich naiv. Er geht an alles ziemlich sachlich heran, wodurch die Naivität einen gewissen Ausgleich findet. Er ist nach außen immer sehr gefasst, obwohl er innerlich vor Angst manchmal am liebsten schreien würde. Dennoch lässt er zumeist seinen Kopf die Oberhand über seine Emotionen gewinnen und funktioniert einfach weiter. Schnell ist klar, dass er sich unter den ganzen Jungs am schnellsten weiterentwickelt. Durch sein Handeln und seine Fähigkeit klar über die Dinge nachzudenken, erhält er Führungsqualitäten ohne Führer zu sein. Als Neuer auf der Lichtung, hat er natürlich nichts zu sagen. Eine Tatsache, die ihm nicht schmeckt und gegen die er sich immer wieder wehrt. Er hat keine Lust, anderen unterwürfig zu sein und zieht deshalb meistens trotzdem sein eigenes Ding durch.

Chuck ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Thomas. Er war vor ihm „der Neue“ und heftet sich von Anfang an an Thomas Fersen. Ihn zeichnen weder Mut, noch Selbstbewusstsein aus, dafür aber absolute Loyalität gegenüber den Menschen, die er als seine Freunde bezeichnet. Chuck ist meistens sehr ängstlich und versucht sich so zu verhalten, dass er möglichst nicht auffällt. Erst durch Thomas lernt er andere Seiten an sich kennen, die er begeistert für das Gelingen von Thomas Vorstellungen einsetzt.

Über die anderen Jungen auf der Lichtung möchte ich nicht viel sagen. Wie auch Thomas, muss der Leser all die anderen Personen selbst kennenlernen. Mir persönlich fiel dies sehr schwer. Nach dem Lesen des Buches kann ich die anderen Jungs immer noch schlecht auseinanderhalten. Sie lassen sich schwer voneinander abgrenzen und wirken, als wären sie Statisten, die der Geschichte helfen sollen, voranzukommen. Das ist sehr schade, denn gute Charaktergestaltungen sind für ein Buch in meinen Augen immer schon die halbe Miete.
Durch die Art, wie aus Thomas Sicht alles sehr sachlich dargestellt wird, behält man auch als Leser somit eine gewisse Distanz bei, der die Schwammigkeit der Charaktere eventuell geschuldet ist. Einzig zu Chuck, mit seiner unerschütterlichen Treue und seinem Glauben an Thomas, baut man so etwas wie eine Beziehung auf.

Die Geschichte ist sehr interessant, wirft viele Fragen auf und hält am Ende wenig Antworten parat. Ich bin gespannt, ob diese in Band 2 geliefert werden.

Was mir besonders gefallen hat:

Mit diesem Buch hielt ich tatsächlich etwas „Anderes“ in der Hand, als ich mir vorgestellt oder bisher gelesen hatte. Der Schreibstil ist recht einfach, der Sprachstil sehr sachlich. Dadurch wird alles in einem Licht präsentiert, das bisher noch kein Buch aufgewiesen hat und mit dem der ein oder andere Leser sicherlich seine Probleme haben wird. Meine Probleme damit, werde ich später erläutern.
Die Beschreibung des Labyrinths und die der Gefahren, die dort lauern, machen das Ganze zu einem sehr beklemmenden Ort, an den man als Leser definitiv nie selbst gelangen möchte. Alles, was im Labyrinth passiert, wird sehr rasant beschrieben und lässt das Buch immer wieder zu einem Pageturner werden. Schade, dass es von diesen Situationen nicht so viele gibt, wie ich sie mir gewünscht hätte.
Auch gefallen hat mir, dass man als Leser keinerlei Zusatzinformationen bekommt. Man ist quasi immer auf demselben Stand wie Thomas und damit niemandem voraus. Durch das Fehlen von Informationen, ist man also gezwungen, bis zum Schluss durchzuhalten, sich mit Thomas durch die einzelnen Situationen zu beißen und kann natürlich hervorragend miträtseln, worum es letztlich denn nun geht.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Die Idee um das Labyrinth, die Auserwählten und alles was damit zusammenhängt, hat mir insgesamt sehr gut gefallen, an der Umsetzung hat es stellenweise jedoch arg gehapert. Nicht nur, dass die Tiefe der einzelnen Charaktere fehlte, auch das Zusammenleben und die Beschreibungen der Lichtung, wurden mehr als dürftig dargestellt. Von der Lichtung hatte ich bis zum Ende kein klares Bild, weder  wie groß welcher Ort ist, wo genau auf der Lichtung er liegt oder wie das Gesamtbild aussieht. Hinzu kamen all die seltsamen Namen der einzelnen Gebäude, mit denen man zum Teil nichts anfangen konnte. Die Verwendung von Wörtern, die auf Worterfindungen basieren, fand ich ebenfalls sehr unschön, sorgten sie doch immer wieder dafür, dass man beim Lesen ins Stocken kam. Alle scheinen trotz Verlustes ihres Erinnerungsvermögens, immer noch prima die ganz normale Sprache zu beherrschen, trotzdem jedoch kommt es zu diesen Wortkreationen, deren Verwendung mir absolut unnötig erschien. Ob dies irgendwie besonders hip wirken sollte, weiß ich leider nicht, mich jedenfalls hat es sehr gestört.

