Freitag, 20. Februar 2015

Rezension: "Die Flüsse von London" (Ben Aaronovitch)






Titel: Die Flüsse von London
Reihe: Band 1 der Reihe "Peter Grant"
Verlag: dtv
Taschenbuchausgabe mit 478 Seiten
ISBN: 978-3-423-21341-7
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: keine Angaben
Preis:  9,95 Euro








Klappentext:

Können Sie beweisen, dass Sie tot sind?

Peter Grant ist frischgebackener Police Constable, als man ihm einen unerwarteten Karrierevorschlag macht: Er soll Zauberlehrling werden, der erst in England seit fünfzig Jahren. Jetzt muss er sich mit einem Nest von Vampiren in Purley herumschlagen, einen Waffenstillstand zwischen Themsegott und Themsegöttin aushandeln, Leichen in Covent Garden ausgraben... Alles ziemlich anstrengend. Und der Papierkram!

"Ich liebe dieses Buch!" Charlaine Harris

"So stellt man es sich vor, wenn Harry Potter erwachsen geworden und zu den Bobbies gegangen wäre. Eine einzige große, witzige, phantasievolle Kapriole." Diana Gabaldon

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Story und Charaktere:

Peter Grant hat auf eine Sache überhaupt keine Lust: einen langweiligen Schreibtischjob. Doch genau der scheint ihm nach seiner Ausbildung zum Police Constable zu blühen. Seine Kollegin Lesley hat es da besser erwischt. Sie bekommt einen Job in einer Abteilung, die Peter vor Neid erblassen lässt.
Da kommt ihm ein ungeheurer Zufall zur Hilfe. Ein Tatort in Covent Garden hält einen überraschenden Zeugen bereit, der Peters Leben ganz schön auf den Kopf stellen soll. Anstelle eines lebenden Mannes, trifft er dort auf einen Geist, den natürlich nur er sehen kann. Das ruft Polizeiinspektor Thomas Nightingale auf den Plan, der Peter unter seine Fittiche nehmen soll. Thomas Nightingale ist ein Zauberer mit vielen Geheimnissen und soll Peter nun in diesem besonderen Bereich lehren. Aus dem Schreibtischjob für Peter wird somit nichts.
Gleichzeitig jedoch, muss Peter weiter seinem Job bei der Polizei nachkommen und den Fall aus Covent Garden lösen. Dieser wird jedoch immer verworrener. Rätselhafte Morde geschehen, seltsame Dinge gehen vor sich. Peter muss tief in die Geschehnisse eindringen, um herauszufinden wohin der Fall ihn führen wird. Dass er dabei ganz nebenbei noch eine Fede zwischen Themsegott und -göttin schlichten soll, scheint dabei das kleinste Problem zu sein.

Peter Grant scheint zunächst ein unscheinbarer junger Mann zu sein, der, wie viele bei der Polizei, eine Zukunft am Schreibtisch vor sich liegen sieht. Dabei will er das ganz und gar nicht. Schade, dass man dabei kein Mitspracherecht hat. Gott sei Dank, kann das Schicksal den Menschen aber gelegentlich zur Hilfe eilen und so landet Peter schon bald im wohl größten Abenteuer seines Lebens. Als er herausgefunden hat, dass er mit Geistern sprechen kann, hält er das Ganze noch für verrückt. Mit dem Auftauchen von Thomas Nightingale jedoch, ändert sich seine Haltung gegenüber seinen Fähigkeiten. Gerade noch unscheinbar, entpuppt sich Peter nun als wissbegieriger, neugieriger Mann, der seine Grenzen testen will. Dabei bleibt er jedoch zumeist sehr sachlich und realistisch. Natürlich macht er auch Fehler, ist hin und wieder von sich selbst enttäuscht, wenn etwas nicht klappt und setzt sich dann selbst unter Druck. Zusätzlich scheint er noch keine gefestigte Persönlichkeit zu sein. Oft wirkt er verträumt, abwesend und lässt sich außerdem sehr leicht von seinem Umfeld beeinflussen. Dies alles macht ihn sehr sympathisch, da er eben nicht der typtische Überheld ist, sondern auch Ecken, Kanten und Fehler hat.
Neben seinen neuen Fähigkeiten, muss Peter sich auch auf seinen derzeitigen Fall konzentrieren, der ihm die magische Welt noch näher bringt. Dabei scheint alles sehr verworren zu sein und Peter wirkt hier und da überfordert. Insbesondere, als es auch noch darum geht, den Flussgöttern bei ihren Problemen zu helfen, ist die Kiste voll. Peter muss sich in so vielen verschiedenen Situationen behaupten, präsentieren, souverän zeigen etc., dass einem nichts anderes übrigbleibt, als einen gewissen Respekt für ihn und sein neues Leben zu empfinden.

Die Charaktere von Ben Aaronovitch sind schwer zu greifen und zu beschreiben. Sie alle haben so viele verschiedene Eigenschaften, dass es eine ganze Weile dauert, bevor man sie wirklich verstehen kann. Bei all den verschiedenen Personen fällt es zwischenzeitlich schwer, den Überblick zu behalten, da alle im gleichen „sachlichen“ Licht dargestellt werden. Das Buch über einen längeren Zeitraum zu lesen, ist gerade deshalb nicht empfehlenswert.
Das tut der Geschichte und dem Gesamtwerk allerdings keinen Abbruch, es führt lediglich dazu, dass ich an dieser Stelle keine weiteren Personen vorstellen möchte.

