Donnerstag, 3. März 2016

Rezension: "Gruselmärchen " (Anthologie)







Titel: Gruselmärchen
Reihe: nein
Verlag: Sperling-Verlag
Hardcoverausgabe mit 216 Seiten
ISBN: 978-3942104302
Vom Hersteller empfohlenes Lesealter: keine Angaben
Preis:  13,60 Euro






Klappentext:

Märchen voller Grusel: Verwunschene Orte… Gevatter Tod zieht seine Kreise… der Teufel führt die Menschen in die Irre und sammelt verlorene Seelen. Hier werden Königskinder vom Bösen verführt, Wanderer stoßen auf verbotene Schlösser, Hexen treiben ihr Unheil und düstere Gestalten mischen sich unter die Menschen. Nicht vor dem Einschlafen lesen.

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Story und Charaktere:

Schemenhafte Schatten ziehen durch die Lande, Hexen locken Fremde in ihr Haus, Magier gehen ihrem dunklen Handwerk nach, Dämonen und Seelensammler treiben ihr Unwesen und hin und wieder trifft man auf einen Gestaltwandler. Eine Magd kann ihr Glück kaum fassen, ohne den Preis dafür zu kennen, eine Prinzessin wahnt sich im Liebesrausch, während sie die wahre Gestalt ihres Liebsten nicht erkennt, Tischler gehen einen Packt mit dem Teufel ein und Liebende suchen einen Weg im Tode vereint zu sein. Ein Spiegel offenbart die Wahrheit, eine Tochter kehrt in die Arme ihres Vaters zurück. Geschichten mit Aussicht auf ein Happy End? Wer weiß es schon?

Die Gruselmärchen sind besetzt mit einer Fülle von Charakteren, die man in Gruselmärchen auch erwartet. Besonders oft vertreten ist der Tod, der in den verschiedensten Formen auftritt oder eine Rolle spielt. Neben den „Gruselcharakteren“ finden sich allerlei Charaktere, wie man sie aus dem Genre „Märchen“ kennt – so trifft man auf Müllerstöchter, Prinzessinnen, neidische Schwestern, Jünglinge usw. Die Gruselmärchen sind somit ein Mix von Charakteren, der speziell anmutet, aber wunderbar harmoniert.

Was mir besonders gut gefallen hat:

Die Gruselmärchen sind eine Sammlung von Geschichten unterschiedlicher Autoren. Insgesamt finden sich 28 Märchen in diesem Buch, die aus 28 unterschiedlichen Federn stammen und eine wahre Vielfalt an der Interpretation „Gruselmärchen“ liefern. Mir hat diese Unterschiedlichkeit sehr gut gefallen, hat sie vor allem einen Mix völlig neuer Ideen präsentiert. Die Schreibstile sind alle „märchenhaft“, die Sprache ist durchweg einfach gehalten. Schnell fliegen die Seiten dahin und im Anschluss hat man ein riesiges Repertoire neuer Lagerfeuergeschichten in petto. Besonders gefallen haben mir „Der Schattenrührer“ und „Tintensud und Teufelskreis“, die ich zu passender Gelegenheit, in einem schaurigen Moment, gerne mündlich weitergeben werde. Wer weiß, an welchem Lagerfeuer sie dann einst erzählt werden?

Natürlich wird hier auch ordentlich in die Klischeekiste gegriffen, aber das gehört dazu und hat sehr gut mit meinen Erwartungen an die Geschichten harmoniert. Aus diesen Klischees dann etwas Neues zu machen, ist die wahre Kunst an diesen Geschichten. Da ich als Kind großer Fan der „Gänsehaut“-Reihe, sowie den „Geschichten aus der Gruft“ war und jetzt als Erwachsene gerne die „Schauergeschichten“ von Chris Priestley lese, musste auch dieses Buch bei mir einziehen und hat mir ein eben solches Lesevergnügen bereitet. Schade, dass es nur Kurzgeschichten sind – in einigen Geschichten hätte ich gerne länger verweilt und das Gänsehautgefühl mit der Taschenlampe im Bett weiter ausgekostet.

Besonders gefällt mir außerdem, dass nicht alle Geschichten tatsächlich mit dem Bösen enden. Ab und zu, werden die Richtigen ihrer gerechten Strafe zugeführt oder auch einmal von etwas erlöst,was ihnen lange zu schaffen gemacht hat. So erhalten diese Gruselgeschichten in ihrem Mix ihren märchenhaften Charakter und lassen mich als Leser noch zufriedener zurück.

Gestaltung:

Die Farbgebung des Covers ist sicherlich passend zu den Gruselmärchen, das „verwaschen“ wirkende Bild und die darauf abgebildeten Figuren passen meiner Meinung nach jedoch nicht ganz zu dem, was der Inhalt bereit hält. Eigentlich kann ich keine der Geschichten mit dem Cover in Verbindung bringen. Mich persönlich haben Klappentext und Titel nach dem Buch greifen lassen, während das Cover für mich nicht wie ein „Hingucker“ wirkt. Das ist sehr schade und wird von mir deshalb explizit erwähnt, damit sich weitere Leser, auf der Suche nach neuen Gruselgeschichten, nicht durch das Cover vom Kauf des Buches abhalten lassen.

Wertung:

Die Gruselmärchen haben bei mir für eine spannende und unterhaltsame Lesezeit gesorgt und mein Repertoire an Gruselgeschichten für Tage wie Halloween aufgefüllt. Leider bin ich nicht mehr bei den Pfadfindern, aber mit Sicherheit werde ich meinem Patenkind noch die ein oder andere dieser Geschichten erzählen, wenn ihm nach Gruseln zumute ist. So gelangen diese Märchen vielleicht noch in die Kreise, in denen sie am gruseligsten sind – nämlich in die Zeltlager dieser Welt.
Für das Cover ziehe ich jedoch einen halben Stern ab und vergebe 4,5 LilaLesesterne und eine klare Leseempfehlung.


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