Mittwoch, 4. Februar 2015

Rezension: "Zwischen Ewig und Jetzt" (Marie Lucas)






Titel: Zwischen Ewig und Jetzt
Reihe: nein
Verlag: FJB
Hardcoverausgabe mit 463 Seiten
ISBN: 978-3-8414-2214-9
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: keine Angaben
Preis:  16,99 Euro







Klappentext:

Wenn das Jenseits dir noch was zu sagen hat...

"Ich habe ihn gesehen und mich sofort in ihn verliebt. Und im nächsten Augenblick war es schon wieder vorbei. Trennung, Schmerz, das volle Programm. Liebe auf den ersten Blick kennt jeder. Aber es gibt auch die Trennung auf den zweiten Blick. Von jemandem, den man sich einfach nicht erlauben darf. Weil er zu schön ist, zu allein, oder weil er ein Geheimnis hat."

Aber Julia kann nicht aufhören, an Nikolaos zu denken, den sie gleich am ersten Tag an der neuen Schule kennengelernt hat. Und tatsächlich hat er ein gefährliches Geheimnis - er kann mit Toten sprechen...

Eine wunderschöne Liebesgeschichte, die Gänsehaut macht - weil die Wahrheit stärker ist als der Tod.

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Story und Charaktere:

Neue Stadt, neues Glück. Nachdem Julia herausgefunden hat, dass ihr Leben bisher auf einer Lüge basiert hat, kann sie sich mit ihrer neuen Situation einfach nicht anfreunden. Sie will nicht in einer kleinen Wohnung ohne Luxus mit ihrer Mutter leben und zulassen, dass dies auch jeder weiß. So kommt es, dass sie ihren neuen Mitschülern gegenüber vorgibt, reiche Eltern und ein großes Haus zu haben. Leider erzählt sie auch ihrem festen Freund Felix, der aus der gehobenen Gesellschaft stammt, nicht, dass ihr Leben nicht ist, wie es zu sein scheint.
Alles wird noch viel komplizierter, als sie Niki kennenlernt. Den Jungen, den alle meiden. Schon bald weiß Julia auch warum. Niki kann mit Toten sprechen, eine Gabe, mit der auch sie schon bald in Berührung kommen soll – Niki hat nämlich eine Botschaft von ihrem gerade verstorbenen Großvater für sie. Schon bald kann sich Julia dieser Tatsache nicht mehr verschließen und auch gegen Nikis Anziehungskraft kann sie sich nicht wirklich wehren. Nun muss sie sich nicht nur zwischen zwei Jungen entscheiden, sondern auch noch den Auftrag eines Toten erfüllen.

Julia ist die Hauptcharakterin des Buches, aus der Sicht die ganze Geschichte erzählt wird. Auf mich wirkte sie sehr sympathisch, emotional und meistens sehr authentisch. Man bekommt automatisch Mitleid mit ihr, wenn man erfährt, was ihr in ihrem Leben widerfahren ist. Mit dem Tod ihres Vaters, ist ihr Leben wie ein Kartenhaus zusammengefallen, denn alles entpuppt sich als große Lüge, die sie nicht akzeptieren kann. Als ihr Großvater im Sterben liegt, weigert sie sich, ihn zu besuchen. Sie will nichts mehr mit den Menschen aus ihrer Vergangenheit zu tun haben, die ihr so lange etwas vorgemacht haben.
Als ihr Großvater ihr dann eine Botschaft aus dem Jenseits schickt, muss sie sich jedoch all dem erneut stellen. Zunächst noch skeptisch, muss sie jedoch schon bald herausfinden, dass nicht alles ist, wie es zu sein scheint. Dies sorgt für Verwirrung in ihrem Leben, von der sie eigentlich jetzt schon genug hat. Felix ist zwar ihr fester Freund, durch die Sache mit ihrem Opa, kommt sie jedoch auch Niki näher, an den sie ständig denken muss. Dieses Hin und Her kommt jedem, der selbst einmal zwischen zwei Jungen stand, sicherlich bekannt vor und wurde gut in die Geschichte integriert.
Felix und Niki sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Während Felix der blonde und blauäugige Schönling ist, um den sich die Mädels förmlich reißen, ist Niki der schwarzhaarige Außenseiter, den alle für verrückt halten. Kein Wunder, ist er doch nicht nur der Sohn eines Bestattungsunternehmers, sondern kann er noch mit Toten sprechen. Hinzu kommt, dass er ab und zu von den Geistern, die er hört, besessen wird. Diese Tatsachen haben letztlich dafür gesorgt, dass Felix und Niki nichts mehr miteinander zu tun haben, obwohl sie einmal die besten Freunde waren. Es ist sehr schwierig für beide, wieder irgendwie miteinander auszukommen, als Julia zwischen ihnen steht und die Hilfe beider Jungs benötigt, um zu erreichen, was sie erreichen muss.