Was mir besonders gefallen hat:

Schon im Vorfeld wurde mir oft gesagt: „Das Buch liest sich wie ein Stadtplan.“ Dem muss ich zustimmen, allerdings auf positive Art und Weise. Aaronovitch präsentiert uns hier ein London der besonderen Art. Er spricht nicht nur über diese Stadt, er lebt sie auch in seinem Buch aus. Er entführt den Leser in dunkle Gassen, vielbefahrene Straßen, an die Themse, in die Oper, an öffentliche Plätze – einfach an alle Orte, die aus einer Stadt eine Stadt machen. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen, konnte ich mich dadurch doch selbst viel besser in die Geschichte und die Geschehnisse vor Ort einfinden. Gespickt wurde das Ganze dann mit einem London, dass dem menschlichen Auge normalerweise verborgen bleibt. Es kommt zu interessanten Begegnungen mit Geistern, Göttern und auch Vampiren. Diese machen den fantastischen Teil des Falles aus, was mir ebenfalls sehr gefallen hat.
Interessant fand ich auch den Schreib- und Sprachstil des Autors, der sehr locker, aber gehoben und  sachlich-distanziert wirkt. Alles scheint von ihm auf sehr berechnende Art in Szene gesetzt worden zu sein. Insbesondere, was Informationen rund um den Fall, die Magie, die Stadt etc. betrifft, ist sehr detailliert beschrieben worden. Wer hier auf eine magische Atmosphäre wie in „Harry Potter“ oder ähnlichen Geschichten hofft, ist völlig falsch mit diesem Buch beraten. Hier geht man wirklich in die Tiefe der Geschehnisse, nimmt sie nicht einfach als gegeben hin, sondern muss Peter dabei begleiten, wie er kleine Schritte nach vorne, aber auch welche zurück macht. Diese Art, Charaktere auftreten zu lassen und Dinge zu beschreiben, ist mir bisher noch nicht begegnet, ist sicherlich sehr speziell und man sollte eventuell vorher in die Leseprobe schauen, ob es einem gefällt oder nicht.
Auch muss unbedingt noch der Humor des Buches erwähnt werden, der zwar oft offensichtlich ist, sich aber auch gerne zwischen den Zeilen versteckt und mit seiner trockenen und schwarzen Art hervorragend zu allem anderen passt. Ich bin sehr gespannt auf die Folgebände und hoffe, dass der Autor das Niveau des ersten Bandes halten kann.
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zur Spannung im Buch: Ein Krimi, wie man ihn normalerweise kennt, wird hier vergeblich gesucht. Wie schon erwähnt, ist mir noch kein Buch wie dieses begegnet, was auch im Bezug auf das „Krimi“-Genre gilt. Die Spannung ist ziemlich gleichbleibend, die kleinen Höhepunkte sind über das Buch verteilt, der Showdown verläuft gewissermaßen sehr ruhig. Es ist jedoch eine so interessante Berg- und Talfahrt, dass genau das mich immer wieder an das Buch gefesselt hat.

Zusatz: Empfehlung

Mein Tipp an alle Unschlüssigen ist deshalb, unbedingt vorab die Leseprobe zu lesen oder das Buch einfach mal in der Buchhandlung in die Hand nehmen und ein paar Seiten lesen. Ich finde den Stil des Buches sehr speziell und kann mir sehr gut vorstellen, dass er bei vielen Lesern nicht auf die gleiche Begeisterung stoßen wird. Deshalb auch, auf der Suche nach einem passenden Buchgeschenk, am besten vorher ausloten, ob diese Richtung den Geschmack der Person auch wirklich trifft.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, warum der Autor zwei Erzählstränge gewählt hat, die augenscheinlich nichts miteinander zu tun haben. Bei mir hat es vor allem dazu geführt, dass ich hin und wieder das Gefühl hatte, dass das Buch sich ein wenig zieht. Dies ist aber sicherlich vor allem Geschmackssache. Ich bin gespannt, wie der Autor dies über die weiteren Bände löst und werde ein Auge darauf haben.

Gestaltung:

Warum genau dieses Cover ein solcher Blickfang ist, vermag ich kaum zu sagen. Ich jedenfalls bin vom Cover magisch angezogen worden, wie es oft der Fall ist. Hier jedoch, habe ich keine Erklärung dafür. Eine interessante Schrift, über einem Londoner Stadtplan mit Vergrößerungsglas, macht sehr schnell klar, worum es im Buch gehen wird. Ich finde die Wahl des Motivs sehr passend und bin nach wie vor begeistert.

Wertung:

Mit diesem Buch ist ein sehr spezieller Fantasy-Krimi in mein Regal gezogen, der es definitiv in sich hat. Mir ist ein solches Buch noch nicht begegnet, was die Reihe umso interessanter macht. Ich empfehle dennoch Vorsicht bei der Wahl des Buches und einen Blick in die Leseprobe, um sich sicher zu sein, dass man mit dieser „speziellen“ Art das Richtige für sich gefunden hat. Da ich für mich die zwei Handlungsstränge nicht wirklich als Pluspunkt verbuchen konnte, vergebe ich daher 4,5 Lila-Lesesterne an den ersten Band dieser Reihe.


1 Kommentar:

  1. Hey :)

    eine sehr interessante und ausführliche Beschreibung die du hier hast. In den meisten teilen kann ich dir da auch nur zustimmen wie zum Beispiel, dass das Buch garantiert nicht für jeden was ist.

    Mit den zwei Handlungssträngen bin ich aber ein wenig anderer Meinung. Klar die beiden Fälle haben direkt keinen Zusammenhang aber trotzdem hilft der Fall der Flussgötter beim Hauptfall (wie sonst hätte Peter Vater Themse kennen lernen sollen ohne das es plump erscheint).
    Auch fand ich, dass die Abwechslung zwischen den Fällen die Geschichte ein wenig auflockert.

    Ansonsten will ich aber nochmal sagen, dass mir der Post sehr gefallen hat.

    Liebe Grüße
    Christoph

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