Der langatmige Anfang war etwas, was mich fast dazu gebracht hat, das Buch wieder abzubrechen. Dadurch, dass Thomas tausende Fragen stellt, aber keinerlei Antworten bekommt und sich diese Situation mit jedem Lichter quasi wiederholt, fühlte ich mich schnell gelangweilt und genervt. Ich sehe auch bis zu diesem Zeitpunkt absolut keinen Sinn darin, warum Thomas keinerlei Informationen erhalten hat. Schließlich sitzen alle im selben Boot und alle sind irgendwann genauso verwirrt auf der Lichtung erschienen.
Mit „Langatmigkeit“ kennt sich der Autor definitiv aus, denn diese findet sich immer und immer wieder. Gerade wenn es um seitenlange Erläuterungen von Problemen geht, neigt man dazu, ein paar Seiten zu überblättern, damit es endlich weitergeht.
Sprachlich fallen vor allem die ganzen ständigen Wortwiederholungen auf, die den Sprachstil sehr abgehackt wirken ließen.

Was mir außerdem gefehlt hat, waren Emotionen. Obwohl diese immer wieder mal benannt werden, werden diese aber nicht gefühlt. Wenn man sich nur mal selbst kurz vorstellt, in was für einer Situation die Jungs stecken, was um sie herum passiert, dass immer wieder Lichter sterben etc. kann ich nicht nachvollziehen, wie alles so kalt sein kann.
Auch wenn es um sehr schlimme Situationen geht, die zum Teil sehr brutal sind, bleibt diese Kälte erhalten. Schade, ich hätte gerne mehr mitgefiebert.

Gestaltung:

Ein halber Kopf, ein kreidegezeichnetes Labyrinth und jede Menge blau – das ist das Cover dieses Buches. Sehr einfach, aber effektiv. Es bleibt nicht viel zu sagen, außer, dass es sehr passend ist.

Wertung:

Die Idee hinter diesem Buch hat mir sehr gut gefallen und mich überhaupt dazu gebracht, das Buch zu kaufen und lesen. Leider jedoch hat es viele Defizite im Bereich der Charaktergestaltung, der Beschreibung der Lage, dem Spiel mit Emotionen. Das Ganze ist so sachlich geschrieben, dass es dem ein oder anderen Leser sicher schwer fallen wird, bei der Stange zu bleiben. Ich hoffe sehr, dass sich der Autor im zweiten Band, vor allem was das Vermeiden von langatmigen Szenen betrifft, gesteigert hat und vergebe bis dahin 2,5 Lila-Lesesterne an den ersten Band.


Kommentare:

  1. Yay, neue Rezis von dir! :) Und was für eine schöne gleich als erstes... "Die Auserwählten" habe ich auch noch gar nicht gelesen und dachte, ich stehe völlig alleine da. Bin gespannt, wie du die anderen Teile findest. Hast du den Film gesehen?
    LG,
    Krink

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    1. Huhu Krinkelkroken,

      bin im Moment total hinterher mit meinen Rezensionen... Die Zeit rinnt einem einfach durch die Finger. Ich hatte auch das Gefühl, das Buch haben schon ALLE gelesen. Den zweiten Band habe ich noch hier liegen... ich schiebe und schiebe und schiebe ihn :(

      Den Film habe ich noch nicht gesehen. Wegen dem Trailer allerdings, hatte ich mir dann das Buch besorgt. Hast du ihn dir angeschaut?

      Liebe Grüße :)
      Iris

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