Um Felix und Julia gibt es noch weitere Jugendliche, die zur angesagten Clique gehören und auf die ich nicht weiter eingehen werde. Auch auf die Erwachsenen, wie etwa Julias Mutter oder Nikis Vater gehe ich nicht weiter ein. All diese Charaktere sind jedoch sehr gut gestaltet worden, sodass man sich in ihrer Runde immer sehr wohl fühlt. Man hat von allen ein klares Bild, sodass es kein Problem für das Kopfkino gibt.

Was mir besonders gefallen hat:

Als absoluter Fan von Geistergeschichten, war dieses Buch sofort ein Muss für mich, als ich davon erfahren habe. Ein Junge der mit Toten sprechen kann? Das klang absolut super. Schnell kam ich beim Lesen in die Geschichte rein, ist der Schreibstil doch sehr flüssig und der Sprachstil sehr angenehm. Besonders interessant ist, dass vollkommen auf große Ausschmückungen verzichtet wird. Dennoch fehlt es an nichts und die Geschichte nimmt einfach ihren Lauf. Diese ist aus Sicht von Julia erzählt, was ich persönlich sehr ansprechend fand. Man konnte sich beim Lesen gut in sie hineinversetzen, ihre Gefühle mit ihr teilen und so auch sehr gut nachvollziehen, warum sie wie handelte.
Die Dreiecksgeschichte zwischen Felix, Niki und Julia ist sicherlich nichts Neues und auch etwas, das scheinbar in mittlerweile fast keinem Jugendbuch mehr fehlen darf, hier jedoch hat es mich nicht gestört. Ich fand das Ganze sehr glaubhaft, konnte Julias innerliche Zerrissenheit sehr gut nachempfinden und war selbst nicht sicher, wen von beiden ich wählen würde.
Insbesondere die Geisterszenen gefielen mir sehr gut – gab es doch einen Mix aus humorvollen Szenen und solchen, die man nicht selbst erleben möchte.

Was die Spannung betrifft, wird hier mit mehreren Höhepunkten gespielt, auf die immer wieder eine Talfahrt folgt. Da die Dreiecksgeschichte und die Geschichte um den Auftrag von Julias Opa und ihrer damit verbundenen Vergangenheit quasi parallel verlaufen, ist dies eine sehr interessante Lösung.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Bis ich etwas mehr als die Hälfte des Buches gelesen hatte, hätte ich es gerne weiterempfohlen, da es mir wirklich gut gefallen hat. Als es jedoch auf das Ende zuging, musste ich diese Empfehlung zurückziehen. So realistisch und glaubhaft ich die Darstellung der Ereignisse, der Reaktionen und Situationen ich bis dahin auch fand, plötzlich schien all das zu kippen. Die vorhandene Spannung, der man gerne folgte, wich einer so abgehobenen Unglaubwürdigkeit, die die Geschichte so sehr an Bodenständigkeit verlieren ließ, dass ich mich fragen musste, wie man auf ein solch absurdes Ende kommen konnte. Ich bin ehrlich entsetzt darüber, welche Lösung dem Leser am Ende präsentiert wird.

Schade fand ich, dass die anfängliche Geschichte um den Auftrag von Julias totem Opa immer mehr in den Hintergrund rückte und die Treffen zwischen Niki und Julia, Felix und Julia, Niki, Felix und Julia etc. immer mehr Raum einnahmen. Die umgekehrte Variante hätte mir persönlich viel besser gefallen und auch mehr Sinn ergeben.

Gestaltung:

Die Silhouetten eines Pärchens, die voreinander stehen und Händchen halten, stehen zwischen zwei Bäumen. Unter ihren Füßen liegen pinke Blütenblätter, direkt im Boden unter ihnen sieht man ein Skelett. Die Hauptfarben sind grau und schwarz, sodass der pinke Titel und die pinken Blütenblätter zum Hingucker werden. Ein Cover, dass mir sofort ins Auge gefallen ist und das sehr gut zum Inhalt passt.

Wertung:

Würde ich nur den ersten Teil des Buches werten müssen, würde diese Wertung sehr viel besser ausfallen. Da ich das Buch durch das absolut aburde Ende leider nicht weiterempfehlen kann, muss ich einige Sterne abziehen. Die Idee der Geschichte hat mir unheimlich gut gefallen, auch das Cover ist sensationell, das Gesamtbild stimmt am Ende aber leider nicht. Obwohl es mir schwer fällt, da auch Schreib- und Sprachstil mir wirklich sehr gefallen haben, kann ich leider nur 2,5 Lila-Lesesterne vergeben.


Kommentare:

  1. Oh nein, wie schade! Deine Rezi scheint dem Buch zu ähneln: Bei ersten Teil dachte ich mir: Genau für mich gemacht - und dann: schade, fail. :/
    Ich bin der Nummer-1-Geisterfan, also wenn du bessere Buchtipps hast: immer her damit!

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    1. Dieses Buch hat mich in eine echte Zwickmühle gebracht. Ich frage mich wirklich, wie man eine so tolle Geschichte, so versaubaseln kann... Fand ich auch echt schade. Hast du "Der 13. Gast" gelesen? Das fand ich echt gut :)

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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